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September 2009

Das bringt Photoshop Elements 8

Die Beta im Test

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/artikel/2578)

Die Windows-Ausgabe von Photoshop Elements 8 soll ab sofort für 100 Euro zu kaufen sein. Nach der Pause bei Elements 7 erscheint im Oktober auch wieder eine Mac-Ausgabe. Wir konnten Elements 8 bereits in einer Betaversion unter Windows testen.

Text: Heico Neumeyer

Photoshop Elements 8 – der Ableger des Profiprogramms Photoshop CS4 – bietet in einer allgemein verbesserten Oberfläche erstmals automatische HDR-Montagen und staucht Bilder so, dass Hauptmotive ohne Quetschungen zusammenrücken. In der Windows-Ausgabe stehen noch Gesichts- und Qualitätserkennung auf der Liste der Neuheiten. Die Erweiterungen bei Oberfläche und Korrektur kennt man von Photoshop CS4, die Gesichtserkennung erinnert an iPhoto 9.

Automatischer Qualitätscheck

Bei der Bildverwaltung bietet Photoshop Elements 8 unterschiedliche Lösungen für Mac- und Win-Kunden: Mac-Nutzer erhalten die Bilddatenbank Bridge CS4, die auch zu Photoshop CS4 und anderen Adobe-Programmen der CS4-Reihe gehört. Der Organizer, die Bildverwaltung von Elements 8 für Windows, bietet nur zwei Sortierkriterien und zeigt zumindest in der getesteten Betaversion keine Dateinamen an. Der wichtigste Vorteil gegenüber Bridge: Der Organizer aus Elements 8 sucht alle Bilder automatisch nach Gesichtern und Qualitätsmerkmalen ab. Die Fotos erhalten "intelligente Tags" (automatisch zugeteilte Stichwörter) wie "Geringe Qualität", "Fokussiert" oder "zu dunkel". Auch Videos werden untersucht.

Die Stichwörter zeigt der Organizer aus der Windows-Version dann in der üblichen Liste mit den Suchbegriffen. Ein Doppelklick auf eines der Stichwörter reiht nur noch passende Fotos auf, zum Beispiel lediglich als verwackelt erkannte Aufnahmen. Die Miniaturen analysierter Fotos zeigen Symbole für Gesichtserkennung und Qualitätscheck – aber keine Logos speziell für Unschärfe oder Fehlbelichtung. Die Erkenntnisse überzeugten in der getesteten Beta aber nicht: Schlechte Aufnahmen bekamen teils gute Noten und umgekehrt.

Die Fotoanalyse läuft automatisch im Hintergrund ab. Die Untersuchung lässt sich komplett oder teilweise abschalten: So verzichtet man zum Beispiel auf Analyse von Weichzeichnung, Helligkeit und Kontrast oder man startet die Untersuchung generell nur manuell, zum Beispiel in einer Arbeitspause.

Seine Stichwörter schreibt Elements wie bisher zunächst nur in die eigene Datenbank, nicht aber direkt in die Bilddateien. Einen IPTC-Eintrag mit Stichwörtern erhalten die Fotos erst mit dem Befehl "Stichwort-Tag und Eigenschafteninformationen mit Foto speichern". Dann jedoch landen auch Urteile wie "Fokussiert" oder "Hohe Qualität" im IPTC-Feld, zusammen mit benutzereigenen Einträgen wie Orts- oder Personennamen.

Solche Stichwortreihen gibt man jedoch nur ungern weiter, zumal sie auch von Fotoseiten wie Flickr übernommen werden. Es gelingt nur umständlich, Bilder mit eigenen Stichwörtern zu speichern, die nicht gleichzeitig auch die Qualitätsurteile des Organizers enthalten: Man verzichtet entweder ganz auf die Analyse oder entfernt die automatisch erteilten "intelligenten Tags" mühsam von Hand.

Die Gesichtserkennung

Schon länger erkannte der Elements-Organizer generell Bilder mit Gesichtern. Erstmals unterscheidet das Adobe-Programm nun einzelne Personen und bietet automatisch Namen als Stichwörter an. Schon die Vorserienversion von Elements 8 spürt Gesichter zuverlässig auf. Nur selten verwechselt Elements Tischdekoration oder eine Zimmerpflanze mit einem Gesicht. Bereits registrierte Personen werden recht sicher wiedergefunden.

