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Juni 2009

Bei Mister Wong unterm Schreibtisch


Fortsetzung, Teil 3

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/artikel/2353)

Reimar, die zweite: Golem

Hat der Besuch bei Metaversum doch bleibende Schäden hinterlassen? Station Nummer zwei ist erreicht, doch was ich hier zu sehen bekomme hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun: Wir betreten ein repräsentatives Gebäude, gleiten im edlen Glasaufzug einige Stockwerke aufwärts und erreichen einen lichtdurchfluteten Eingangsbereich. Die Tür wird geöffnet, ein gutgelaunter Herr heißt uns willkommen. Wir durchschreiten einen hellen, modernen Bürotrakt: rechter Hand eine Besucherlounge mit gemütlichen Ledersofas und Kickertisch. Linker Hand sind hinter einer Glasfront moderne Computerarbeitsplätze zu sehen. Eine Schar entspannter Mitarbeiter beantwortet geduldig unsere Fragen. Danach werden wir zur Büroküche geführt, wo Eis und Limonade zum Verzehr bereitstehen.


Wir befinden uns in den Redaktionsräumen des IT-Nachrichtenportals Golem.de. "Wahrscheinlich das schönste Büro unserer Tour", meint Tobias. "Am schönsten ist der Blick nach draußen, auf unsere ‚Troll-Wiese‘ vor dem Haus", ergänzt Golem-Geschäftsführer Jens Ihlenfeld. So ist das also: Der Blick aus dem Fenster auf das freakige Treiben in einer kleinen Parkanlage dient als Abwechslung vom IT-Alltag. Doch fehlt hier nicht Essenzielles – wo ist die übliche Hektik einer Redaktionsstube abgeblieben, wo haben sich die Fingernägel kauenden und Haare raufenden Schreiberlinge versteckt?


Fehlanzeige: So etwas gibt es hier nicht. Schön? Wunderschön? Mag sein – mir ist das aber einfach zu viel des Guten. Ich muss raus, brauche zur Erholung abgasgeschwängerte Luft und urbanes Chaos. Meinem Drängen wird nachgegeben, man verabschiedet uns aus dem Arbeitsparadies. Vor einem unscheinbaren Schnellimbiss hält Tobias an: "Hier wurde übrigens der Döner erfunden". "Aber weißt du auch, dass die das damals mit Heroingeldern finanziert haben?" fällt ihm eine dunkle Gestallt am Straßenrand ins Wort. Welcome back in Hell.

Stefan, die dritte: Labelfinder

Durch den Regen, tropfnass, jetzt wird's richtig lustig. Das Türschild gibt nicht viel her von Labelfinder.com – das kann ja heiter werden. Aber von wegen: Cookies, einer der beiden Geschäftsführer, hat nicht nur dieses Start-up aus dem Boden gestampft, sondern unterhält zudem den nach ihm benannten Szene-Club in der Nobel-Adresse Unter den Linden. Dass ich da zu später Stunde auch noch landen werde, ist eine andere Geschichte. Nach der Fahrt ins oberste Stockwerk ändert sich der erste Eindruck: der riesige Raum ähnelt mit seinem Oberdeck einem Luxusliner. Erst werden wir mit frischen Handtüchern versorgt, dann gibt's O-Saft, Prosecco oder Kaffee an der Bar. Alles schick hier, entspanntes Ambiente, so machen Start-ups Spaß.

Wir werden bestens versorgt, die netten Mitarbeiterinnen erzählen uns vom Labelfinder und den schon über 8000 Einträgen, die händisch eingetippt worden sind. Wer nach Labels wie Armani, Gucci oder auch kleineren sucht, wird hier fündig und bekommt Informationen über das Label geliefert sowie die zugehörigen Läden in den gewünschten Städten, in denen man die Mode kaufen kann. Geschäftsmodell: Die Labels können sich hier eintragen lassen und bei Schaltung eines Premiumaccounts von Sonderleistungen wie der besonderen Hervorhebung profitieren.

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Reimar, die dritte: Mokono

Na, geht doch: Unscheinbares Treppenhaus, knarrende Stiegen, kein Aufzug und die Klimaanlage hat man sich auch gespart. So hab ich's gern, hier fühle ich mich zuhause. Wir sind bei Mokono, einem Start-up, das sein Geld mit Blogvermarktung verdient. Darüber hinaus hat man mit blog.de und myblog.de auch zwei reichweitenstarke Blogcommunitys im Portfolio. Das hohe und helle Großraumbüro mit dem kargen Charme einer ehemaligen Werkhalle ist mit allem Notwendigen ausgestattet. Großflächige Schreibtische, modernes Arbeitsgerät und – besonders bemerkenswert – junge und gutgelaunte Mitarbeiter kann der Besucher hier zur Kenntnis nehmen.


Das ist nicht das schönste Büro unserer Tour, aber dafür beherbergt es den laut Tobias "coolsten Gründer" Berlins Vasco Sommer-Nunes. Was Tobias damit wohl genau meint? Mit verschmitztem Lächeln führt uns Sommer-Nunes zu einem Tischchen in einer Ecke des Büros. Plastikbecher werden ausgeteilt, ein großer Bottich kommt zum Vorschein. "Hat jemand Durst?" – was für eine Frage, die drückende Schwüle bringt einen ja bald um. Wie auf Kommando werden die Plastikbecher in Richtung Bottich gestreckt, eine große Kelle befüllt sie der Reihe nach mit einer interessant riechenden Flüssigkeit. Eine Bowle, die es in sich hat –neben einer Alibi-Früchteeinlage wurden hier Wodka, Bacardi und "ein bisschen Sekt" miteinander verrührt.

Mit anderen Worten: ein wahres Höllengetränk. Kaum rinnt der hochprozentige Trunk die trockenen Kehlen hinunter, fängt es draußen zu blitzen und zu donnern an. Die Warnsignale einer höheren Macht? Sie kommen zu spät – Hicks! "Will noch jemand einen Becher Bowle?" – der Blick geht nach draußen: es regnet in Strömen. Was soll's also: "Ich nehm noch einen." Etwas später hat der Wettergott ein Einsehen und wir können uns leicht benommen, aber trockenen Fußes zur letzen Station unserer kleinen Reise aufmachen.

Unterwegs weist uns der unermüdliche Tobias auf die "beste Hähnchenbraterei" der Stadt hin – unser Guide hat es irgendwie mit dem Essen. "Wisst ihr eigentlich, dass wir die einzige Truppe sind, die sich durch drei Stadteile bewegt?", fragt er und stellt mich gleich mal auf die Probe: Mitte, Kreuzberg, Friedrichshain? Richtig! Puh, ob Stefan Ähnliches zu überstehen hat?

 

Kommentare
Gravatar ck@powerflasher.de 11.06.2009
um 13:16 Uhr
Also unser Chef ist irgendwie immer und überall :) #zitieren
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