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Interview

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Juni 2009

Nathan Jurevicius: "Scarygirl is my baby"

Interview mit dem Erfinder und Schöpfer des beliebten Charakters, Teil 1

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/artikel/2377)

Der australische Künstler Nathan Jurevicius erschuf im Jahr 2001 sein Scarygirl und erfand um diese Figur herum eine ganz eigene Welt. Rund um den Globus hat dieses Universum mittlerweile tausende von Fans in seinen Bann gezogen. Gelauncht wurde das Scarygirl-Game Anfang 2009. Ende des Jahres erscheint Jurevicius erste Novelle. Und ein Film ist auch in Arbeit.

Text: Matias Roskos

CREATE OR DIE: Hallo Nathan. Wie geht es dir? Und woran arbeitest du gerade?
Nathan Jurevicius: Hi, mir geht es bestens. Wie üblich stecke ich tief in etlichen Projekten. Unter anderem das Scarygirl-Game, dazu die Produktion für ein Short Live Action Movie, neue Toys für Kidrobot. Und wir sitzen an den Planungen für die Promotiontour für mein erstes Buch.
Nebenbei arbeite ich auch gemeinsam mit Andrea Kang an einem neuen Projekt mit dem Namen "Harley + Boss". Aus der Richtung wird es einige spannende Überraschungen geben, über die ich aber erst in ein paar Monaten reden kann. Ihr dürft gespannt sein.

CRATE OR DIE: Ein bisschen mehr musst du uns schon verraten. Gibt es vielleicht schon etwas zu sehen von "Harley + Boss"? Worum geht es da? Ein weiteres Buchprojekt vielleicht?
Nathan: Wie gesagt: Es ist eine Kollaboration zwischen der Illustratorin Andrea Kang und mir. Wir wollten ein Projekt auf die Beine stellen, bei dem sich unsere beiden Stile ergänzen. Wir arbeiten dafür mit verschiedenen Materialien und Medien – Papierschnipseln, Plüschtieren und so was. In der Ausstellung Cute and Dangerous in der 7 Degree's Gallery in Laguna Beach ist ein Artwork von uns beiden zu sehen. Außerdem haben wir den Auftrag für ein Albumcover eines australischen Sängers. Er heißt Justin Ashworth. Und eine Plüschserie ist auch in Arbeit.

CREATE OR DIE: Ende des Jahres wird deine erste Novelle erscheinen. Kannst du uns darüber etwas erzählen?
Nathan: Das Buch besteht aus zwei Teilen, hat 128 Seiten und einen Hardcovereinband.
Die Geschichte basiert auf der Reise von Scarygirl auf der Suche nach ihrem Vater. Alles beginnt auf einer verlassenen Halbinsel mit dem Fund von Scarygirl durch den Oktopus Blister. Im Mittelteil des Buchs gibt es zusätzlich Sketches, Fotos sowie ein Interview. Erscheinen wird das Buch bei "Allen and Unwin" in Australien und danach weltweit, jeweils in der eigenen Landessprache.

CREATE OR DIE: Worum geht es in dem Buch und wie kam es zu diesem Projekt?
Nathan: Die Entstehung der Scarygirl-Geschichte liegt nun schon einige Jahre zurück. Sie wurde in einem wöchentlichen erscheinenden Magazin aus Hong Kong erstmals veröffentlicht. Damals war es eine einfach gezeichnete Serie und diente unter anderem als Promotion für die Limited Edition Vinyl Toys, die ich für Flying Cat gemacht hatte.
Ein paar Jahre später kamen dann "Allen and Unwin" auf mich zu und baten mir an, die Scarygirl-Geschichte in drei Teilen heraus zu bringen. Es dauerte eine endlos lange Zeit, um dieses Buch zu Ende zu bringen. Aber im Oktober wird es endlich in den Bücherregalen stehen.

CREATE OR DIE: Wer hat außer dir daran noch mitgearbeitet?
Nathan: Naja das stammt alles tatsächlich allein von mir. Darum hat es ja auch so lange gedauert.

CREATE OR DIE: Planst du schon eine Fortsetzung?
Nathan: Der dritte Teil ist in der Entwicklungsphase, die Skizzen bereits gezeichnet. Es wird der Abschluss der Scarygirl-Geschichte. Aber ich plane bereits einige Hintergrundstorys über die diversen Hauptcharaktere der Scarygirl-Welt.

CREATE OR DIE: Großartige Idee. Mit welcher Figur willst du beginnen? Lass mich raten: Bunnyguru?
Nathan: Du hast recht. Höchstwahrscheinlich mit Bunnyguru und seinem Kumpanen Egg.

CREATE OR DIE: Erzähl uns etwas über deine Wurzeln. Du bist in Australien geboren und aufgewachsen. Zuusammen mit deiner Familie lebst du inzwischen aber in Kanada, korrekt?
Nathan: Ich bin in Bordertown, South Australia, geboren, wo ich auch die meiste Zeit meines Lebens verbracht habe, wenn man mal von einem Jahr in London absieht. 2004 bin ich dann mit meiner Familie nach Kanada übergesiedelt. Dort habe ich die ideale Basis, um in die USA oder auch rüber nach Europa zu reisen, wo ich viel zu tun habe.