Die Namen erscheinen als reguläre Stichwörter in der Stichwortliste. Ein Doppelklick auf einen Namen zeigt alle entsprechenden Portraits. Gleichzeitig bietet Elements weitere Fotos an, auf denen die selbe Person vermutet wird. Der Anwender muss die Fundstücke einzeln bestätigen oder widerrufen. Zudem vergibt der Organizer Stichwörter wie "Ein Gesicht", "Großaufnahme", "Kleine Gruppe" oder "Zwei Gesichter". Auch über den normalen Miniaturen erscheinen gelegentlich Fragen wie "Ist das Sven?" oder "Wer ist das?" Die Gesichtserkennung lässt sich aber auch komplett abschalten.

Oberfläche à la CS4

Die verfeinerte Bedienung im Editor – also in der Bildbearbeitung – übernahm Ideen von Photoshop CS4. So ändert sich die Pinselgröße bei Retuschen jetzt durch Ziehen mit der rechten Maustaste bei gleichzeitig gedrückter Alt-Taste. Zudem lassen sich Bildfenster erstmals über den Rahmen des Programmfensters hinausschieben – nützlich vor allem bei Zweischirm-Systemen. Die aus CS4 bekannte Schaltfläche "Anordnen" stellt Bildfenster ordentlich nebeneinander. Geöffnete Dateien lassen sich bequemer als bisher auf eine gemeinsame Zoomstufe und Position bringen sowie synchron zoomen und im Fenster bewegen.

Wer dieses Verhalten irritierend findet, verzichtet in den Voreinstellungen auf die Option "Schwebende Dokumente im Editormodus zulassen". Nun zeigt die Bildbearbeitung generell nur ein einziges Bild innerhalb des Programmfensters. Andere geöffnete Bilder lassen sich noch über das "Fenster"-Menü oder über die Projektleiste unten im Programmfenster aufrufen. Außerdem gibt es nach Art von CS4 neue Registerkartenreiter für jede geöffnete Datei.

Elements 8 bietet erstmals auch eine Korrekturenpalette nach Art von CS4: Der Anwender muss die Dialoge von Einstellungsebenen wie "Helligkeit/Kontrast" oder "Farbton/Sättigung" also nicht mehr öffnen und schließen, sie stehen vielmehr dauerhaft in der Palette zur Verfügung. Die verwendeten Werte lassen sich damit bequem sichten und ändern, die Änderungen können via Korrekturenpalette ausgeblendet und auf eine einzige von mehreren Ebenen beschränkt werden.

Stauchen ohne Verletzungen

Auch die weiteren Elements-8-Neuheiten stammen unmittelbar von Photoshop CS4, erhielten aber im Einsteigerprogramm eine handlichere Oberfläche und lassen sich bequem per Assistent durchspielen. So das Stauchen ohne Verfremdung des Hauptmotivs, das in CS4 "Skalieren (Inhalt bewahren)" heißt: Oft gibt es zwischen zwei Personen zu viel leere Fläche im Bild – zum Beispiel Wand, Himmel oder Landschaft. Elements 8 staucht das Bild jetzt so, dass die Hauptmotive näher zusammenrücken, ohne gequetscht zu erscheinen. Lediglich der überflüssige Hintergrund belegt anschließend weniger Bildfläche. So kann man Motive verdichten und an gewünschte Seitenverhältnisse anpassen.

Häufig erkennt das "Neu-Zusammensetzen-Werkzeug" die Hauptmotive selbstständig und staucht bereits ohne Vorarbeit perfekt. Erscheinen jedoch auch Personen bereits gequetscht, übermalt man Wichtiges grob mit dem "Schutzpinsel". Überflüssige Zonen werden mit dem "Löschpinsel" zum Stauchen freigegeben. Man kann auch einzelne Personen oder andere markante Details mit dem Löschpinsel übermalen, um sie beim Stauchen gezielt mit Hintergrund zu überdecken. Anders als bei Photoshop CS4 lassen sich wichtige Bereiche jedoch nicht mit üblichen Auswahlwerkzeugen und präzisen Alphakanälen schützen.

