April 2008
Das Ende des Web, wie wir es kennen
Fortsetzung, Teil 3
Auch über das Internet hinaus ist das Modell anwendbar. Softwareentwickler können es nutzen, um die in einer einzelnen Klasse verborgene Funktionalität für andere Softwarekomponenten zu demonstrieren – über eine definierte Schnittstelle, quer durch die spezifische Umgebung, in der die Schnittstelle existiert (Konnektivität/Verfügbarkeit).
Das Web 2.0 ist eine Plattform, welche die mit ihm verbundenen Geräte über Dienste verbinden soll – doch es ist noch weit mehr. Wenn immer mehr Typen von Geräten mit dem Internet verbunden werden, ist es notwendig, die Dienste im Hinblick auf ihre Architektur, Umsetzung und Spezifikation sorgfältiger zu durchdenken. Der Client-Tier, verwendet in Client-Server-Modellen, wurde im oben abgebildeten Modell aufgeteilt, um so die beiden verschiedenen Aspekte des Clients innerhalb des Modells zu betonen:
• die Anwendungen (Applications) und die Laufzeiten (Runtimes) sowie
• die Benutzer (Users), die letztlich das eigentliche Ziel der meisten Interaktionsmuster sind.
Da sich das Web 2.0 größtenteils um Menschen dreht, die gemeinschaftlich für den Erfolg eines Prozesses arbeiten, muss das Modell deren Wichtigkeit und Einbindung angemessen widerspiegeln.
Was bereits gestorben ist
Noch ist die Client-Server-Technologie nicht vollständig ins Nirwana entschwunden, doch ist es unwahrscheinlich, dass neue Geschäftsmodelle weiter auf einem derartig einfachen Modell aufgebaut werden. Das heutige Web berücksichtigt, dass die User weniger loyal und geduldig sind, als es noch in der Ära von 1994 bis 2000 der Fall war. Wenn Designer und die Betreiber von Webanwendungen nur einen geringen Grad der Nutzerbeteiligung zulassen, riskieren sie, die Mehrheit der Benutzer zu verlieren.
Was also ist konkret in den vergangenen fünf Jahren "gestorben"?
1. Einfache Client-Server-, Request-Response-Architekturen:
Diese allzu simplen Interaktionen wurden teilweise in den Ruhestand geschickt zugunsten von Anwendungen, die etwas über die Benutzer wissen. Die meisten neuen Interaktionen verwenden das obige Modell, in dem Benutzer (oftmals Menschen, aber auch andere Anwendungen) mit irgendeiner (Leistungs-)Ressource über das Web interagieren.
2. Mangelndes Wissen über ihre Benutzer:
Die erste Version des Internets basierte auf idempotenten, größtenteils anonymen Benutzeraktionen, wie sie oben erwähnt wurden. Die neue Realität sieht so aus, dass die Benutzer von Webanwendungen eine kontextabhängige User Experience erwarten, die sie als Nutzer auch einbindet. Benutzer suchen nach fokussierten Inhalten. Zu den Beispielen für das neue Modell gehören die personalisierbaren Homepages von Google und Facebook.
3. Non Rich User-Interfaces:
Langweilige grafische und auf reine Funktionalität beschränkte Benutzeroberflächen sind tot. Viele Firmen stehen nach eigener Aussage vor der einen großen Herausforderung, dass sie Informationen so grafisch aufbereiten müssen, dass sie für die Benutzer verständlich werden. Diese Forderung lässt sich in erster Linie mit Rich Internet Applications (RIAs) umsetzen. Diese neuen Anwendungen gehen über einfaches HTML hinaus, um AJAX, Flex, Silverlight, Java FX und Flash einzubinden.
4. Fehlende Offenheit bei Anwendungen:
Webanwendungen ohne APIs und andere Interaktionsmechanismen, die Entwicklern zur Verfügung stehen, gehören 2008 ebenso zum alten Eisen. Benutzer verlangen nach Kontrolle über ihre Interaktionen. Zum Beispiel lässt sich die Anwendung Twitter, die vor allem für ihre SMS-Funktionalität bekannt ist, besser als geräteagnostisches Messaging-System beschreiben. Benutzer können aus einer Vielfalt von Verwendungs- und Freigabemethoden wählen – u.a. Web, Instant Messaging, benutzerdefinierte Clients, alternative Websites und SMS.
5. Plattformen, die ohne SOA-Ausrichtung erstellt sind:
Infrastrukturen, die von enger Bindung und nicht-wiederverwendbaren Ressourcen abhängen, riskieren es, zum nächsten Opfer des Wandels zu werden. SOA (serviceorientierte Architektur) ist eine wichtige Facette der meisten neuen Webanwendungen, einschließlich derjenigen, die auf Muster wie zum Beispiel Software as a Service (SaaS) und Mashups setzen. In diesem Kontext ist SOA ein Architekturparadigma für die Koordinierung von Anforderungen und Ressourcen zwischen verschiedenen Verantwortungsbereichen. SaaS ist Software, die als Funktionalität verteilt wird, im Unterschied zu Software, die auf jedem Computer installiert werden muss.
6. Nicht kooperative Interaktionen:
Benutzer möchten mitwirken und beitragen können. Anwendungen, die nur senden und denen es selbst an minimalen Möglichkeiten zur Benutzerpartizipation (zum Beispiel über Kommentare, Tagging oder Mashup von Inhalten) mangelt, sind ebenfalls reif für den Schrottplatz.
Die Zeit für solche Anwendungen ist also bereits abgelaufen. Sehen wir uns nun einige Dinge an, die zwar heute noch laufen, in den nächsten fünf Jahren aber verschwunden sein werden.
































