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April 2008

Semantic Web! Semantic What?


Fortsetzung, Teil 4

The End of the Web as we know it

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/artikel/1684)

Alternative 2: Das Über-Web

Hoffentlich dahin, wohin wir wollen – zu einem allgegenwärtigen Alltagsweb? Es ist ja nett, dass man in seinem Webbrowser viele Informationen austauschen kann, aber schöner wäre es doch, wenn man dies im Alltag auf der Straße oder am Strand könnte. Ist der Weg hierhin weit? Eine schwere Frage. Man könnte sich Folgendes vorstellen: Nehmen wir einmal an, eine gewisse Suchmaschine, Primus der Web-2.0-Welt und vermeintlicher Besitzer der weltweit größten Informationssammlung, würde einige spezielle Kernkompetenzen kombinieren (falls das nicht schon vorbereitet wird):

Eine Beteiligung an einem Startup, das weltweit kostenlose WLAN-Zugänge bereitstellen will und erfolgreich dabei ist. Netzzugänge werden so omnipräsenter als sie ohnehin schon sind.

• Voice-over-IP wird noch erfolgreicher. Besagte Suchmaschine beginnt, nicht nur ihr Handybetriebssystem, sondern Handys zu verschenken. Ja, richtig gehört, zu verschenken. Und zwar inklusive kostenlosem Telefonvertrag. Denn Voice-over-IP mit kostenlosem WLAN lässt so manche Phantasie aufkommen… und wer könnte diesen widerstehen?

• Auf dem Handy finden sich keine komplizierten Betriebssysteme mehr, sondern einfach nur noch ein simpler und auf das Wesentliche reduzierter Zugang zu der Bazillion von Diensten, die jene Suchmaschine bereits jetzt anbietet.

• Eben jene Suchmaschine nutzt dann auch noch die Profildaten, die sie von den meisten ihrer Nutzer ohnehin vermutlich bereits besitzt, um über das im Handy eingebaute GPS-System die Position mit den Profildaten des Users zu vergleichen und den Handybesitzer auf "interessante Dinge" hinzuweisen. Die Suchmaschine würde dafür natürlich Geld von den Anbietern der "interessanten Dinge" bekommen. Das Ganze passiert, während der Nutzer durch seine Heimatstadt (oder irgendeinen anderen Ort auf der Welt) wandelt.

• Zudem werden Ihre Gespräche auf Basis von Forschungsergebnissen analysiert, die die Mitarbeiter der Suchmaschine bereits vor Jahren veröffentlicht haben, um noch etwas mehr über Sie und Ihre Bedürfnisse zu erfahren. Hier geht es nicht darum, komplexe Dialoge wirklich zu verstehen, sondern Worte mit statistischen Häufungen in Verbindung zu bringen – so wie es heute mit Ihren eingetippten Sucheingaben geschieht.

• Und verdrängt durch die geschickte Platzierung von Empfehlungen zu "interessanten Dingen in Ihrer Umgebung", und durch Ausschaltung einer ganzen Industrie – den heutigen Mobilfunkanbieter … was quasi ein neues Monopol erzeugen könnte. Denn mal ehrlich – schon vor 15 Jahren wurde prognostiziert, das wir heute kostenlos telefonieren können. Und wenn der Telefondienst nur die Grundlage für die Bereitstellung eines viel werthaltigeren (aus Nutzersicht) und wertschaffenden Dienstes (aus Unternehmenssicht) ist: Warum sollte man dann nicht einen Markt mit einem Brachialansatz erobern?

• Und dann hält jenes Unternehmen seine Kunden bei der Stange, indem z.B. Fotos, die mit der eingebauten Handycam gemacht wurden, automatisch geo-tagged werden, in den Blog transferiert und auf einer Suchmaschinenkarte (2- wie 3-dimensional) gespeichert werden. Annotiert mit Einträgen aus der Wikipedia zur photografierten Umgebung oder...

• Den User über eine Routenplanung (gegebenenfalls. leicht modifiziert, um ihn an "interessanten Dingen" vorbeizulotsen) immer auf Kurs zu halten. Und er stets den nächsten Pizzadienst empfohlen bekommt, wenn das Bedürfnis besteht. Und E-Mails, Texte, Tabellen, Termine, etc. jederzeit und überall bereitgehalten werden...

• Und so weiter…

Auch das ist eine Vision eines Semantic Web. Und eine Verschwörungstheorie? Sicher. Science Fiction? Vielleicht. Konsequente maschinelle Nutzung vernetzter Informationen? Ja. Eine Zeitreise zu Orwells 1984? Kann sein. Manchmal kann man froh sein, dass das Semantic Web noch nicht in aller Konsequenz umgesetzt ist, aber die Verlockung ist groß, dabei zu sein, wenn all diese Dienste zusammenwachsen. Und dann kommt er wieder, der Gedanke: Keine Sorge, don’t be evil und alles wird gut!

Viel Spaß mit dem Semantic Web – oder was immer wir in den nächsten Jahren dafür halten werden!

Thomas Biskup ist geschäftsführender Gesellschafter der QuinScape GmbH und beschäftigt sich beruflich mit Portalen, modellgetriebener Softwareentwicklung und allem, worauf "Java" steht. Privat promoviert er (ursprünglich zum Semantic Web, nach einem Interessensumschwung jetzt zu modellgetriebener Softwareentwicklung), hofft die Promotion noch dieses Jahr abzuschließen und entwickelt in seiner sonstigen Freizeit die Spiele .

 

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