Nur Elements bietet beim Stauchen zudem feste Seitenverhältnisse an. Die getestete Beta listet hier aber nur ein paar Hochformate für Fotopapiere auf, individuelle Proportionen lassen sich gar nicht einstellen.

HDR-Montagen per Automatik

Elements setzt erstmals fast vollautomatisch Belichtungsreihen zu HDR-Montagen zusammen, bei denen jeder Bildbereich optimal durchgezeichnet sein soll. Ähnlich wie bei der HDR-Funktionen des "Photomerge"-Befehls aus Photoshop CS4 überzeugen die Resultate nicht ganz. Sie lassen sich in Elements jedoch mit Reglern für Tiefen, Lichter und Farbsättigung noch verfeinern, ohne dass man mit Einzelebenen und Ebenenmasken hantieren muss.

Interessante Variante: Der Anwender kann in einem Einzelbild Zonen einrahmen, die auf jeden Fall im Gesamtergebnis erscheinen sollen. So mischt man Bilder, die sich stark unterscheiden, und setzt beispielsweise eine Hauptperson nahtlos in einen anderen Hintergrund, der im überlagerten Teil extrem dunkel oder hell ist. Adobe empfiehlt die Technik, um Blitzlichtportraits mit einer Langzeitbelichtung des reinen Hintergrunds zu mischen. Wie bei Adobe-Programmen üblich, müssen die Einzelbilder nicht deckungsgleich sein – das Programm biegt die Konturen passend zurecht.

Der Gesamteindruck

Adobe bereicherte Photoshop Elements um nette neue Features aus Photoshop CS4, übergeht jedoch schon länger bestehende Mängel. Der Hersteller achtet weiter auf strikte Trennung zwischen seinen drei Bildprogrammen Photoshop, Photoshop Elements und Lightroom. Wirklich wichtige und keinesfalls zu professionelle Funktionen fehlen bei Elements immer noch: So bietet das Programm keine übliche Gradationskurve an und die stark eingeschränkte "Farbkurve" lässt sich nicht als verlustfreie Korrekturebene nutzen &ndash, ebenso wie das Dialogfeld für Schwarzweißumwandlungen. Ebenenmasken für übliche Montageebenen gelangen nur umständlich ins Programm, alternativ nutzt man die komplizierteren Schnittmasken. Die "Tiefen/Lichter"-Funktion bietet zu wenig Feinsteuerung und lässt sich gleichfalls nicht verlustfrei anwenden.

Verblüffend im Organizer der Windows-Ausgabe: Eigenschaften wie Dateiname, Dateigröße oder Pixelzahl lassen sich nicht unter den Miniaturen anzeigen oder als Sortierkriterium nutzen. Nur auf dem Umweg über "Smart-Alben" findet man gezielt Bilder bestimmter Größen. Die Raw-Bearbeitung bleibt unverändert gegenüber Elements 7. So erscheint Photoshop Elements auch in der Version 8 als gefälliges, aber nicht wirklich überzeugendes Bildprogramm für Einsteiger.

Premiere Elements 8

Zeitgleich mit Photoshop Elements 8 erscheint auch Premiere Elements 8 für Windows. Die Videobearbeitungssoftware für Hobby-Anwender kommt mit einem erweiterten Organizer daher, der selbst umfangreiche Sammlungen bewerkstelligen soll. Verwackelte sowie unscharfe Videos werden erkannt und markiert und auf Wunsch im Schnittprogramm automatisch korrigiert. Zudem können Bewegungen in Videos auf einfache Art mit Effekten versehen werden. Beim Sound steht Hobby-Filmern die Funktion "SmartMix" zur Verfügung, die Musik automatisch runter regelt sobald gesprochen wird.

