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Interview
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Juli 2009

Nathan Jurevicius: "Kunst ist das Metier, in dem ich zuhause bin."

Interview mit dem Erfinder und Schöpfer des beliebten Charakters Scarygirl, Teil 2

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/artikel/2391)

Der australische Künstler Nathan Jurevicius erschuf im Jahr 2001 sein Scarygirl und erfand um diese Figur herum eine ganz eigene Welt. Dieses Universum hat mittlerweile tausende von Fans weltweit in seinen Bann gezogen. Das Scarygirl-Game wurde Anfang 2009 gelauncht. Ende des Jahres erscheint seine erste Novelle. Und auch ein Film ist in Arbeit. Hier nun Teil 2 des Interviews (zu Teil 1).

Text: Matias Roskos

CREATE OR DIE: Woher kommen deine Inspirationen? Oft habe ich den Eindruck, dass Natur, Vergangenheit, die Geschichte der australischen Ureinwohner eine Rolle dabei spielen. Ist das korrekt?
Nathan Jurevicius: Meine australische genauso wie meine baltische Herkunft spielen eine bedeutende Rolle, wenn es um die Quelle meiner Inspirationen geht. Fabeln, Traumwelten, Kostüme, religiöse Gewänder, tägliche Rituale – all das fließt in meine Arbeit mit ein.

CREATE OR DIE: Deine Eltern kamen aus dem Baltikum?
Nathan: Mein Vater wurde in einem Flüchtlingslager in Deutschland Ende der 40er-Jahre geboren. Seine Eltern kamen aus Litauen und aus Lettland. Meine Mutter wiederum ist irisch-schottisch-australischer Abstammung.

CREATE OR DIE: Viele kennen dich ausschließlich durch die Vinyltoys und die Scarygirl-Welt. Du selbst siehst dich aber nur zum Teil als Illustrator. Vor allem bist du Künstler, wie du mir vor drei Jahren in Berlin erzählt hast. Findest du aktuell noch Zeit zu malen? Wann gibt es wieder eine Ausstellung mit dir?
Nathan: Kunst ist das Metier, in dem ich zuhause bin und in dem ich hoffe, mich weiter etablieren zu können. Es liegen Aufträge von einigen Sammlern vor und es laufen die Planungen für eine gemeinsame Show mit Andrea Kang nächstes Jahr in New York.

CREATE OR DIE: Ich gehe davon aus, dass du neben den eigenen Projekten weiterhin auch für normale Kunden arbeitest. Was waren deine letzten Kundenprojekte? Läuft die Zusammenarbeit mit MTV-Fauna noch?
Nathan: Die Zusammenarbeit mit MTV Canada wird weiterhin promotet. Aber sie wechseln ihre TV-Spots saisonal aus, darum sind sie in Kanada nicht mehr zu sehen. Zuletzt habe ich unter anderem für eine Werbekampagne für Nike gearbeitet und einiges für Hasbro gemacht.

CREATE OR DIE: Was genau hast du für Hasbro gemacht?
Nathan: Für drei verschiedene Produktlinien habe ich konzeptionelle Vorschläge entworfen. Bei zweien davon ging es um den Altersbereich Teenager und eine ist für das Vorschulalter konzipiert. Bei Letzterem war es die Aufgabe, Ideen für die Spielzeuglinie Playskool zu skizzieren. Aber leider wurde bisher nichts davon umgesetzt, sodass ich auch noch nichts zeigen darf.

Create or die: Wann sehen wir mal ein Musikvideo, Art-Director: Nathan Jurevicius?
Nathan: Ja, das wäre etwas, was ich tatsächlich extrem gern machen würde. Auf ein derartiges Projekt bin ich schon seit langem verdammt heiß und würde gern was im Bereich "Live Action" oder "Animation" machen. Oder auch eine Kombination aus beidem.

CREATE OR DIE: Mit dem im Frühjahr 2009 erschienenen Online-Game findet die Scarygirl-Welt online eine wunderbare Fortführung. Du hast erzählt, dass es bereits Gespräche gibt, das Game auch auf Spielkonsolen zu übertragen. Kannst du dazu schon etwas sagen?
Nathan: Das Online-Game hat sich extrem erfolgreich am Markt platziert. Es liegen einige konkrete Anfragen auf dem Tisch, wie wir das Spiel auf Spielekonsolen wie die Wii oder Xbox übertragen könnten. Sophie Byrne von Passion Pictures Australia kümmert sich um diesen Bereich. (Anmerkung der Redaktion: Sophie Byrne zeichnet bei Passion Pictures Australia für das Scarygirl-Game und den Gametrailer als Produzentin verantwortet. Sie hat sich einen Namen gemacht als die Produzentin der legendären Gorillaz-Videos.)

