Juni 2008
Rich Internet Applications – Ein Überblick
The End of the Web as we know it
Es ist enorm viel geschehen, seitdem Macromedia im Jahr 2002 den Begriff Rich Internet Applications (RIA) eingeführt hat. Inzwischen wurde Macromedia von Adobe übernommen, als Bestandteil von Adobe bleibt man aber mit Adobe Flex und der neuen AIR-Plattform einer der RIA-Vorreiter. Auch Firmen wie Microsoft und Sun versuchen mit Produkten wie Silverlight oder JavaFX auf den RIA-Zug aufzuspringen. Unzählige DHTML- und Ajax-Frameworks wie Ext, Dojo oder JQuery buhlen um die Gunst der Entwickler. Dieser Artikel stellt die wichtigsten RIA-Vertreter vor und geht der Frage nach, ob RIAs zu Recht als die nächste Generation von Browseranwendungen bezeichnet werden können. Interessante Beispiele aus diversen Bereichen werden im letzten Abschnitt vorgestellt.
Text: Harry Klein
RIAs – Definition und Geschichte
Traditionelle Webapplikationen wurden in der bewährten Client-Server-Architektur erstellt. Der Client (Webbrowser) schickt in diesem Modell Anfragen an den Server. Dieser beantwortet die Anfragen und liefert eine Antwort, wodurch der Client die Seite neu lädt. Dieser Prozess ist vor allem wegen der synchronen Aufrufe und dem dauernden Neuladen von Seiten langsam und für den Nutzer unkomfortabel. Auch das statische HTML, das immer noch der 4.01-Spezifikation aus dem Jahr 1999 entspricht, ist sehr limitiert. Es wird wohl noch einige Zeit vergehen, bis sich der neue HTML-5-Standard durchsetzen kann.
Durch die wachsende Popularität von JavaScript und AJAX sowie die Verwendung von asynchronen Anfragen konnten Webapplikationen deutlich verbessert werden. Der traditionell simple Client übernimmt nun einen größeren Teil der Programmlogik. Er agiert als Mittler zwischen Browser und Server und ist verantwortlich für das Applikationsinterface und die Kommunikation zum Server. Rich Internet Applications (RIA) ähneln, was die Funktionalität und das Aussehen betrifft, immer mehr traditionellen Desktop-Applikationen.
Vorteile von RIAs
"Rich" steht für den Mehrwert, den diese Applikationen durch die so genannten "intelligenten Clients" bieten. Sie enthalten "Rich Controls", also Bedienelemente, die in der HTML-Spezifikation nicht vorhanden sind. Dies können zum Beispiel Slider, Datagrids, Kalender, Menüs, Comboboxen, Windows, Panels und vieles andere mehr sein. HTML-Standardformularelemente werden in RIAs aufgewertet, z.B. indem statt eines INPUT-Felds ein viel mächtigeres Autosuggestion-Feld, wie in der Google-Suche, verwendet wird. Eine biedere HTML-Textarea kann zum Beispiel zu einem dynamischen HTML-Editor mutieren, der es dem Nutzer erlaubt, seine Eingabe wie in einer Textverarbeitung zu formatieren.
Die Möglichkeit der Einbindung von multimedialen Daten ist ein wichtiges RIA-Funktionsmerkmal. Interaktionsmöglichkeiten werden zum Beispiel durch die Bedienbarkeit über Tastenkürzel oder Drag-and-Drop-Möglichkeiten erweitert.
Viele Berechnungen können schon auf Client-Seite erfolgen. So können Daten vorgeladen und gecacht werden, bis der Nutzer sie benötigt. Dies reduziert die Notwendigkeit von Serveranfragen zur Laufzeit und erhöht die Leistungsfähigkeit und Performance der Applikationen enorm. RIAs lassen sich viel flüssiger bedienen, Rückmeldungen können schneller erzeugt werden.

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