Juni 2009
Bei Mister Wong unterm Schreibtisch
Fortsetzung, Teil 4
Stefan, die vierte: Imedo
Es hat aufgehört zu regnen und auf dem Weg zum letzten Zielort laufen wir an der Spree entlang, sammeln Eindrücke, Berlin ist wirklich eine Reise wert.
Und schon stecken wir wieder im diesmal gläsernen Fahrstuhl, fahren erneut nach oben. Nebenbei fällt mir auf, dass alle Start-ups ihren Sitz unterm Dach haben, das ist fast symptomatisch zu sehen: Oben ist die Luft dünn, aber die Aussicht besser.
Imedo.de zeigt uns abschließend, dass mit guten Geschäftskonzepten wirklich was gehen kann – Gründer und Geschäftsführer Christian Lautner führt uns durch die Räume, die Tische sind vollbesetzt, hier wird das Thema Gesundheit mit Leben gefüllt: In dem Gesundheitsportal kann man sich mit anderen Mitgliedern kostenlos über Krankheiten austauschen und erhält einen schnellen Zugriff auf Fachärzte über Werbung im ausgeloggten Bereich oder deren Premium-Einträge. Ärzte können sich hier also eintragen und sich außerdem auf Kooperationsseiten anzeigen lassen. Kostenpunkt: 5 Euro pro Website, auf der man gelistet wird – das kann schnell ins Geld gehen, aber scheint sich auch für Ärzte zu lohnen. Christian hofft, bis zum Ende des Jahres mit der Website im grünen Bereich zu sein.
Reimar, die vierte: Zanox
Last but not least: Zanox. Begrüßt werden wir von Sebastian Wallroth, Director Innovation and Cooperation des Unternehmens. Affiliate Marketing heißt das Business, das hier betrieben wird. Zanox stiftet online Partnerschaften zwischen einem Anbieter (Advertiser) von Produkten bzw. Dienstleistungen und Verkaufspartnern (Publisher), die das Angebot der Advertiser auf ihren Webseiten promoten. Profitieren sollen davon letztlich alle Beteiligten: der Publisher, der eine Provision einstreicht, wenn genügend Besucher seiner Webseite das Angebot der Advertiser einkaufen. Der Advertiser wiederum kann durch eine erfolgreiche Promotion seiner Produkte einen höheren Umsatz erzielen. Bleibt der Erfolg aus, wird wiederum keine Provision für den Publisher fällig – ein fairer Deal.
Dass auch Zanox selbst nicht zu darben hat, belegt der weiträumige Geschäftssitz in einem ehemaligen Getreidespeicher. Vieles ist hier noch im Zustand wie anno dazumal. Nicht ganz freiwillig allerdings: "Ohne die Erlaubnis der Denkmalschützer dürfen wir hier keinen Nagel in die Wand schlagen. Allein bis man uns die Gardinen genehmigt hat, ist ein Jahr ins Land gegangen", sagt Wallroth und wirkt dabei nicht wirklich glücklich. Dann führt er uns ein Stockwerk höher in den Zanox Coworking Space. Auf dieser Etage beweist Zanox Gastfreundschaft: Unternehmen oder Organisationen wird hier Exil auf Zeit gewährt, freies WLAN und eine große Zahl an Schreibtischen können genutzt werden. Im Moment tagt in einem Winkel des gemeinsamen Arbeitsplatzes die Jugendorganisation einer Partei, und in einem abgeteilten Bereich wird ein Job-Interview über die Bühne gebracht. Auch uns gegenüber erweist man sich großzügig: zu genießen gibt es Brezeln und polnisches Bier. Die Stimmung unter den Teilnehmern des webinale Crawl hat ihren Höhepunkt erreicht, eifrig wird genetzwerkt und Socialising betrieben.
Wer hat an der Uhr gedreht? – Plötzlich wird Tobias hektisch: "Es ist 19 Uhr Leute, wir müssen los. Das BCC macht um 19 Uhr 30 dicht, die sind da unerbittlich." Glücklich und zufrieden ziehen wir, Tobias‘ Trüppchen, von dannen, die letzten Visitenkarten werden ausgetauscht.
Fazit
Viele Eindrücke auf am Ende doch gar nicht so vielen Kilometern. Berlin erfreut sich bei den Start-ups großer Beliebtheit, hier wird an interessanten und hoffentlich tragfähigen Geschäftsmodellen gearbeitet. Ob und wie lange die besuchten Anbieter bestehen, wird sich zeigen. Der webinale Crawl war eine gute Möglichkeit, um mal Web-2.0-Luft zu schnuppern und das bei bester Verpflegung, wie sich gezeigt hat.
Na, Reimar, ich für meinen Teil bin am Ende doch zufrieden, nur etwas geschafft. Wie fühlst du dich, alter Schreibsklave? Dito, Stefan, ich sag nur: "Ich bin total begeistert."









































