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Oktober 2008

Crowdsourcing

Teil 4: Das Neue und Innovative

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/artikel/1970)

In Internetforen und auf Weblogs tauchen sie ab und zu auf, die Diskussionen, ob denn Crowdsourcing – vor allem auch im Kreativbereich – überhaupt neu und innovativ sei. Oder ob es nicht einfach nur einen simplen Pitch um einen Auftrag darstellt. Manch einer hat Kreativ-Contests sogar mit Malwettbewerben in der Vorschule verglichen.

Text: Matias Roskos

Was ist anders?

Was ist so anders an Crowdsourcing-Prozessen gegenüber Pitches und altertümlichen Wettbewerben? Um die Unterschiede zu verstehen, muss man begreifen, was das Web 2.0 ausmacht. Web 2.0 ist mehr als ein Marketingschlagwort, um Menschen ins Internet zu locken.

Neue Technik

Web 2.0 bedeutet auf der einen Seite vielfältige technische Möglichkeiten für das aktive Agieren im Internet, verbunden mit hohen Bandbreiten. Erst durch DSL und andere Breitbandanschlüsse wurde es möglich, die heute üblichen, gewaltigen Datenmengen durchs World Wide Web zu schicken.

Auf der programmiertechnischen Ebene entstanden vielfältige Tools und Lösungen, die das Web 2.0 prägen. Dazu gehören Weblogs genauso wie Social Networks, das Verschlagworten (Taggen) von Bildern und Artikeln, Social Bookmarking wie bei del.icio.us und Mister Wong, Voting-Systeme, Empfehlungsplattformen und vieles mehr. Wir begegnen ihnen fast täglich und nehmen sie als selbstverständlich wahr.

Soziales Agieren

Web 2.0 steht auf der einen Seite also für neue technische Möglichkeiten im Internet. Aber – und das wird oft zu wenig beachtet – Web 2.0 bedeutet auch ein neues soziales Agieren der Nutzer im Netz. Vom passiven Besucher im World Wide Web wurde der virtuelle Mensch zum aktiv handelnden Internetnutzer. Die Menschen bringen sich auf verschiedenen Plattformen ein. Sie füllen Projekte wie YouTube, Flickr, LaFraise oder Dawanda mit eigenen Videos, Fotos oder selbst entworfenen Produkten. Sie kommentieren, bewerten, taggen und schaffen so echte Mehrwerte, die es in dieser Form vor einigen Jahren noch nicht gab.

Die im Netz aktiven Nutzer kommunizieren, anders als in der Vergangenheit, viel stärker untereinander und mit den Betreibern der vielen Plattformen – ein Grund, warum der Job des Community Managers immer wichtiger wird. Kommunikation auf Augenhöhe ist ein wichtiger Aspekt, den es so vorher nicht im Netz, nicht im Fernsehen, nicht im Radio gab. Der Internetnutzer hat eine Stimme bekommen, jederzeit und überall. Die großen Firmen und Marken allerdings lernen erst allmählich, sich darauf einzustellen.

Virtuelle Ökosysteme

Es entstehen soziale Netzwerke mit ganz neuen Dimensionen. Virtuelle Ökosysteme bilden sich heraus, die es in der Zukunft auch wirtschaftlich zu nutzen gilt. Und Crowdsourcing ist ein immer wichtiger werdender Bestandteil dieses "neuen Internets der Kommunikation auf Augenhöhe".

Bei herkömmlichen Pitches oder auch Malwettbewerben findet während des Prozesses nicht wirklich Kommunikation statt. Jeder arbeitet für sich, es wird präsentiert und gezeigt, was man entworfen hat. Sicherlich gibt es diese Elemente auch beim Kreativ-Crowdsourcing. Der kollaborative Gedanke ist heute oft noch nicht sonderlich ausgeprägt – NOCH wohlgemerkt. Dies wird sich in den kommenden Jahren Schritt für Schritt ändern und auch die Kreativen werden lernen, stärker als bisher im virtuellen Raum miteinander zu arbeiten.

Interaktiver Austausch auf verschiedenen Kanälen

Aber zum Crowdsourcing gehören nicht allein die Kreativen. Es findet immer auch ein Austausch mit der Community statt. Mal sind es Ideen, die diskutiert werden. Entwürfe werden in Kommentaren besprochen und verbessert. Es gibt Voting-Systeme mittels derer sich Community-Mitglieder einbringen können. Und diese Communitymember sind nicht allein die Kreativen selbst, sondern können in der Kreativszene vollkommen fremde Menschen sein.

Zudem findet bei innovativen Kreativ-Crowdsourcing-Prozessen Kommunikation auf verschiedenen Kanälen statt, die selten einseitig (wie bei einem Pitch) ist. Man regt sich gegenseitig an, lässt sich inspirieren, greift Ideen auf (ohne sie 1:1 zu kopieren), man entwickelt gemeinsame Konzepte. Oft werden Ideen weiterentwickelt, Wünsche des Kunden können aufgegriffen oder verbessert werden. Diskussionen werden in Foren und in Social Networks hinein getragen. Markenbotschaft und Name werden so viral weiter gereicht.

Das ist anders!

Das ist das Neue und Innovative am Kreativ-Crowdsourcing. Im Netz aktive Menschen, die gemeinsam spannende, ausgefallene und passende Kreativlösungen finden. Und nebenbei werden die zu Beginn dieser Serie angesprochenen Mehrwerte geschaffen: Designdienstleistung, Viralmarketing und Suchmaschinenmarketing. Damit ist das Crowdsourcing einem herkömmlichen Pitch weit überlegen.

 

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