November 2009
Design Zoom in Hildesheim
Talking about Future Needs
Am 13. November 2009 fand erstmals unter dem Motto "Future Needs" der Design Zoom in Hildesheim statt. Ausgerichtet wurde die Konferenz rund um das Thema Design von der Hochschule für angewandte Kunst und Wissenschaft (HAWK) in Hildesheim. Sieben Referenten aus verschiedenen Bereichen sprachen zu diversen Aspekten und Berührungspunkten, die man mit dem Thema in Verbindung bringen kann. Mit rund 100 Teilnehmern war die Veranstaltung im Roemer- und Pelizaeus-Museum ausverkauft. Die Teilnehmer erwartete ein entspannter und vor allen Dingen interessanter Einblick in die Zukunft der Branche.
Text: Jürgen Telkmann
Was haben traditionelle chinesische Medizin (TCM), Bio-Food und Stadtplanung mit Design zu tun? Auf dem ersten Blick nicht viel. Doch bei genauerem Hinsehen bleibt fast nichts übrig, vor dem sich ein Designer unterschiedlichster Ausrichtung heutzutage verschließen sollte. Design ist ein weitläufiges Thema, für das man des Öfteren über den Tellerrand schauen muss. Und genau das war das Motto des ersten Design Zoom in Hildesheim: Die Berührungspunkte jenseits des Tellerrandes heranzoomen – Talking about Future Needs.
Alles Design wird Mediendesign
Als erster Referent liefert Prof. Dr. Gundolf Freyermuth ein wichtiges Schlagwort für den Tag: Digitalisierung. Wir leben im Zeitalter der digitalen Revolution, die noch immer nicht vollends in unser Bewusstsein gedrungen ist. Denn auch Design befindet sich durch diesen Wandel in einer Krise und muss sich langfristig neu formieren. Seine gewagte These lautet, dass schon bald alles Design Mediendesign sein wird.
Ansätze dafür sieht Freyermuth in der Tatsache, dass die Software immer wichtiger wird, als die Hardware – Hardware ist ersetzbar, das wichtigste aller Güter sind hingegen die darauf gesicherten Informationen. Zudem verschmilzt die reale Welt immer mehr mit der virtuellen, wie man am Beispiel der Augmented Reality sehen kann. Ein Punkt, an dem Prof. Dr. Felicita Romero-Tejedor anknüpft. Angesichts der immensen Datenmengen, die durch das Netz geistern, steigt die Gefahr, den Überblick zu verlieren. Damit der User den Kurs in der digitalen Revolution halten kann, gilt es, Komplexität zu reduzieren – eine Aufgabe, die ausschließlich durch Design bewältigt werden kann. Benutzeroberflächen müssen dem User suggerieren, dass die Software nach den Maßstäben menschlicher Logik funktioniert. Nur so ist intuitive Bedienbarkeit möglich.
Der User wird zum Kodesigner
Aufgabe des Designs ist die Schaffung einer Ästhetik, die Komplexität reduzieren kann. Das gilt nicht nur für die digitalen Sphären. Ulrike Rose, Leiterin der Geschäftsstelle der Landesinitiative StadtBauKultur NRW, macht deutlich, dass dies auch für den realen, öffentlichen Raum gilt. Überschilderung ist nur ein Signal für den Bedarf an Komplexität reduzierender Ästhetik, das uns in der analogen Welt begegnen kann. Um dem entgegenwirken zu können, gilt jedoch genau dasselbe, wie für die digitale Welt: Analyse des Netz- bzw. Stadtbewohners und Übertragung seiner Bedürfnisse auf das Design.
Ein Konzept mit dem Spitzenkoch Dr. Harald Hoppe bereits in der Praxis erfolgreich ist. Auch er macht seinen Kunden zum Kodesigner und konnte dadurch sein Unternehmen auf dem Bio-Food-Sektor etablieren. Hoppe betreibt u.a. Schulkantinen, die er mit Bio-Food beliefert. Statistiken, dass in der Regel lediglich ein kleiner Prozentsatz der Schüler die Kantine nutzt, wirkte er durch Analysen seiner jungen Zielgruppe entgegen. Auch hier spielt die Reduktion von Komplexität eine entscheidende Rolle.
Es gelang das scheinbar Unmögliche: Die Fast-Food-Generation ließ sich für Hoppes Vital-Küche begeistern. In den von ihm belieferten Schulen greifen rund 90 Prozent der Schüler zum Kantinenessen. Verantwortlich dafür macht er ein transparentes Catering, die Schaffung von Optionen und das Aufgreifen von Ernährungstrends im Restaurantdesign. Von Hoppes Kochkünsten – die zweifelsohne zu seinem Erfolg beigetragen haben – konnten sich die Veranstaltungsteilnehmer im Anschluss selbst ein Bild machen.
zum Artikel
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/252060.html
Designer sind nicht nur reine Gestalter, sondern werden immer mehr zu Innovationsberatern für Mode, Bau, Industrie, Internet, Software, wohnen und leben. Sie müssen in der Lage sein, ihren Ideenpool als Marktwert zu nutzen.
Das Auge isst mit. #zitieren































