April 2008
Das Ende des Web, wie wir es kennen
Fortsetzung, Teil 4
Was wird morgen sterben?
Auch wenn das Web 2.0 als Bewegung die kollektive Erfahrung des Internets verbessert hat, sind sowohl Entwickler als auch Benutzer mit so manchem unzufrieden. Wie oft haben Sie zum Beispiel schon Kontaktdaten mit ein und denselben Personen ausgetauscht, bei Plaxo, LinkedIn, MySpace, Facebook, MyTopFriends, Spock, Friendster oder einem anderen Social Network?
Untersuchen wir also einige Dinge, die wahrscheinlich die nächsten fünf (oder sogar drei) Jahre nicht überdauern werden:
1. Duplizierung:
Als Benutzer werden wir aufgefordert, die gleichen Informationen immer und immer wieder einzugeben. Ob es sich dabei um Identifikation, persönliche Details oder die Darlegung von Beziehungsverhältnissen zu anderen Nutzern handelt, wir sollten sie nicht immer wieder neu eingeben müssen. Warum etwa müssen wir die gleichen Geschäftskontakte sowohl auf LinkedIn.com als auch bei Plaxo.com separat eingeben? Wäre es nicht sinnvoller, wenn wir sie einfach von einem System exportieren und dann in das andere importieren könnten? Noch besser wäre es natürlich, sie nur einmal in einem offenen Framework eingeben zu müssen – sowohl Plaxo als auch LinkedIn können diese Informationen dann einfach auslesen.
Viele Firmen bestehen auf einer der bisher gebräuchlichen Lösungen, weil sie fürchten, Benutzer an ihre Mitbewerber zu verlieren. Dennoch haben derzeit Bewegungen regen Zulauf, die sich für die Datenportabilität einsetzen. Damit sollen Benutzer in die Lage versetzt werden, Daten mit jedem anderen ausgewählten Benutzer gemeinsam zu nutzen. Auch wenn die Richtliniendebatten sich noch weiter hinziehen: auf der Technologieseite sind Fortschritte zu verzeichnen. OpenID besitzt das Potenzial, eine universelle Identität zu werden, und OAuth ist ein sich herausbildender Standard, der es Sites erlaubt, Daten sicher und kontrolliert durch die User gemeinsam zu nutzen.
Irgendwann wird jemand die Führung übernehmen und als erstes eine Ontologie (eine gemeinsame Konzeptionalisierung) über die Arten der Mensch-zu-Mensch-Beziehungen erstellen, darauf aufbauend ein offenes Framework konzipieren, mit dem Individuen ihre Beziehungen zentral verwalten können, und diese Inhalte mit anderen sozialen Systemen (wo sie anwendbar sind) verknüpfen ndash; wobei gleichzeitig die Kontrolle über die eigenen Informationen aufrechterhalten wird.
2. Mangel an Offenheit:
Walled Gardens verfallen heutzutage zunehmend, wenn immer mehr Leute von Websites und Portalen zu Plattformen migrieren. Studiert man die Architektur von Facebook, erkennt man leicht, dass es sich um eine Plattform und nicht um einen Walled Garden handelt. Die Macher von Facebook haben aus den Fehlern vorheriger Versuche gelernt und Entwicklern erlaubt, die Kernplattform zu erweitern. Was ist der Gewinn hierbei? Die gleichen Entwickler machen sich auf und fördern die Plattform, während sie versuchen, ihre Erweiterungen in bare Münze umzusetzen.
3. Vereinfachte Konzepte für die Semantik:
Die Idee des Semantic Web wird unterschätzt. Und die unbeholfenen Versuche, es mithilfe von Tags umzusetzen, lassen sich inzwischen nicht mehr zählen. Das Semantic Web ist ein Nirwana, in dem Rich-Metadaten es sowohl Menschen als auch Maschinen erlauben, Ressourcen wesentlich genauer aufzuspüren. Semantik ohne die Führung und das Framework einer höheren Logik (Ontologie) ist in vielerlei Hinsicht todgeweiht. Momentan herrscht die Annahme: Wenn wir etwas mit einem Tag versehen, dann können es andere in seiner Bedeutung verstehen. Manche haben dieses Vorgehen sogar als "Web 3.0" betitelt, was nur demonstriert, dass sie die fundamentalen Konzepte des Web 2.0 gar nicht erfasst haben.
Was ist nun aber eigentlich erforderlich? Ein Framework, wobei die Logik erster Ordnung als Führungsprinzip für die semantische Domäne verwendet werden kann. Das Ganze muss auf eine mehrsprachige, gemeinsame Konzeptionalisierung des Webs und der darin enthaltenen Informationen, die auf Verweisen zur Realität basieren, hinauslaufen. Lassen Sie das einen Moment auf sich wirken. Kann jemand wirklich verstehen, was eine "stark gewürzte Speise" ist, ohne sie tatsächlich probiert zu haben?
4. Die Gabelung des Webs:
Standards spielen immer noch eine Rolle. Webdesigner wollen nicht sechs AJAX-Anwendungen für zwei unterschiedliche Versionen von drei Browsern entwickeln, nur weil es keine Übereinkunft gibt, wie man einen oder mehrere Standards implementiert. Wenn nämlich diejenigen, die Standards implementieren, sich nicht mehr darum kümmern, wie sie in einer Weise zu entwerfen und zu implementieren sind, die echte Interoperabilität ermöglicht, ist das Ergebnis eine "Gabelung" des Web.
































