April 2009
Crowdsourcing
Teil 6: Das Fazit
In bisher fünf Artikeln habe ich über die Vorzüge, die Risiken und die Einsatzmöglichkeiten von Crowdsourcing geschrieben. Man konnte nachlesen, warum der Einsatz dieses neuen virtuellen Modells für ein Unternehmen Sinn macht. Beleuchtet wurde auch, warum Kreative an Crowdsourcing mitmachen sollten. Ich habe dargelegt, warum faire Rahmenbedingungen und ein professionell arbeitender Dienstleister so wichtig sind – einige Negativbeispiele demonstrieren mittlerweile, dass diese Punkte nicht immer beherzigt werden. Crowdsourcing ist nicht allein ein Hype. Im Crowdsourcing steckt ein enormes Potenzial, das bisher erst oberflächlich genutzt wurde. Wir stehen ganz am Anfang einer Entwicklung, die in den kommenden Jahren immer mehr an Fahrt aufnehmen wird. Hier nun ein Fazit, ausgehend vom heutigen Stand der Dinge.
Text: Matias Roskos
Alle Wege führen ins Web 2.0
Alle Wege führen ins Web 2.0. Auch wenn das manch einer nicht wahrhaben will, es bleibt doch eine Tatsache. Unternehmen, Marken, Dienstleister, PRler dürfen nicht darauf warten, dass die Menschen zu ihnen kommen – sie müssen von sich aus dort präsent sein, wo die Menschen sind: im Internet. Früher saßen sie eher vor dem Fernseher, lasen Zeitung oder hörten Radio. Keine Frage: Menschen sitzen immer noch vor dem Fernseher, Zeitungen werden trotz allem noch gelesen und viele drehen im Auto weiterhin ihr Radio an. Diese Kanäle funktionieren auch weiterhin, aber ihre Bedeutung sinkt. Die Zahlen für den TV- und Zeitungskonsum verringern sich. Rapide.
Immer mehr Menschen wagen den Schritt ins Internet. Immer mehr Menschen nutzen das Internet immer intensiver. Jede Woche, jeden Monat investieren sie eine Stunde oder zwei mehr ins Web. Zeit wandert: weg vom Fernseher, weg von der Zeitung, hin zum Internet. Warum das so ist? Weil sich die Menschen im Internet aktiv einbringen können, dort mündige Nutzer sind und ihre eigenen "Programme" gestalten dürfen. Während sie vor dem Fernseher passiv sitzen bleiben müssen, und nur die Chance zum Zappen oder Ausschalten besteht, können sie im Internet aktiv werden. Keine Einbahnstraßen mehr, sondern Kommunikation im ursprünglichen Sinn. Mit anderen Worten: Kommunikation auf Augenhöhe mit Marken und Markenbotschaftern.
Noch sind viele Menschen sehr vorsichtig im Umgang mit Web-2.0-Elementen im Internet. Schritt für Schritt nähert sich Otto-Normalnutzer dem Ganzen an: Kommentieren, Fotos bewerten, eigene Bilder verschlagworten, Rezensionen schreiben, Empfehlungen aussprechen, andere auf etwas hinweisen, das einem selbst gefällt, ein eigenes Blog mit Leben füllen, sich mit Freunden in einem Social Network vernetzen. Und: Das Web 2.0 wird nicht jeden da draußen in den kommenden Jahren erreichen. Schließlich gibt es ja auch Menschen, die keinen Fernseher haben, nie Zeitung lesen oder Radio hören hassen. Aber die Zahlen für den Internetkonsum steigen und steigen und steigen. Und das aus guten Gründen.
Crowdsourcing – gefährlich gut
Crowdsourcing ist ein Bestandteil des Web 2.0 – eines seiner besten. Denn beim Crowdsourcing greife ich ganz direkt auf die Fähigkeiten, das Wissen und das Können von Menschen zu und biete ihnen Möglichkeiten, sich zu entfalten. In einem (hoffentlich) für alle Beteiligten fairen Rahmen. Zum Vorteil der Marke, des Unternehmens – das so Markenbotschaften direkt zum potenziellen Konsumenten bringen kann – und zum Vorteil der Nutzer – die wiederum sich selbst aktiv einbringen können. Dazu gehören kreative Ideen, dazu gehört Produktdesign, Feedback auf Markenbotschaften und durchaus auch Kritik. Der Nutzer kann endlich zum Ausdruck bringen, was ihm gefällt und was ihm nicht zusagt. Und wenn das Unternehmen in der Lage ist zuzuhören, kann es für den Kunden adäquatere Produkte entwickeln.
Crowdsourcing bricht oft eingefahrene Strukturen auf: Talente bekommen dabei etwa eine echte Chance, ihre Ideen und ihr Können einzubringen. Das stört natürlich den einen oder anderen "Profi". Dabei ist längst nicht alles "Gold", was ausgebildete PR-Fachleute, Diplom-Grafiker und Werbeagenturen täglich abliefern. Wie kümmerlich sind oft deren Werbeclips, Zeitungsanzeigen, Kampagnenideen. Da denken viele, und das nicht ganz zu unrecht: "Das hätte ich auch gekonnt, vielleicht sogar besser."

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