CREATE OR DIE: Nächstes Jahr finden bei euch die olympischen Winterspiele in Vancouver statt. Spielt das für dich in irgendeiner Form eine Rolle? Gibt es berufliche Anfragen? Wirst du mit deiner Familie dorthin fahren?
Nathan: Ich werde mich schön fern halten von der ganzen Region rund um Vancouver zu dieser Zeit. Außer es lässt sich überhaupt nicht vermeiden. Ich bin nicht wirklich ein großer Sportfanatiker. Außer wenn es vielleicht um Golf und Tennis geht. Aber das sind ja beides auch Sommersportarten.

CREATE OR DIE: Kommen wir zu deiner sicherlich wichtigsten Arbeit in den letzten Jahren zurück: Scarygirl. Ist Scarygirl für dich Arbeit oder Vergnügen?
Nathan: Scarygirl ist mein Baby. Gar keine Frage. Und wie das nun mal mit Babys so ist: Sie bedeuten viel Spaß, aber auch unendlich viel Pflege und harte Arbeit.
Im Moment bin ich in einer Phase, in der es vor allem Pflicht ist und weniger Spaß. Aber ich kann das Licht am Ende des Tunnels sehen, wenn Ende 2009 etliche Projekte ihren Abschluss und ihren Weg nach draußen finden werden.

CREATE OR DIE: Ich weiß, diese Frage wurde dir schon hundert Mal gestellt. Aber es muss sein: Wie entstand Scarygirl?
Nathan: Ich machte seinerzeit eine Menge Editorial Stuff für verschiedene Magazine. In einem dieser Magazine gab es eine Illustration mit einem Haufen von Figuren. Eine davon hatte schon eine gewisse Ähnlichkeit mit dem späteren Scarygirl. Ich entwickelte diesen Character in einem Minionlinekonzept weiter und präsentierte ihn einer australischen Kunststiftung. Unglücklicherweise wurde deren Finanzierung gestoppt und das Projekt ad acta gelegt. Doch etwa zur gleichen Zeit rief mich mitten in der Nacht eine Designcompany aus Hong Kong an: Flying Cat. Sie fragten mich, ob ich nicht mit ihnen zusammen Vinyl Toys machen wolle. Ich sagte zu und so entstand die erste Serie mit Scarygirl, Blister und Bunnyguru.
2004 dann sprach mich Sophie Byrne von Passion Pictures Australia an, ob ich Lust hätte, mit ihr Scarygirl in ein Filmprojekt oder ein Game zu übertragen. Seitdem arbeiten wir eng zusammen.

CREATE OR DIE: Es wurden mittlerweile unzählige Vinyl Toys aus der Scarygirl-Welt produziert und stehen bei vielen Fans weltweit auf Sideboards und Arbeitstischen. So auch bei mir. Kann man davon eigentlich leben? Lohnt es sich Vinyl Toys fertigen zu lassen?
Nathan: Bei Vinyl Toys kommt es darauf an, wie populär dein Character letztendlich wirklich ist und in welchen preislichen Regionen du sie anbietest. Im Normalfall bekomme ich eine Lizenzgebühr für meine Entwürfe. Das ist mittlerweile eine nicht unspannende Nebeneinnahme. Aber es reicht bei Weitem nicht aus, um meine drei Kinder davon zu ernähren.
Wenn der Film in die Kinos kommt, wollen wir uns aber behutsam dem Massenmarkt annähern. Bis es soweit ist, liegt der Fokus aber eindeutig auf qualitativ hochwertigen Limited Editions.

CREATE OR DIW: Du denkst ernsthaft über Merchandising-Artikel nach, wenn der Scarygirl-Film herauskommt?
Nathan: Ja, ich denke, das ist notwendig. Wir werden versuchen, wirklich schöne und ausgefallene Sachen zu machen, mit einem "Feeling of Specialness". Die Dinge, die wir produzieren wollen, werden sich deutlich von dem unterscheiden, was es in der Vergangenheit in der Richtung gab.

CREATE OR DIE: Wenn man Fans von dir fragt, warum sie deine Arbeiten so lieben, dann schwärmen sie zumeist von der Komplexität der Welten, die du erschaffst. Da sind immer viele Zwischentöne, Details, die man erst beim fünften, sechsten Blick entdeckt. Nichts ist plakativ und einfach. Ist das gewollt? Oder entsteht diese Vielschichtigkeit ganz automatisch im kreativen Prozess?
Nathan: Es ist super wichtig, dass die Charaktere ihre eigene Personalität und eine hohe Komplexität haben, damit sich die Fans mit ihnen verbunden fühlen können. Ich beurteile ein Buch ja auch nicht nur nach seinem Cover, sondern nach dem, was drin steht. Und niemand von uns ist einfach nur gut oder böse. Es gibt immer Grauzonen und jeder und jedes hat eine Hintergrundgeschichte.

In Teil 2 des Interviews, den ihr hier in ein paar Tagen lesen könnt, geht es dann um das Onlinegame von Scraygirl, das Anfang 2009 gelauncht wurde. Um Nathans Arbeiten für Kunden, den geplanten Kinofilm und seinen nächsten Deutschland-Aufenthalt.

Das Interview führte Matias Roskos. Ein Dank für die Unterstützung bei der Übersetzung geht an Rob Wimpory.

 

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