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Juni 2009

60 Jahre Computerviren

Vom Anfang und Ende der Viren!?

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/artikel/2389)

Der Bitkom meldet, die Zahl der Opfer von Computerkriminalität, sei stark gestiegen. 30 Prozent der Internetnutzer geben an, sie hätten im Internet schon einen finanziellen Schaden erlitten. Auch die Anzahl der verbreiteten Schadprogramme nehme weiter zu. Deren älteste Vereter sind Viren: Das erste Mal wurden sie 1949 beschrieben. Dieser Text ist der Entwicklung dieser gar nicht possierlichen Tierchen gewidmet.

Text: Carsten Eilers

Erstmals aufgestellt wurde die These, dass ein Computerprogramm sich selbst wiederherstellen kann 1949 von John von Neumann (Theory of Self-Reproducing Automata) Ein Jahr später wurde aus der Thorie Praxis in Form von Darwin, einem von Victor Vyssotsky, Robert Morris Sr. und Doug McIlroy von den Bell Labs entwickelten Computerspiel: Zwei von Spielern gesteuerte Programme kämpfen um die Kontrolle des Systems und versuchen dazu, sich gegenseitig zu überschreiben. Darwin war der Vorläufer des bekannteren Core War(s), das dem gleichen Spielprinzip folgt und 1984 von D. G. Jones und A. K. Dewdney vom Department of Computer Science der University of Western Ontario (Kanada) entwickelt wurde (Scans und HTML-Versionen der Artikel von A. K. Dewdney).

Der erste unter Laborbedingungen lauffähige Virus wurde erst 1972 von Veith Risak in seinem Artikel "Selbstreproduzierende Automaten mit minimaler Informationsübertragung" beschrieben. Der Vergleich eines selbstreproduzierenden Computerprogramms mit einem biologischen Virus taucht z. B. 1980 in der Diplomarbeit "Selbstreproduktion bei Programmen" von Jürgen Kraus (Universität Dortmund) auf.

Der Begriff "Computervirus" wurde 1984 von Frederick B. Cohen in seiner Doktorarbeit "Computer Viruses – Theory and Experiments" geprägt, in der auch der erste funktionsfähige Virus für Unix beschrieben wurde. Das erste Mal verwendet wurde der Begriff von Cohens Professor Leonard Adleman, als Cohen ihm seine Forschungsidee beschrieb.

Die Freiheit ruft

Der erste Virus "in the wild" war vermutlich der 1982 von Rich Skrenta für den Apple II geschriebene Elk Cloner, der sich über die Bootsektoren infizierter Disketten verbreitet und bei jeder 50. eingelegten Diskette ausgibt

Elk Cloner: The program with a personality

It will get on all your disks
It will infiltrate your chips
Yes it's Cloner!

It will stick to you like glue
It will modify ram too
Send in the Cloner!

Als erster Virus für MS-DOS gilt (c)Brain, der sich ebenfalls über Bootsektoren verbreitet und 1986 auftauchte. Der Virus enthält in einigen Versionen die angebliche Kontaktadresse der Entwickler, seine Herkunft ist aber umstritten.

1987 wurde der erste Virus für den Mac entdeckt: "Macinvirus" (auch bekannt als MacMag Virus) ist ein Hypercard Stack namens "New Apple Products", ein "Programm" für das Hypertext-System Hypercard. Beim Ausführen des Stacks wird der Virus im Systemordner installiert. Er läuft im Hintergrund und kopiert sich in den Systemordner jeder eingelegten Diskette. Der Virus sollte am 2. März 1988 eine Nachricht anzeigen und sich danach selbst deaktivieren.

Die Evolution macht sich bemerkbar

Der erste speicherresistente Virus ist der ebenfalls 1987 aufgetauchte Cascade-Virus, der COM-Dateien infiziert. Seinen Namen hat er von seiner "Schadfunktion": Die erste Version sorgte zwischen dem 1. Oktober und 31. Dezember 1988 dafür, das nach dem Start eines infizierten Programms die Buchstaben vom Bildschirm purzelten und sich am unteren Bildschirmrand auftürmten.

Einer der ersten Viren mit richtiger Schadfunktion war der Jerusalem-Virus (auch bekannt als "Friday the 13th", Israeli- oder PLO-Virus), der COM- und EXE-Dateien infiziert, jeden Freitag den 13. alle COM- und EXE-Dateien löscht und 30 Minuten nach dem Start eines infizierten Programms den Rechner verlangsamt.

1987 erschien bei Data Becker "Das große Computervirenbuch" von Ralf Burger, in dem auch der Quelltext einiger Viren enthalten war, darunter der erste Batchfile-Virus. Nach der Veröffentlichung des Buchs erschienen einige Monate lang Varianten der darin beschriebenen Viren.

Viren aus dem Baukasten und Viren aus der C't

1988 erschien das "Virus Construction Set" (oder auch Kit) für den Atari ST, mit dem sich maßgeschneiderte Viren erstellen lassen. Das Programm sollte eigentlich nur an Journalisten weitergegeben werden, die Erfahrungen mit Computerviren sammeln sollten. Natürlich kam es anders als gedacht und das Programm wanderte als Raubkopie durch die Gegend und führte zu etlichen neuen Viren.

Eine weitere Gruppe von Atari-Viren verdankt ihre Existenz einem in der c't-abgedruckten Listing eines Link-Virus, der fleißig modifiziert wurde. Während Schadsoftware heutzutage meist kryptische Bezeichnungen verpasst bekommt, verwendete man früher noch normale Namen – dieser Virus z. B. wurde Milzbrandvirus getauft.

Mit der Verbreitung der Computerviren entstand auch der Bedarf nach Programmen, die die Infektion verhindern und/oder infizierte Dateien und Disketten reparieren können. Die ersten Programme konnten nur einen bestimmten Virus oder einige wenige Viren erkennen. Wie damals üblich, wurden solche Programme auch in Zeitschriften abgedruckt. Aber auch Programme, die wie heutige Virenscanner alle bekannten Viren erkennen, gab es recht bald.

 

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