Juni 2008
Sagt ihnen, dass ihr die Welt verändern wollt…
Fortsetzung, Teil 2
Die Idee
Zur Idee gehört nicht nur die Produktidee, sondern auch ein klares Geschäftsmodell, wie man mit der Idee auch Geld verdienen kann. Die Idee selbst sollte in jedem Fall etwas Neues bieten und sich im Kern nicht leicht kopieren lassen. Das gelte vor allem für technologische Innovationen, so von Bergmann, aber auch die Business-Logik einer Plattform kann eine förderungswürdige Innovation darstellen. Allerdings sollte man, trotz der Begeisterung für das eigene Produkt, die Angebote der Wettbewerber kennen und im Idealfall besser sein! Denn vor allem für Venture Capitalists ist der USP (Unique Selling Proposition – Alleinstellungsmerkmal) entscheidend.
Das Geschäftsmodell soll aufzeigen, wie die Gründer mit ihrem Produkt tatsächlich Geld verdienen wollen. Christoph Janz wies darauf hin, dass vor allem im Web entscheidend sei, auf das Verhältnis von Traffic Engine zu Monetarisierungs-Engine zu achten, wenn es um Gewinnprognosen geht. Setzt man viel Geld ein, um hohen Traffic zu erreichen, dann muss der Umsatz entsprechend hoch sein, um ausreichend Gewinn zu machen. Setzt man wenig Geld ein um Traffic zu erzeugen, muss man weniger Umsatz machen, um den gleichen Gewinn zu erzeugen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Hier kann es geschickt sein, die eigene Website so zu optimieren, dass man huckepack auf den Erfolg von Google aufspringen kann, sagte Janz, und in den Trefferlisten entsprechend weit oben platziert wird. Das erhöhe die Chance auf niedrige Einstiegskosten und helfe die Kluft von den Early Adoptern in den Mainstream zu überwinden.
Idee und Geschäftsmodell sollten dann in einem Businessplan zusammengefasst werden. Dieser dient sowohl den Gründern als auch den Förderern als Grundlage für die Durchführung des Start-ups. Ein Modell-Businessplan kann zum Beispiel beim High-Tech-Gründerfonds heruntergeladen werden.
Der Business Plan enthält auch Angaben zum Reifegrad des Produkts. Gerade im technologischen Bereich benötigen Gründer oftmals schon vor der Marktreife ausreichend Kapital. Um hierbei die Ideenfindung und -reifung zu unterstützen, sprachen Tobias Ullmann und Christian Schüßler von UnternehmerTUM von der Wichtigkeit, die Prototypen sowohl in der Entwicklung wie auch in der Bewerbung um Finanzmittel zur Hand zu haben. Im wörtlichen Sinne begreifbare Prototypen erleichtern für alle Beteiligten die Diskussion im Team, aber auch mit den Geldgebern, und fördern dadurch die Weiterentwicklung und Entscheidungsfindung. UnternehmerTUM unterstützt vor allem universitäre Start-ups und stellt zum Beispiel Werkstätten zum Prototypenbau zu Verfügung.
Das Geld
Finanzierungsmöglichkeiten gibt es fast so viele wie Muscheln am Strand, daher sollte man sich als Start-up gründlich umschauen, was angeboten wird und zum geplanten Unternehmen passt. In jedem Fall sollte man versuchen mit Business Angels und Geldgebern ins Gespräch zu kommen – auch wenn es kein Geld gibt, lernt man etwas für das nächste Mal.
Die Sessions von Clemens von Bergmann und Siggi Kögl stellten unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten für Start-ups vor. Wobei von Bergmann hauptsächlich die Möglichkeiten des High-Tech-Gründerfonds vorstellte. Dieser finanziert sich zu 90 Prozent aus Steuergeldern und zu 10 Prozent aus Mitteln von Industrieunternehmen. Der Vorteil ist hier, dass man Beratung und Finanzierung aus einer Hand bekommt. Gefördert werden vor allem technologieorientierte Projekte, die nicht älter als ein Jahr sind und ihren Standort in Deutschland haben. Anschauen und anklopfen lohnt sich auf jeden Fall.
Siggi Kögl von Attaction stellte drei Finanzierungsmöglichkeiten knapp vor. Für das Seed Funding, also die erste Startfinanzierung, empfahl er ein Drei-F-Modell: Family, Friends, Fools. Diese Form eignet sich, wenn für den Anfang 50 000 bis 500 000 Euro benötigt werden. Der Vorteil sei, dass mein seinen Förderer gut kennt und bei diesem auch einen Rückhalt hat. Nachteile seien, dass die Geldgeber gerne Mitreden wollen und es in der Regel keine weitere Finanzspritze gibt. Jedes andere Modell ist allerdings oft zu kostspielig für die Gründer.
































