November 2008
Die "Digital Creation Days" 2008
Erfahrungsaustausch und Netzwerken in Karlsruhe – ein Bericht
Es waren auffallend viele junge Teilnehmer, die am 12. und 13. November 2008 die zweite Ausgabe der "Digital Creation Days" (DCD) bevölkerten. Gut so, denn das verhalf dem "Networking-Event der Digital-Creation-Branche" zu einer überraschend gelösten Atmosphäre. Ein willkommener Kontrast zu dem etwas kühl anmutenden Veranstaltungsort, dem Karlsruher Kongresszentrum.
Text: Reimar Winkler
Geht es um digitale Medienproduktionen wie etwa 3D-Visualisierungen, so denkt man vermutlich zuerst an die USA. Die Erzeugnisse der dortigen Filmindustrie kommen seit langem nicht mehr ohne den Einsatz von aufwändigen Computereffekten aus. Doch auch im deutschsprachigen Raum gibt es eine Branche, bestehend aus Agenturen unterschiedlicher Größe, Forschungsbereichen an Universitäten sowie einer Vielzahl an Freelancern. Um dieser Community eine Plattform zum Erfahrungsaustausch, Netzwerken und zur Präsentation neuer Technologien zu bieten, wurden im Jahre 2007 die "Digital Creation Days" ins Leben gerufen. Veranstaltet wird der zweitägige Event von der Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH (KMK) in Kooperation mit der Redaktion von Digital Production, dem "führenden deutschsprachigen Magazin im Bereich Digital Content Creation".
Der Event
Die "Digital Creation Days" warteten im Jahr 2008 gleich mit zwei Neuerungen auf. Zum einen widmeten die Veranstalter, nach der positiven Resonanz des Themas im Vorjahr, den ersten Tag ganz der 3D-Visualisierung. Unter dem Motto "Come and enjoy 3D" sollte ein breiteres Publikum angesprochen werden. Eher an einem Fachpublikum ausgerichtet war dann Tag zwei der DCD, an dem das Thema Visualisierung im Vordergrund stand: "Everything is visual" hieß es.
Ebenfalls neu war in diesem Jahr zum anderen, dass parallel zu den DCD der "Medienkongress" TV-Komm ausgetragen wurde. Hieran nahm ein eher kleiner Zirkel aus Experten der Bereiche IPTV und Business-TV teil. Die Zusammenlegung rechtfertigten die Veranstalter mit dem naheliegenden Argument, man wolle hiermit Synergieeffekte nutzen. Die ebenfalls vorgebrachte Begründung, beide Veranstaltungen würden sich inhaltlich ergänzen, überzeugte nach Durchsicht der jeweiligen Programmhefte dagegen weniger.
Die Workshops
In insgesamt 50 nach Schwierigkeitsgraden differenzierten Workshops konnten die Besucher der DCD in diesem Jahr ihr Wissen in Sachen Virtualisierung vertiefen. Dabei gab es, dem buntgemischten Publikum entsprechend, manchmal recht Spektakuläres zu hören. So etwa im Workshop von Roman Gonther, der am Beispiel des Horror-Streifens "Army of Ghosts" die Kombination von Maske und Filmblut mit den neuen Technologien der Virtualisierung aufzeigte. Im zweiten Untergeschoss des Kongresszentrums konnte es einem da schon leicht gruselig werden.
Nicht weniger interessant auch das Thema Postproduktion, dem man sich in Karlsruhe unter anderem mit der Session von Oliver Stannius "Fix in the post – was hinterher noch möglich ist" nähern konnte. Stannius, Technical Director bei der Münchner Agentur animoto, demonstrierte anhand kurzer Videoclips, wie sich Patzer beim teuren Werbedreh in Kapstadt nachträglich noch ausbügeln lassen oder der Windelwerbespot per Pack Replacing und Hintergrundrestauration für die internationale Ausstrahlung "aufgepimpt" wird.
Eindrucksvolles bot auch Jürgen Weyrich, entsandt von der bekannten 3D-Schmiede Mackevision aus Stuttgart. Alleine die Perfektion der von ihm präsentierten 3D-Technologie und die Namen der in aller Welt verstreuten Klientel – vornehmlich Autobauer der gehobenen Kategorie –, beeindruckten. Weyrich erklärte gleich zu Anfang seines Vortrags den alten Streit zwischen klassischer Fotografie und 3D-Simulation zugunsten letzterer als entschieden. Man mag es ihm gerne glauben, denkt man nur an das Potenzial der vorgestellten Webkonfiguratoren, die inzwischen sogar die Nähte der Lederinnenausstattung einer virtuellen Luxuskarosse wirklichkeitsgetreu darstellen können. Noch in der Testphase befindet sich das von Weyrich ebenfalls vorgestellte Projekt "F_Box". Dahinter steckt ein webbasiertes 3D-Render-Modul, das gegenwärtig von sieben Mackedivison-Partnern auf Herz und Nieren geprüft wird. Im Februar 2009 soll die "F_Box" dann offiziell vorgestellt werden. Laut Weyrich verspricht die neue Technologie nicht nur immense Zeitvorteile – das neue Modul erledigt das, wofür Rendering-Agenturen drei Wochen brauchen, in wenigen Minuten, wenn nicht Sekunden –, sondern reduziert auch die Produktionskosten dramatisch. Eine Entwicklung, angesichts der Weyrich freimütig eingestand: "Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen".
Das Fazit
Inhaltlich konnten die "Digital Creation Days" 2008 mit Abwechslungsreichem und Interessantem aufwarten. Auch dem Anspruch, eine Plattform für Networking und Job-Recruiting zu bieten, wurde der Event mit einer kleinen, der Konferenz angeschlossenen Messe gerecht. So zeigten sich schließlich auch die Veranstalter mit der diesjährigen Ausgabe der DCD zufrieden: man habe das Besucherniveau im Vergleich zum Vorjahr halten können. Alleine für die DCD hat man 1200 Teilnehmer gezählt, die Zahl der Besucher der TV-Komm wird mit 200 angegeben. Vielleicht hätte man sich zu Beginn der DCD die augenzwinkernden Hinweise verkneifen können, dass die Verleihung der "animago Awards 2008", die am Abend des ersten Veranstaltungstages zelebriert wurde, von Ramazotti und Prosecco-Deluxe gesponsert sei. Aber das ist nur eine Fußnote in einem ansonsten durchaus gelungenen Event.

































