August 2009
Die neue Nachrichtenwelle – Adobe Wave
Echtzeitkommunikation für Publisher
Adobe und Google bieten zwei neue Beta-Dienste an, beide hören auf den Namen Wave. Während Google mit seiner Welle an einer innovativen Kollaborations- und Kommunikationsplattform arbeitet, backt Adobe kleinere Brötchen. Adobe Wave ist ein Dienst, mit dem Nachrichten über Push-Technologie an Abonnenten versendet werden.
Text: Harry Klein
Adobe hat den Wave-Dienst zum ersten Mal auf seiner MAX-Konferenz im Oktober 2008 der Öffentlichkeit vorgestellt.
Adobe hat es geschafft, eine ganze Reihe von führenden Sites und Internetmarken als Partner für Wave zu begeistern. Diese decken eine umfangreiche Bandbreite von Social Networking (MySpace, Digg) über News (VentureBeat, Livestation, Variety) bis hin zu Reisesites (lastminute.com) und mehr ab. Weitere Partner sind bereits angekündigt und sollen in Kürze folgen.
Das Projektteam um John Shapiro hat die Wave-Plattform auf zwei Beine gestellt:
- Ein Desktop-Client, der auf Basis von Adobe Air und Flex entwickelt wurde
- Ein von Adobe gehosteter Dienst, der diese Nachrichten versendet
Desktop-Client
Adobe Wave ist eine AIR-Applikation. Wer Benachrichtigungen von Nutzern erhalten möchte, die ihm wichtig sind, braucht "nur" einen Desktopclient, über den ein oder mehrere Anbieter ausgewählt werden können. Die Aggregation der Anbieterdaten in einer einzigen Applikation erspart dem Nutzer das Downloaden verschiedener Benachrichtigungsservices. Das Abonnieren neuer Anbieter kann direkt über den Client erfolgen. Dort gelangt man über die Option "Add" in der unteren linken Ecke in die Adobe Wave Gallery. Hier finden sich weitere Feeds, alternativ kann das Abonnieren von Feeds auch über Wave-Buttons auf der jeweiligen Webseite geschehen. Falls Adobe AIR und Adobe Wave noch nicht auf dem Rechner des Nutzers installiert sind, muss dies vorab geschehen. Danach aber erhalten Nutzer neue Benachrichtigungen in Form einer Textnachricht und eines optionalen URL. Ein Klick auf die Nachricht öffnet die entsprechende Seite im Browser.
Wave-Dienst
Der Adobe-Wave-Dienst wird auf den Servern von Adobe gehostet. Er wurde nach der Maßgabe entwickelt möglichst fehlertolerant, sicher und hochverfügbar zu sein. Wave nutzt dem Anschein nach das für den Flash Communication Server gebräuchliche RTMP-Protokoll. Üblicherweise wird FCS zum Streaming von Mediendaten wie Audio und Video genutzt. Das wirft die Frage auf, warum Wave eher FCS anstatt LCDS verwendet? Ein Grund für die Verwendung von RTMP mag darin bestehen, dass das Produkt weiterentwickelt werden soll, um in Zukunft auch gestreamte Daten neben reinen Textnachrichten auszuliefern.
Wave-API
Der Zugriff auf ein REST-API erlaubt es Anbietern und Entwicklern, Nachrichten an Abonnenten zu übermitteln. Dieses API kann über diverse Programmiersprachen angesprochen werden. Leider werden in der Dokumentation aktuell nur PHP-Codebeispiele gezeigt. Von Michael Horne wurde vor Kurzem auf Riaforge.org ein ColdFusion Modul namens "Adobe Wave CFC" veröffentlicht, welches die Benachrichtigungsfunktionalität von Wave in einer ColdFusion Component (CFC) kapselt. Die Konfiguration des Nutzernamens, des Passworts und der Themen geschieht über eine XML-Konfigurationsdatei.
Wave-Publisher-Portal
Auf der Adobe-Publisher-Portalseite können Anbieter ihre Nachrichten-Feeds anlegen und verwalten. Dazu gehört sowohl die individuelle Einstellung des Erscheinungszeitraumes als auch die Einrichtung von Themenlisten für ihre Abonnenten. Der Benachrichtigungsmodus kann entweder auf Broadcast (= globale Benachrichtigungen) oder Point to Point (= nutzerspezifische Nachrichten) gesetzt werden. Nachrichten können individuell gestaltet werden, so ist z.B. das Logo, Hinter- und Vordergrundfarben sowie ein Thumbnail-Bild konfigurierbar. Publisher, die Wave verwenden möchten, müssen beachten, dass aktuell eine E-Mail-Adresse vorausgesetzt wird, bei der die Domain mit dem Server übereinstimmt, der die Wave-Nachrichten versendet. Eine Notwendigkeit, die in zukünftigen Versionen hoffentlich entfällt.
Vorteile und Nachteile von Adobe Wave
Adobe Wave kann durch den Einsatz von Echtzeitnachrichten Anbietern dabei helfen, ihre Besucherzahlen zu erhöhen. Nutzer können über Aktivitäten und Events informiert werden, ohne dass die Webseite des Anbieters betreten werden muss. Im Gegensatz zur E-Mail wurde Adobe Wave von Beginn an als sicherer Kommunikationskanal entwickelt. Der Nutzer selbst kann durch ein Tool wie Adobe Wave dem Wirrwarr bestehend aus dutzenden E-Mail-Newslettern und Social Network Updates entkommen. Der Vorteil gegenüber RSS Feed Readern ist die Push-Technologie, die, wenn es auf Geschwindigkeit ankommt, deutlich überlegen ist. Eventuell als Manko betrachtet werden kann die aktuelle Abhängigkeit vom Adobe Server, auf dem der Dienst gehostet wird. Auch wenn sich Adobe Wave und Google Wave vor allem namentlich ähnlich sind: Google Wave wird z.B. einen eigenen Server erlauben. Letztendlich ist Adobe Wave eine spannende Technologie, vor allem aber auch ein weiterer Indikator dafür, dass sich das Web immer mehr in Richtung Echtzeitkommunikation entwickelt.
Harry Klein ist stellvertretender Leiter der Software-Entwicklung in der CONTENS Software GmbH, Anbieter von Enterprise Content Management Software.


























