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März 2009

Pictopia 2009 – schön war's

Die dritte Pictoplasma-Konferenz für Character-Design liegt hinter uns

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/artikel/2204)

In Berlin fand vom 19. bis 21. März 2009 die nun schon dritte Pictoplasma-Konferenz für Character-Design unter dem Titel "Pictopia" statt. Als großer Fan von Character-Art war ich selbstverständlich wieder, wie schon 2006, fast die ganze Zeit vor Ort und habe mich inspirieren, beeindrucken und bespassen lassen.

Text: Matias Roskos

Drei Tage Konferenz. Drei Tage voll mit Vorträgen von zum Teil echt schrägen Typen, leicht abgedrehten Künstlern und introvertierten Zeichnern. Da kommt man sich hin und wieder vor wie in einem (gut gemachten) B-Movie. Man ist Bestandteil eines schier endlosen Animationsfilms.

Wo fange ich an, wenn ich von der Pictopia erzählen soll? Zu viel war geboten. Zu viele Bilder. Zu viele großartige Künstler. Zu viel Input, der einen ganz wirr macht im Kopf. Also rede ich weniger und zeige lieber ein paar Bilder.
Der beste Vortrag war für mich der von – ja, von wem eigentlich? Nee, geht nicht, es gab einen ganzen Haufen von Vorträgen, die jeder auf seine Art einzigartig waren. Es gab natürlich auch den einen oder anderen nicht ganz so tollen, aber über diese schweige ich hier lieber.

Den Preis für den lustigsten Auftritt müssen sich sicherlich der Argentinier Gaston Caba und Arinoki Oishi aus Japan teilen. Beide haben eine unverwechselbare Art. Und beide lieben es zu lachen bzw. andere zum Lachen zu bringen. Immer wieder bricht in ihnen das Kind hervor: Einfach wunderbar! Da kann man sich schon freuen, Aki auch auf der Webinale im Mai in Berlin sehen zu dürfen. Das wird wieder ein Spaß werden.

Damit der Leser einen Eindruck bekommt wovon ich hier rede, kann er sich in diesem Video die komplette Präsentation von Akinori Oishi anschauen. Mitlachen erlaubt! Und danach lausche man bitte den Klängen von Gaston Caba, der ein Kinderlied zum Ende seiner Präsentation vortrug.

Überraschend genial war ganz ohne Zweifel der Auftritt von James Jarvis, der zu den Schwergewichten im Bereich Vinyl Toys gehört.
Ich hatte einen professionell heruntergespulten Marketing-Vortrag erwartet und wurde eines besseren belehrt. James Jarvis erzählte von seiner Liebe zum Marathon, seiner Familie und dass er am liebsten den ganzen Tag nur zeichnen würde (nur unterbrochen vom Lauftraining). Die Vinyl-Toys sind nur Nebenprodukt – ein lohnenswertes.

Er zeigte einen Animationsfilm, der im Netz noch nicht zu sehen ist, und der leider auch nicht mitgefilmt werden durfte. Am Ende begann er zu zeichnen, live, und vergaß dabei die Welt um sich herum. Hier ein kurzer Mitschnitt.

Wunderbar war die Vielfalt der Stile und der kulturellen Backgrounds, die auf der Pictopia aufeinander trafen. Da war zum Beispiel der Russe Protey Temen, der weit weg von der anglophilen Character-Szene ganz eigene Ideen und Figuren entwickelt.

Der Amerikaner AJ Fosik wiederum hat einen ganz eigenen Stil kreiert, der einen einfach nur staunend vor seinen Werken verharren lässt – einige davon lassen sich noch die kommenden Wochen im Ausstellungsbereich im Haus der Kulturen der Welt bewundern.

Dann war da Faiyaz Jafri, der in 3D immer wieder neue Charaktere entstehen lässt. Befremdlich war für mich nur immer mal wieder die Nähe zur Pornografie. Naja — jeder tobt sich auf seine Weise aus.

Charles Glaubitz lebt wiederum in einer mexikanisch-amerikanisch geprägten Welt, was sich auch in seiner Kunst niederschlägt. Mickey Mouse ist nicht weit. Einen wunderbare Präsentation lieferte auch der Finne Klaus Haapaniemi ab. Beste Unterhaltung, herrliche Illustrationen. Ein Highlight jagte tatsächlich das nächste auf der Pictopia 2009.

Man hatte diesmal – erstmalig auf einer Pictoplasma-Konferenz – einen Block "Revisiting Friends" eingerichtet. Eine super Idee. Hier hatten mittlerweile etablierte Artists, die auf den vorherigen Konferenzen bereits im Programm waren, die Möglichkeit zu zeigen, was sie seit damals alles fabriziert haben. Der Vortrag von Akinori Oishi gehörte in diese Reihe. Hier könnt ihr Aki übrigens auf seinem Pictoplasma-Horse reiten sehen.

Immer wieder beeindruckend sind für mich auch die Animationen von Fons Schiedon, der unter anderem erzählte, dass er seit kurzem in Berlin lebt und arbeitet. Überhaupt fiel auf, dass immer mehr Artists nach Berlin ziehen. Das tut Deutschland und dieser Stadt extrem gut. Und es wurde deutlich, wie professionell die Szene zum Teil geworden ist. Einigen schmeckt diese Entwicklung nicht so. Ich finde es gut, wenn Kreative mit großartigen Ideen auch den Weg hin zu neuen Fans finden und damit auch Geld verdienen können. Why not?

Eines der abendlichen Revisiting-Friends-Highlights war sicherlich der Shooting-Star der Animations-Szene David OReilly. Viele waren extra wegen ihm dorthin gekommen. Etwas arrogant und dandyhaft wirkend, präsentierte er seine Animations-Meisterwerke. Er überzeugte weniger durch Witz und Bodenständigkeit, wie James Jarvis oder Gaston Caba, sondern mehr durch Klasse im Bereich Animation.

Riesig war dann der Kontrast zu Shoboshobo. Aber auch er wirkte im Vergleich zu seinem Auftritt im Jahr 2006 viel routinierter und erfahrener. Dennoch hat er zum Glück nichts von seinem ganz eigenen Charme verloren. Wunderbar verrückt und anders.

Was ich von Waynehorse halten soll, weiß ich dagegen bis heute nicht. Naja &ndah; manche mögen es. Da war sie wieder: die extreme Nähe zur Pornografie, die sich auch im Ausstellungsbereich immer wieder zum Teil unangenehm ins Auge drängte. Dass Gary Baseman ohne diese Anspielungen selten auskommt, weiß man nun ja schon. Aber bei Boris Hoppek fand ich die Damen mit weit gespreizten Beinen in seiner Installation unpassend und aufdringlich. Schade. Wo war eigentlich das Schild "Nicht für Kinder geeignet"?

Das Niveau, in der noch bis zum 3. Mai 2009 im Haus der Kulturen der Welt gezeigten Arbeiten, ist sehr unterschiedlich. Das absolute Prunkstück ist ohne Frage die Autoscooter-Installation aus dem Hause Rinzen. Steve Alexander hat hier großartige Arbeit geleistet. Die vier Autoscooter wiederum wurden von vier anderen Artists gestaltet. Schaut euch dieses Video an und ihr werdet meine Begeisterung verstehen.

Hier noch ein paar Impressionen aus dem Ausstellungsbereich. Ein riesigers Dankeschön geht an die Pictoplasma-Crew um Peter Thaler und Lars Denicke, die wieder etwas Einzigartiges auf die Beine stellen konnten. Ihr seid genial, Jungs! Und damit: over and out.

 

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