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März 2008

Das World Wide Web


Fortsetzung, Teil 5

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/artikel/1634)

Nicht mehr primär Software und Texte, sondern verstärkt auch Musik, Bilder und Videos sind Gegenstand des Austauschs und der Zusammenarbeit geworden. Nicht mehr nur die Sache, die geteilt und ausgetauscht wird, steht seither im Mittelpunkt, sondern verstärkt die Person der User. Neue Tools wie diejenigen, die unter dem Begriff Social Software zusammengefasst werden, und neue Kultur- und Marktstrategien haben das soziale Wesen Mensch zum Webwesen gemacht, das sich online verbal, visuell und akustisch artikuliert und in Beziehung zu anderen Webwesen tritt. Das Web ist Teil dieser neuen Wesen geworden, ebenso wie diese Teil des Webs sind, nicht nur mit ihren Rechnern, sondern mit ihrer Person. Bewusst geschieht das beispielsweise, indem wir unser Tagebuch online als Blog führen, unser Fotoalbum Diensten wie Flickr anvertrauen, unsere Meinung in Foren publik machen und Profilseiten mit detaillierten Informationen zu unserer Person, unserem Werdegang und Umfeld auf Kontaktbörsen und Plattformen wie Myspace, Xing und StudiVZ anlegen.

Meist unbewusst hingegen geschieht diese Webwesenwerdung, indem das Web durch die Datensammelwut besuchter Sites und verwendeter Werkzeuge ein Gedächtnis aufbaut. Strukturiert mit Verweisen und Tags funktioniert es anders als das in unserem Kopf, ist akribischer, kennt kein Vergessen und ist öffentlich einsehbar. Unliebsame Erinnerungen daraus wieder zu löschen ist meist unmöglich. Zitate, Zwischenspeicher von Suchmaschinen und gigantische Archive wie die WayBackMachine entziehen sich unserem Zugriff. Kritikern geht diese Entwicklung zu weit. So fordert etwa Harvard-Professor Viktor Mayer-Schönberger bereits, Daten durch technische Mitteln mit einem Verfallsdatum zu versehen, um das Verhalten der Technik an den Menschen anzupassen anstatt umgekehrt. Denn schließlich ist Vergessen menschlich. Die neue Technik kennt das nicht.

2004 begann ein neues Buzz-Wort zu zirkulieren: Web 2.0. Als Vater dieses Begriffs gilt Tim O'Reilly, seit er in jenem Jahr eine gleichnamige Konferenz organisiert hatte. Inzwischen hat das Schlagwort eine Inflation erlebt und er distanziert sich von der Art, wie es heute oft verwandt wird. In einem Interview mit Spiegel Online sagte er im November 2006: "Viele Leute versuchen, den Begriff zu verfälschen und ihn in eine Neuauflage der Dotcom-Blase zu verwandeln". Tatsächlich gehe es vor allem um die Idee, "kollektive Intelligenz nutzbar zu machen". Produkte kollektiver Intelligenz wie Wikipedia und Linux wecken natürlich Begehrlichkeiten, dieses kooperative Potential anzuzapfen, es lukrativ zu machen. Wenn das in zurückliegenden Jahren Erreichte bereits weitgehend spontan und selbstorganisiert zustande kommen konnte, was wäre dann erst möglich, wenn man sich dem Phänomen systematisch nähert, es unterstützt und kanalisiert, es vor allem auf breitere Schichten auszudehnen vermag! Ideen sprießen. "Crowdsourcing" will Aufgaben auf die vielen offenbar bereitwillig im Internet wartenden Schultern verteilen.

Nicht nur Forschungseinrichtungen wie die Berkeley-Universität von Kalifornien mit ihrem Seti-Projekt zur Suche nach außerirdischem Leben, sondern zunehmend auch Firmen setzen auf dieses Potential. Sie lagern einen Teil ihrer Forschungsabteilung aus, nicht an Drittunternehmen, sondern auf die Mitmachmassen im Internet. Manche bieten eine Prämie für die Lösung unbewältiger Probleme, z.B. über den darauf spezialisierten Dienst InnoCentive. Andere rufen Kunden auf, neue Modelle zu entwickeln, wie es etwa Lego tut. Doch nicht nur die geballte Denkkraft der Netzmassen, nicht nur die von ihnen generierten Inhalte, sondern auch die über sich selbst preisgegebenen Informationen sind eine lukrative Einnahmequelle. Für die Werbung sind diese Daten hochinteressant. Zielgenau lassen sich so potenzielle Kunden ansprechen. Das ist meist Teil des Geschäftsmodells sozialer Netzwerke, die sich als Kontaktpflege-, Business- und Diskussionsplattformen anbieten. Eines der ältesten ist das seit März 2003 verfügbare Friendster. Bald folgten andere wie Facebook und das später in Xing umbenannte OpenBC.

 

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