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September 2008

Crowdsourcing

Teil 3: Rechtliche Sicherheit, Fairness, Risiken

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/artikel/1941)

Nachdem wir uns zu Beginn dieser Serie umfassend mit dem Thema Crowdsourcing an sich sowie mit dessen Zwecken und Zielen befasst haben, geht es nun um so wichtige Fragen wie die rechtliche Sicherheit bei Crowdsourcing-Projekten.

Text: Matias Roskos

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Auch beim Crowdsourcing haben sich die Veranstalter an Regeln und Gesetze zu halten. Gleiches gilt für die Teilnehmer.

Oft wird bei der Betrachtung von außen übersehen, dass eine professionell initiierte Crowdsourcing-Aktion kein reines Spaßprojekt ist. Der Spaß, der immer einhergehen sollte mit gelebter Kreativität, darf selbstverständlich nicht zu kurz kommen. Aber es gibt immer einen Kunden, der eine gewisse Erwartungshaltung hat und der Geld in diese Aktion investiert. Und es gibt die Teilnehmer, die ihre Ideen, Gedanken, ihre Arbeitskraft einbringen, verbunden mit Hoffnungen, Erwartungen und Wünschen. Zwei Interessengruppen, die erwarten, dass sie fair behandelt werden und in einem rechtlich abgesicherten Rahmen agieren. Meist kommt auch noch eine Agentur hinzu, die eine solche Aktion organisiert und betreut und als Dienstleister fungiert.

Schutz des Auftraggebers und der Teilnehmer

Beide Interessensgruppen – Auftraggeber wie Teilnehmer – müssen rechtlich abgesichert sein. Hier ist es vonnöten, einen für beide Seiten akzeptalen und damit intelligenten Weg zu finden. Basis hierfür sind die Teilnahmebedingungen einer Crowdsourcing-Aktion.

Die Teilnahmebedingungen bilden den unbedingt notwendigen rechtlichen Rahmen, der allen Seiten Schutz bietet. Diese Teilnahmebedingungen müssen von jedem Teilnehmer akzeptiert werden, möchte er an einer Crowdsourcing-Aktion teilnehmen. Da man als Anbieter erreichen möchte, dass möglichst viele Ideen den Weg in das Projekt finden, dürfen mit den Teilnahmebedingungen keine hohen Hürden aufgebaut werden. Grundgedanke sollte neben dem Schutz der Rechte auch die Fairness gegenüber den Teilnehmern sein!

Nur wenn die Teilnahmebedingungen fair ausgestaltet und zudem auch sprachlich so formuliert sind, dass jeder sie verstehen kann, wird man erreichen, dass die potenziellen Teilnehmer sich nicht abgeschreckt fühlen und sie auch tatsächlich akzeptieren.

Das bedeutet wiederum, dass man sie nicht mit unnötigen Floskeln überfrachten sollte. Anwälte neigen gern dazu, jede Eventualität im Vertragswerk abdecken zu wollen. Aber wer liest sich 344 verschiedene Paragraphen durch? Je umfangreicher, je aufgeblähter Teilnahmebedingungen sind, je größer ist die Prozentzahl derer, die schnell wieder wegklicken und sich im Endeffekt nicht an der Aktion beteiligen. Damit erreicht man letztendlich das Gegenteil von dem, was man möchte: viele kreative Menschen motivieren, mitzumachen.

Alles Notwendige gehört hinein in die Teilnahmebedingungen – aber verständlich und übersichtlich muss es sein!

Hier nun einige wichtige Aspekte, die gerade bei Crowdsourcing-Aktionen unbedingt beachtet werden müssen, wenn es um die Rahmenbedingungen geht.

Temporäre Rechteübertragung

Es ist notwendig, dass die eingesandten Designs, Ideen und Entwürfe für die Dauer der Aktion vom Kreativen nicht anderweitig verwendet werden dürfen! Dieser Schutz des Kunden muss unbedingt gewährleistet sein. Dies ist eine zeitlich begrenzte Rechteübertragung und sorgt dafür, dass beispielsweise ein Produktdesign nicht während der Aktion von einem Konkurrenten direkt vom Einsender abgekauft wird. Dies würde zu einer rechtlich komplizierten und unangenehmen Situation für alle Seiten führen.

Die in die Aktion eingebrachten Entwürfe dürfen also in dem in den Teilnahmebedingungen genannten Zeitrahmen nicht anderweitig verwendet oder veräußert werden. Sobald die Sieger feststehen und die Aktion damit abgeschlossen ist, liegen alle Rechte wieder beim Einsender. Dies muss klar und deutlich geregelt sein. Unfair wäre es, wenn sich ein Veranstalter von vornherein die Rechte an allen Einsendungen, egal ob Sieger oder nicht, für alle Ewigkeit sichern möchte. Dies führt zu schlechter Mundpropaganda und nie ans angestrebte Ziel.

Welche Rechte werden von wem abgegeben?

Es muss in den Teilnahmebedingungen geregelt sein, welche Rechte der Teilnehmende letztendlich abtritt. Betreffen sie nur Onlinemedien oder auch den Printbereich? Gelten sie nur für Textilien oder auch für Werbematerialien? Kann der Kreative die Einsendung womöglich in Zukunft auch noch anderweitig verwenden? Ist es dem Veranstalter erlaubt, unter Nennung des Namens des Kreativen, die Einsendungen zu Werbezwecken für das Modell Crowdsourcing zu verwenden?

Hier sollte ein intelligenter Mittelweg gefunden werden, der dem Kunden die notwendigen Rechte an den Entwürfen sichert, die er letztendlich nutzen möchte. Aber es sollten – wiederum aus Gründen der Fairness gegenüber den Teilnehmern – tatsächlich auch nicht mehr Rechte eingefordert werden als unbedingt notwendig.

Verletzung der Rechte Dritter

Wichtig ist es, dass die Rechte Dritter, also Unbeteiligter, nicht verletzt werden. Dies kann zum Beispiel verwendete Schriften oder Sounds betreffen. Alle grafischen Elemente wie Illustrationen, Fotos, Logos müssen frei von Rechten Dritter sein. Am besten ist es immer, wenn alle verwendeten Elemente direkt vom Kreativen erstellt wurden und nicht vorher schon an andere Kunden veräußert wurden. Das ist im normalen Berufsleben eines Grafikers oder Illustrators genauso wie bei Kreativ-Crowdsourcing-Aktionen.

Man kann vom Kunden, dem Auftraggeber oder auch dem dazwischengeschalteten Veranstalter nicht erwarten, dass er die eingesandten Arbeiten auf die Verletzung der Rechte Dritter überprüft. Dies ist unpraktikabel und unfair gegenüber dem Auslobenden. Diese Sicherheit kann nur der Einsender selbst gewährleisten. Darum muss es seine Pflicht sein, zu garantieren, dass die Rechte Unbeteiligter nicht verletzt werden. Ist man sich als potenzieller Teilnehmer unsicher, sollte man die Arbeit lieber nicht einsenden. Man sollte nur zu 100 Prozent eigene Ideen und Entwürfe einreichen, die nicht vorher schon anders Verwendung fanden.

 

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