November 2008
Kunst schläft nicht
Ausflug in die Kunstszene des Big Apple
Text: Frank Feldmann und Matias Roskos
New York. Eine Stadt die niemals schläft. Scheinbar nichts schläft in dieser Stadt. Auch die Kreativität nicht. Vielleicht schlummerte sie in letzter Zeit ein wenig, schaute verträumt nach London, Barcelona und Berlin und beobachtete, wie sich dort Kunst- und Kulturszene entwickelten, aber geschlafen hat sie nicht.
Im Galerienviertel von Chelsea, den Lofts an der Upper-Westside und den Ateliers in Brooklyn tut sich einiges. Grund genug, einen Blick über den großen Teich und auf einige der interessantesten Illustratoren und Fine Art Artists zu werfen, die der Big Apple aktuell zu bieten hat. Die Auswahl der portraitierten Künstler ist absolut willkürlich, erhebt nicht einmal Ansatzweise den Anspruch auf irgendwelche Vollständigkeit und spiegelt in erster Linie den subjektiven Geschmack von uns Liebhabern des gezeichneten und gemalten Bildes wieder.
Jonathan Viner
– Atmosphäre der fühlbaren Anspannung –
Jonathan Viner ist 1976 in New York geboren und durch und durch ein Kind der Ostküste. 1998 absolvierte er seinen Abschluss an der Rhode Island School of Design. In seinen Bildern verbindet er Einflüsse alter Meister mit Elementen amerikanischer Popkultur und erschafft so seine eigenen Kunstwerke. Thema seiner Arbeiten sind immer wieder extreme Charaktere, meist in zwischenmenschlichen Beziehungen, gleichermaßen auf der Suche nach Geborgenheit sowie Gefahr. Expressionistisch und Surreal. Die zarten Nuancen und die mannigfaltigen Ausprägungsstufen seiner handgefertigten Ölgemälde erzeugen eine Atmosphäre der fühlbaren Anspannung. Da seine Bilder sorgfältig beschrieben sind, bietet Viner`s Arbeit dem Betrachter Raum zum Nachsinnen, zur Selbstbeobachtung und zum Dialog. Mit sich selbst und Anderen.
Stella im Hultberg
– Portraits, die man in den Arm nehmen möchte –
Stella im Hultberg ist ein außergewöhnlicher Name für jemanden, der in Südkorea geboren ist. Ein Künstlername, für eine außergewöhnliche Künstlerin. Stella studierte Industrial Design an der California State University und arbeitete nach ihrem Abschluss als Produktdesignerin. Ein Intermezzo, hin zu Farben und Pinseln. Inzwischen kann Stella, die gleichermaßen von asiatischen Manga-Zeichnern sowie auch von den Expressionisten Gustav Klimt und Egon Schiele in ihren Arbeiten inspiriert wird, von ihrer Kunst leben. In ihren Bildern widerspiegelt sich die Verbindung ihrer asiatischen Wurzeln mit alltäglicher westlicher Lebenskultur. Immer wiederkehrendes Thema in ihren Arbeiten sind zerbrechlich wirkende, filigrane Frauenportraits. Ausstellungen in San Francisco, Portland, Houston, Philadelphia, Atlanta, Seattle und Los Angeles zeigten bislang ihre Werke und es bleibt zu hoffen, dass es einem Kurator bald gelingen möge, Stellas Bilder auch mal nach Europa zu holen.
Tara McPherson
– Gebrochene Herzen in phantasievoller Umgebung –
Tara McPherson wurde in San Francisco geboren und wuchs in Los Angeles auf. Sie studierte am Art Center in Pasadena und schloss ihr Studium Bachelor of Fine Arts and Illustration mit Auszeichnung ab. Anschließend zog sie nach New York City und begann, als freischaffende Künstlerin zu arbeiten. Ihr künstlerisches Schaffen umfasst neben Plakaten auch Gemälde, Spielzeugfiguren und Comics. Sie hält Vorträge an Universitäten und Instituten und ist regelmäßiger Gast auf der Flatstock Poster Convention. Zu ihren Kunden zählen DC Comics, Warner Brothers, Dark Horse Comics, Kidrobot, Strangeco, Spin, Pepsi, Revolver, Sony Playstation und viele mehr. Ihr Stil ist stark durch Comics beeinflusst. In ihren Bildern sind häufig kleine Kinder in Tierkostümen, Herzen und Menschen in phantasievollen Umgebungen, aber auch Tentakel, Blut, Vampire und Teufel zu sehen. Ein häufig wiederkehrendes Motiv ist ein herzförmig klaffendes, blutiges Loch im Brustkorb der abgebildeten Personen als Sinnbild für gebrochene Herzen.