CREATE OR DIE: Bei Spielen ist es ja meist so, dass zuerst die Game-Engine geschrieben wird, die technische Seite, und danach erst die Character darauf gesetzt werden. Wie war das beim Scarygirl-Game: Gab es zuerst die Spielidee und die Programmierung, oder waren deine Illustrationen die Basis, die dann in einem Spiel umgesetzt wurden?
Nathan: Es war ein bisschen von beidem – ein organischer Prozess sozusagen. Es gab die Scarygirl-Welt und eine Storyline dazu. Parallel mussten die Entwickler sich aber auch überlegen, wie sie daraus ein funktionierendes Spiel machen. Das war für uns alle ein ständiger Lernprozess. Es gab immer wieder Dummy-Spielelemente, die ich in Einklang bringen musste mit der Scarygirl-Geschichte.
Das Game hat 16 Level und viele von diesen haben komplett andere Spielkonzepte als Grundlage. Dadurch haben wir letztendlich eine Kollektion von vielen kleinen Games statt eines einzigen, großen Spieles, die durch die Scarygirl-Welt zusammengehalten werden.

CREATE OR DIE: Was ist das Besondere an dem Game? Was lag dir am Herzen, worauf sollten die Spieler besonders achten? Kannst du uns schon Zahlen zum Game verraten? Wieviele Menschen haben es mittlerweile gespielt? Wann gibt es Teil 2 des Scarygirl-Game?
Nathan: Es gibt viel zu entdecken in diesem Spiel. Und wenn es nur darum geht ,den Weg von A nach B zu finden. Die Spieler sollten sich auf eine Reise durch die gesamte Scarygirl-Welt einstellen und ständig die Augen offenhalten nach Dingen, die sie noch gebrauchen könnten. Und nicht jeder Charakter im Spiel ist unbedingt das, für was man ihn auf den ersten Blick hält.
Seit dem Launch im April 2009 wurde das Spiel schon mehr als 500 000 Mal gespielt. Die Leute sind schon jetzt heiß auf Teil 2 des Games. Aber das macht aus meiner Sicht erst Sinn, wenn wir Teil 1 auf eine Konsole gebracht haben.

Scarygirl Game Trailer from Touch My Pixel on Vimeo.

CREATE OR DIE: Der Trailer zum Game ist extrem detailliert und gekonnt. Er wirkt fast schon wie ein Kinotrailer. Bekommen wir da bereits einen Einblick, wie der Kinofilm aussehen wird, an dem ihr arbeitet?
Nathan: Ja, das war tatsächlich unser erstes Experiment, wie Scarygirl animiert aussehen könnte. Der Trailer wurde mit viel Liebe und dennoch nicht wirklich teuer produziert. Er gibt einen Vorgeschmack auf die Richtung, in die wir mit dem Film gehen wollen. Wir haben viel Kraft und Energie ins Testen und Entwickeln gesteckt und geschaut, wie der Kinofilm dann einmal aussehen könnte. Nun sind wir uns sicher, dass es letztendlich eine Kombination aus 2D- und 3D-Teilen wird.

CREATE OR DIE: Wann ist es soweit mit dem Movie, wann kommt er heraus?
Nathan: Das Filmskript an sich steht soweit. Es bedarf nur noch ein wenig des Feinschliffs. Wir stecken zur Zeit mitten im Entwicklungsprozess, was die visuelle Umsetzung angeht. Für die zweite Jahreshälfte haben wir noch viel Arbeit vor uns, wenn es dann um die konkreten Visuals geht.

CREATE OR DIE: Du hast mir in einem Interview im Jahr 2005 mal gesagt, als ich dich nach der Augenklappe von Scarygirl fragte, dass dieses Geheimnis im Film gelüftet wird. Wird es das?
Nathan: Hm ... ich glaube die Augenklappe sollte weiterhin ein Mysterium bleiben. Es ist ja kein wirklich wichtiger Part der Story, dass Scarygirl etwas am Auge hat. Was jedoch ans Tageslicht kommen wird, sind Details zu ihren Armen und einige Hintergründe zum geheimnisvollen Dr. Maybee.

CREATE OR DIE: Ich habe vor wenigen Wochen auf der Pictopia in Berlin Akinori Oishi, Steve und Rilla von den Rinzen und viele andere getroffen. Wo warst du? Warum warst du nicht in Berlin?
Nathan: Ich wäre gern in Berlin gewesen, aber es ging einfach nicht.

Create or die: Die Pictopia war eine großartige Veranstaltung. Akinori Oishi und Fons Schiedon waren einige Wochen danach auf der webinale, ebenfalls in Berlin. Die webinale findet nächstes Jahr erneut in Berlin statt. Hast du Lust dort vielleicht schon deinen ersten Kinofilm vorzustellen oder den Menschen in Berlin erste Einblicke zu geben in das, was kommen wird?
Nathan: Ja, das könnte mir gefallen. Ich habe meine Zeit in Berlin 2006 extrem genossen. Und wenn ich eingeladen werde, komme ich mit Sicherheit gern nach Berlin zurück. Aber für den Film ist es vermutlich noch zu früh. Wobei – vielleicht kann ich dann bereits einige Tests zeigen.

CREATE OR DIE: Schauen wir mal zehn Jahre in die Zukunft. Welche Frage würdest du dir dann in einem Interview wünschen? Am besten gleich mit der passenden Antwort.
Nathan: Wie hast du es geschafft so normal zu bleiben bei all dem Erfolg? :)

CREATE OR DIE: Nathan, vielen Dank für dieses Interview. Und viel Erfolg mit allem, was in den kommenden Monaten an Projekten kommt.

Das Interview führte Matias Roskos. Ein Dank für die Unterstützung bei der Übersetzung geht an Rob Wimpory.

 

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