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März 2008

Das World Wide Web


Fortsetzung, Teil 3

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/artikel/1632)

Das brachte die anderen Industrieländer in Zugzwang. Der Europäische Rat richtete eine Kommission unter Leitung Martin Bangemanns ein, die im Mai 1994 einen Bericht namens "Europa und die globale Informationsgesellschaft" veröffentlichte. Unter anderem propagierte dieser sogenannte Bangemann-Report Investitionen in Forschung und Ausbildung und stellte Forderungen, die großenteils dem amerikanischen Vorbild entsprachen. Der Ausbau einer Kommunikationsinfrastruktur sollte durch den privaten Sektor erfolgen, auf regulierende Eingriffe des Staates weitgehend verzichtet werden. Eine der einschneidendsten Folgen dieses Aktionsplans war die Liberalisierung der Telekommunikationsmärkte. Das Netz der Netze hatte einen Kreativitäts- und Innnovationsschub ausgelöst und war in seine kommerzielle Phase eingetreten. Die große Frage begann zu lauten: Wie lässt sich mit dem neuen Medium Geld verdienen? Ein Goldrausch setzte ein. Das ist im Cyberspace nicht anders als mehr als hundert Jahre zuvor in Kalifornien, am Yukon und am Klondike River. Erst einmal verdienen diejenigen, die Transport, Unterkunft, Schürfwerkzeuge und Waschpfannen anbieten. So waren die ersten Gewinner des Internetbooms Provider und Onlinedienste sowie Produzenten von Hard- und Software für das Netz und seine Nutzung. Browser, Kataloge und Suchmaschinen wurden als unentbehrliche Werkzeuge erkannt, ohne die die anschwellende Informationsflut wertlos wäre. Diese Erkenntnis spiegelte sich in den sagenhaften Börsenerfolgen der ersten Anbieter solch dringend benötigten Rüstzeugs wieder.

Bei Netscapes Börsengang am 9. August 1995 explodierten die Kurse, wenn auch die Gewinne nicht mithielten. Doch schenkte die neue Goldgräbermentalität dem Kurs-Gewinn-Verhältnis kaum Beachtung. Absteckung der Claims, Durchsetzung und Marktdominanz zählten. Hoffnungen richteten sich auf die Zukunft und Ängste, den rechtzeitigen Einstieg zu verpassen, machten sich breit. Ähnliches galt für die ersten Kataloge und Suchmaschinen. Jerry Yang und David Filo hatten während ihres Studiums an der Universität von Stanford im Februar 1994 begonnen, eine Liste von interessanten Websites zusammenzustellen und als "Jerry and David's Guide to the World Wide Web" zu veröffentlichen. Bald darauf benannten sie sie in "Yahoo!" um. Im Herbst 1994 zählten sie ca. 100.000 Unique Visitors täglich. Im April 1995 gründeten sie eine Firma mithilfe des Kapitalgebers Sequoia Capital. Beim Börsengang im April 1996 stieg der Aktienkurs am ersten Börsentag gleich um 154 Prozent. Damit hatte das Unternehmen mit damals unter 50 Angestellten einen Börsenwert von rund 800 Millionen Dollar erreicht. Und das, obwohl es im vergangenen Quartal nur 1,73 Millionen Dollar Umsatz gemacht hatte. Andere Ansätze folgten. Der Suchdienst "Lycos", der zunächst von der Carnegie Mellon University betrieben wurde, hatte 1995 nach eigenen Angaben acht Millionen Websites verzeichnet und wechselte seither mehrmals den Besitzer. Zahlreiche Suchmaschinen wurden entwickelt. Viele Firmengründungen stürzten sich auf den neu entdeckten Markt. Erfolgreich waren in dieser frühen Phase z.B. Excite und AltaVista, bevor sich später Google als beliebtestes Werkzeug durchsetzte, so dass der Begriff "googeln" synonym für eine Suche im Web wurde.

Mit den neuen bequemen Methoden zu surfen und sich Informationen zu erschließen wurde das World Wide Web immer beliebter. Es wurde zur Business- und Werbeplattform. Große Firmen wie Bertelsmann, Sony und Time-Warner arbeiteten tüchtig daran, sich das Internet als Marktplatz zu erschließen. Es entstanden Ansätze, Information zur Ware zu machen. Um sie nur denjenigen zur Verfügung zu stellen, die dafür bezahlt hatten, mussten Schutzmechanismen, Zugangskontrollen und Rechtekontrollsysteme geschaffen werden. 1994 eröffnete die erste Cyberbank "First Virtual" ihre Pforten. Im Juli 1995 ging bei Amazon das erste Buch über den virtuellen Ladentisch. Im September des gleichen Jahres fand die erste Auktion bei eBay statt. Software und Tickets, aber auch sperrigere Dinge wie Wein und Blumen begannen online ihren Weg zum Kunden zu finden. Rar blieben aber die Internetnutzer, die bereit waren, für Content in barer Münze zu zahlen. Zu sehr hatten sich Tausch- und Geschenkökonomie etabliert. Erfolgreicher erwies sich der Werbemarkt, Hauptverdienstquelle von Suchmaschinen und zahlreichen Portalen und Diensten. Im Gefolge der Wirtschaft kamen die Rechtsanwälte. Gesetzgeber und Gerichte beschäftigen sich mit dem Internet. Domain-Namen wurden zu einem aggressiv umstrittenen Territorium und Handelsobjekt. 1996 erwarb z.B. CNET die URL "tv.com" für 15.000 US-Dollar. Der Domainname "business.com" wurde 1997 für 150.000 Dollar verkauft und zwei Jahre später bereits für 7,5 Millionen weiterverkauft.

 

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