Mai 2009
"Es mangelt an guten Teams"
Business Angel Siggi Kögl im Interview
Siggi Kögl ist auch in diesem Jahr wieder Speaker auf dem Startup Day der webinale. Im Interview mit CREATE OR DIE berichtet er über sein Unternehmen Attaction, erzählt was sich aus Fehlern lernen lässt und weist auf die Bedeutung guter Teamarbeit für den Erfolg hin.
Text: Martin Szugat
COD: Hallo Siggi, Du bist als Business Angel aktiv und hast selbst auch einige Unternehmen gegründet. Dein derzeitiges Unternehmen heißt Attaction und macht was?
SK: Attaction ist eine Unternehmensgruppe, die sich in erster Linie mit der Produktion von AAA Videogames für den internationalen Markt befasst, und hierbei insbesondere die komplette Finanzierung einbringt. Das durchschnittliche Finanzierungsvolumen pro Projekt liegt bei rund sieben Millionen Euro.
COD: Attaction ist nicht Dein erstes Unternehmen. Welche Firmen hattest Du zuvor gegründet?
SK: Ich bin seit mehr als 30 Jahren im Medien- und Produktionsmarkt tätig und habe in diesem Zeitraum mehrere Unternehmen aus dem Medien- und Games-Bereich gegründet. Parallel dazu war ich Mitgründer des Fachverbandes vbl, dem Verband bayerischer Lokalradios, sowie beim später daraus entstandenen BPRT, heute vprt (Verband Privater Rundfunk und Telemedien) sowie Mitgründer des dmmv (Deutscher Multimedia Verband), dem heutigen Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW).
COD: Waren alle Deine Gründungen erfolgreich? Und was ist aus den Firmen geworden?
SK: Zwei davon konnte ich gut verkaufen, ein Unternehmen musste ich zusperren.
COD: Was sind die Lektionen, die Du von Deinen erfolgreichen und fehlgeschlagenen Unternehmungen im Laufe der Zeit lernen konntest? Welche Ratschläge gibst Du jungen Gründern mit auf den Weg?
SK: Die wichtigste Lektion ist, auf sein Gefühl zu hören. Wichtig ist auch eine gesunde Lebens- und Ernährungsweise, um langfristig erfolgreich zu sein. Die erste Firma ist ja eventuell nicht die letzte. Um das Auf und Nieder im Unternehmerleben auszuhalten, bedarf es sehr starker Nerven.
COD: Mittlerweile kennst Du ja auch die andere Seite und bist einerseits als Geschäftsführer von Attaction und andererseits als Business Angel auf der Investorenseite tätig. In welche Startups hast Du investiert?
SK: Ein paar Beispiele aus meinem Portfolio sind First1, Mission Entertainment, IndusView sowie Carsablanca, ein Portal für Oldtimer und Youngtimer Autos.
COD: Gab es auch Fehlschläge bei Deinen Startup-Investitionen? Und woran sind die Gründer gescheitert?
SK: Da denke ich an ein konkretes Projekt, bei dem sich herausstellte, dass die Gründer nicht ehrlich waren. Der einzige Grund wieso ich noch daran denke und es erwähnen muss, ist, dass ich weitere Investoren mit an Bord geholt hatte und wir alle unser Geld verloren haben. Das Schlimmste ist wohl die Zeit, der Ärger und das schlechte Gewissen gegenüber den weiteren Investoren, nicht unbedingt der eigene monetäre Verlust.
COD: Welche Empfehlungen kannst Du jungen Gründern aus Investorensicht mit auf den Weg geben?
SK: Drei Dinge sind wichtig: 1. das Team, 2. das Team, und 3. das Team. Denn ein gutes Team kann aus jeder Idee etwas Großes machen. Die Situation ist immer noch die: Geld und Ideen gibt es zuhauf, es mangelt an guten Teams. Leider sind die guten Teams oft zu abgehoben bzw. zu teuer.
COD: Was erwartet ein Investor, speziell ein Business Angel, von einem Gründer?
SK: Von Anfang an und in jeder Situation bedingungslose Ehrlichkeit, weil nur auf Basis von Vertrauen Erfolg wachsen kann. Außerdem eine große Portion Unternehmer- und Pioniergeist, denn ich sehe immer noch Gründer, die sich in der Rolle des Angestellten zu sehen scheinen oder anders gesagt, mit der Gründung scheinbar ihre Arbeitsstelle schaffen wollen.
COD: Umgekehrt, welche Erwartungen darf und sollte ein Gründer an einen Business Angel haben? Was sollte ein Business Angel mitbringen, zusätzlich zum Kapital?
SK: Das mit der Ehrlichkeit gilt auch umgekehrt. Ein Business Angel sollte sich nur engagieren, wenn er einen echten Mehrwert bringt (Erfahrung, Kontakte etc.), natürlich unentgeltlich. Das Business sollte jedoch von den Gründern betrieben werden, nicht vom Angel. Da gehen die Anforderungen der Gründer manchmal zu weit. Der Angel ist nicht der Unternehmer, er ist nur Investor plus Mehrwert und kann nicht täglich zur Verfügung stehen.
COD: Und was muss ein Gründer dafür abgeben, wie viele Anteile erwartet ein Business Angel im Regelfall?
SK: Meine Philosophie lautet 1/3 der Anteile für die Idee, 1/3 für das Gründerteam, 1/3 für das Geld.
COD: Business Angels investieren meistens in einem sehr frühen Stadium in junge Firmen. Dann folgt oftmals eine zweite Finanzierungsrunde mit Venture-Capital-Unternehmen. Wie unterscheiden sich solche Unternehmen von Business Angels? Was bieten sie mehr oder weniger? Was erwarten sie von den Gründern?
SK: In der Regel steigen VCs ein, wenn der Proof of Concept da ist und auch ein gewisser Firmenwert generiert wurde. Sie sind an ca. 20 bis 30 Prozent des Unternehmens interessiert. Gründer sollten wissen, dass die Verhandlungen mit VCs wesentlich aufwändiger sind als mit Business Angels.
COD: Die wichtigste Frage zum Schluss: Investierst Du auch in Zeiten der Finanzkrise? Und wenn ja, in was für Unternehmen bevorzugt?
SK: Wie viele andere auch, habe ich die Krise kommen sehen und nutze natürlich die Chance, günstig an gute Deals zu kommen.
COD: Und wie können Dich die Gründer erreichen, wenn Sie an einem Angel-Investment interessiert sind?
SK: Am besten ist es eine E-Mail an meine Partnerin Karima Semichi (karima.semichi@attaction.com) zu schicken und nicht zu zögern, mehrmals nachzuhaken.
COD: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg mit Deinen Unternehmungen!
Siggi Kögl ist Speaker auf dem Startup Day der webinale.
Das Interview führte Martin Szugat

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