 

Kommentare
Gravatar Stean 08.10.2009
um 07:23 Uhr
Die angesprochenen Elemente, die in PS Elements 8 fehlen sind gerade für Fotografen ein absolutes Muss. Was soll ich mit einer Gesichtserkennung? Die liefert mir z.B. Google mit Picasa frei Haus. Daher würde ich jedem der die Kosten von CS4 scheut zu einer älteren Version vom großen Bruder raten. #zitieren
Gravatar Lutz 05.11.2009
um 10:10 Uhr
IPTC-Daten von jpeg-Bildern werden in PSE 8 nicht erkannt, wohl aber dieser Bilder z.B. in Photoshop CS3 oder PSElements 5. Die Folge ist, daß diese Daten beim Speichern verloren gehen. #zitieren
Gravatar Matt 22.11.2009
um 17:20 Uhr
Ich nutze Photoshop Elements 5 seit 5 Jahren unter WindowsXP und bin sehr zufrieden. Ich verwalte mehr als 10.000 Bilder mit über 100 verschiedenen Tags (Personen, Orte, Ereignisse). Es funktioniert sehr zuverlässig, ich gebe es nicht wieder her und war daher lange Zeit Adobe Fan. Das Drama beginnt aber mit Version 6. Adobe hat Änderungen vorgenommen, Funktionen verschwanden und wirklich gute neue Funktionen fehlten. Das Programm wurde unendlich langsam und sehr absturzgefährdet. Die neue Gesichtserkennungsfunktion ist wirklich sehr schlecht - kein Vergleich zu Picasa 3.5, welches innerhalb von 10 Stunden meine Datenbank durchgearbeitet hat und 20.000 Gesichter erkannt hat und dabei ca. 50% automatisch korrekte Treffergenauigkeit hatte !! (aber erst nachdem ich ca. 1.000 Gesichter halbautomatisch zugewiesen bzw. korrigiert hatte und somit das Programm lernen konnte). Ich arbeite seit 1 Woche mit Photoshop Elements Version 8 und kann nur dringend sagen: FINGER WEG! Der Support von Adobe ist eine Katastrophe (keine Antworten oder aber die Antwort "zu Produktfragen gewähren wir keinen Support"). Das Programm stürzt oft ab und hat viele kleine Fehler. Die Konvertierung meiner Datenbank von Version5 war fehlerhaft (es konnten keinerlei Tags mehr hinzugefügt werden wegen eines "internen Fehlers". Ein sehr aufwendiger Neuaufbau der gesamten Datenbank brachte Hilfe, aber es kommen immer wieder "Datenbankfehler" vor, wie zB. "Tag konnte nicht gesetzt/gelöscht werden" und wird dann doch gesetzt/gelöscht - das nimmt mir jedes Vertrauen in die Software. Das absolut Schlimmste ist aber: wenn Version 8 abstürzt und Bilder in Benutzung sind, werden diese teilweise unwiderruflich beschädigt. Das Programm hat es in einer Woche geschafft mehr als 100 Bilder meiner Datenbank zu zerstören !!! (nicht die Vorschaubilder, sondern wirklich die Original Bilddateien sind zerstört). Ein Glück habe ich ein Komplettbackup. Im Ergebnis Photoshop Elements Version 8.0 derzeit ABSOLUT unbrauchbar - ich nutze weiterhin Version 5. Auch die Integration mit meiner 1.500 EUR teuren Photoshop Vollversion CS3 ist nicht gut (direkte Menübefehle wie "Bearbeiten in Photoshop" fehlen in Version 8). Schaut Euch lieber ACDSee Pro 3 oder Picasa 3.5 (aber erst ab Version 3.5! nicht 3.0) an. Google bietet kostenfrei bereits viele Funktionen nun auch ohne Upload bei Google und somit kein Verlust Eures Datenschutzes. ACDSee hat mit Version 3 eine schnelle sehr umfangreiche Software zur Bildverwaltung im Programm, leider an zum Glück nur wenigen Stellen zu "schlampig" entwickelt (Menüs nicht sichtbar, ok Button fehlen etc.). Die Stapelverarbeitungsfunktionen von ACDSee Pro suchen ihresgleichen, leider ist der Support auch nur mäßig. #zitieren
Gravatar Peter 06.02.2010
um 09:47 Uhr
Vielen Dank für den guten Artikel. Eignet sich Photoshop elements für einen Fotografen oder würdet Ihr Photoshop vorziehen. Worin liegt genau der Unterschied? Gruß Peter #zitieren
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