Yuko Shimizo
– Hello Yuko! –
Yuko zeichnet von Kindheit an. Geboren und aufgewachsen in einer traditionsbewussten japanischen Familie, schien es für sie fast unmöglich, ihrem künstlerischen Talent auch beruflich nachgehen zu können. Nach einem betriebswirtschaftlichen Abschluss in Werbung und Marketing an der Waseda-Universität arbeitete sie in einem großen Tokioter Unternehmen. Glücklich wurde sie damit nicht. Zehn Jahre mussten vergehen, bis Yuko die Möglichkeit fand, ihre Kreativität ausleben zu können – sie ging nach New York, studierte an der School of Visual Arts, schloss das Studium erfolgreich ab und schrieb von da an eine illustrative Erfolgsgeschichte. Davon zeugen etliche Awards, Veröffentlichungen in Time Magazine, The New York Times, The New Yorker, Rolling Stone, Playboy, GQ und Kunden wie Microsoft, Visa, MTV, T-Mobile, M.A.C. Cosmetics, Sagmeister Inc. Und um Missverständnissen vorzubeugen – nein, unsere Yuko Shimizo hat nicht die nervende "Hello Kitty!"-Katze erfunden.
Tomer Hanuka
– Ein Israeli in New York –
Tomer Hanuka ist ein Illustrator und Karikaturist. Er wurde in Israel geboren, ging im Alter von 22 Jahren in die USA und besuchte dort die School of Visual Arts in New York. Die Stadt hat ihn seit dem nicht wieder los gelassen. Dort zeichnet und illustriert er, u.a. für Time Magazine, The New Yorker, Spin, The New York Times, Rolling Stone, MTV, Nike, Random House, Warner Bros und DC Comics. Er erhielt für seine Illustrationen, die sich regelmäßig mit den Abgründen und Schattenseiten der Gesellschaft auseinandersetzen, mehrere Auszeichnungen. Gemeinsam mit seinem Bruder Asaf, der nach wie vor in Israel lebt, brachte Tomer das experimentelle Comic "Bipolar" heraus, dass ihnen die renommierten Eisner-, Harvey- und Ignatz-Awards einbrachten.
Fernanda Cohen
– Duschen in der Mitte des Tages –
Die bildende Künstlerin Fernanda Cohen ist in Buenos Aires aufgewachsen, lebt bereits seit mehreren Jahren in New York und beschreibt sich selbst als Workaholic. Ihre Arbeit konzentriert sich hauptsächlich auf redaktionelle Illustrationen für Kampagnen und Editorials. So veredelten ihre Entwürfe bereits das New York Times Magazine und das Time Magazin. Über 50 internationale Awards sprechen für sich und die außergewöhnlichen Fähigkeiten von Fernanda. Die Inspirationen für ihre bisweilen etwas absurd erscheinenden Bilder erhält sie bei langen Spaziergängen durch New York, spätes joggen durch die Stadt und beim Duschen in der Mitte des Tages.
Linda Zacks
– Illustration + Design + Art + Words –
Art Directorin, Illustratorin, Designerin und Künstlerin – all das ist Linda Zacks. Sie hat 1995 an der Brown University graduiert und anschließend mehrere Jahre im Design Department der Rhode Island School of Design gearbeitet. Seit 1998 ist sie als Freelancerin unterwegs. Linda findet mit ihren Commercials immer den einen einzigartigen Weg, Leute, Ideen, Kunst und Marke zusammen zu führen. Kunden wie Adobe, Sony, eBay, Fila und Columbia Records wissen das zu schätzen. Für VH1 war Linda maßgeblich am vielbeachteten Re-Design beteiligt. Mit ihren freien Arbeiten, die regelmäßig ihre Heimatstadt New York und persönliche Momentaufnahmen zum Thema haben, gewinnt sie immer wieder Abstand zu ihren Kunden und bewahrt sich ihre frische Kreativität. Highlights sind die von ihr auf unterschiedlichen Materialien selbstgestalteten Bücher. Ihre Arbeiten finden sich in unzähligen Magazinen, wie IdN und dem Format Magazin und werden regelmäßig ausgestellt.
5 Künstlerinnen, 2 Künstler. Geboren in 5 verschiedenen Ländern. Alle leben und arbeiten in New York. Prägen die Stadt mit ihrer Kunst und ihrer Kultur und tragen maßgeblich dazu bei, dass New York nicht schlafen kann. Und wenn du in New York auch nicht schlafen kannst, dann zieh doch einfach durch die gut 600 Galerien in SoHo, TriBeCa, im West Village und Chelsea sowie in Williamsburg in Brooklyn. Oder jogge &ndash vielleicht triffst du Fernanda Cohen...

























