November 2009
Social Commerce goes active
Fortsetzung, Teil 2
Der Consumer hat ausgedient
Der Weg zum A-Commerce
Der Active Commerce spaltet die bisher vereinten Rollen, wie die des Ideengebers, Vermarkters, Produzenten und des Vertreibers, auf. Darin liegen gleichermaßen Herausforderung und Reiz der Entwicklung. So muss der Ideengeber nicht zwangsweise seine Idee selbst umsetzen können und ebenso kann der Produzent auf Ideen aus der Crowd zurückgreifen. Der Nutzer kann sich aufmachen, die Realisierung einer Idee zu organisieren und für den Vertrieb tätig zu werden etc.
So ermöglicht der Active Commerce als technologischer Enabler eine neuartige Dynamik im Zusammenführen der einzelnen Rollen, auf die der Nutzer in den vorangegangenen Stufen, E-Commerce und Social Commerce, noch warten musste. Die erfolgreiche Verschmelzung der Rollen wird sich als die erfolgsentscheidende Herausforderung für die Zukunft des Active Commerce herausstellen: Durch das initiale Trennen der Rollen zeigen sich die neuen Möglichkeiten der aktiven Mitwirkung. Die Erschließung dieser Potenziale wird jedoch erst möglich, wenn die o.g. Rollen auch besetzt und im Prozess wieder zusammengeführt werden können.
Als Indikator für den Reifegrad des Active Commerce empfiehlt es sich, die unten angeführten Plattformen zu beobachten. Nehmen die Nutzer die neu gewonnene Freiheit direkt in Anspruch? Sind die neuen Möglichkeiten selbsterklärend? Überfordert die Mitbestimmung im Endeffekt die Nutzer? Die Hilfsmittel zur technischen Umsetzung des Active Commerce sind zurzeit im Entstehen begriffen, allen voran First-Mover wie kickstarter.com, betterplace.org, groupido.com oder myfab.de, auf die im Folgenden noch eingegangen wird. Treffliche Bezeichnung für diese Evolutionsstufe des Onlinehandels ist aufgrund der aktiven Rollen auch Active Commerce, kurz A-Commerce. Zurzeit finden sich in der Onlinewelt maßgeblich drei Szenarien, die als Active Commerce Enabler fungieren: Sammelbestellungen, Sponsoring und Auftragssammlungen.
Sammelbestellungen und Sponsoring – A-Commerce in der Praxis
Bei Sammelbestellungen können Nutzer sich verbünden und durch gemeinsames Abgeben ihrer Bestellungen den Preis für die Handelsware mit steigender Absatzmenge senken. Dieses Szenario ist weiter entwickelt als der reine Social Commerce, hat aber die Stufe des Active Commerce noch nicht erreicht: Die Nutzer organisieren sich zwar via Social Media und animieren zum Mitmachen, jedoch besteht das Angebotsspektrum weiterhin aus Handelsware, die nicht von den Nutzern definiert wurde. Die geringe Akzeptanz dieses Modells wird belegt durch das Scheitern von Plattformen, die diesem Prinzip folgen. Dahingehend kann letsbuyit.com (vor dem Relaunch 2009) als negatives Paradebeispiel genannt werden. Deutsches Pendant dazu ist weedoo, ebenfalls nicht mehr existent.
Beim Sponsoring/Funding handelt es sich um den zurzeit am solidesten aufgestellten Bereich des Active Commerce. Exemplarisch sind hier erfolgreiche Plattformen wie Betterplace.org für Charity und KickStarter im Funding-Bereich zu nennen. Ihr Erfolg im Vergleich zu Sammelbestellungen für Handelsware begründet sich wie folgt: Einerseits wird bei den beiden zuvor genannten Plattformen bereits das Angebotsspektrum von den Nutzern definiert. Andererseits ist der Fokus auf Gütern und Dienstleistungen, die, ungleich Handelsware, nur zustande kommen, wenn das Sponsoring/Funding erfolgreich verlaufen ist.
Erfolgreich verlaufen bedeutet hier, dass sich genügend Zahlungswillige gefunden haben, die die jeweilige Mindestsumme aufbringen, die notwendig ist, um das Produkt oder die Dienstleistung realisieren zu können. Positiver Effekt für den Sponsoring-Nehmer ist dabei, dass er ohne finanzielle Unsicherheit sein Projekt aufsetzen kann, da die benötigte Summe bereits sichergestellt ist. Sollte sich über die Plattform nicht die benötigte Summe finden lassen, so liegt zumindest ein Erkenntnisgewinn vor. Nämlich dahingehend, dass das gewünschte Projekt sich zu den gegebenen Konditionen nicht umsetzen lässt. Dieses Wissen erspart dem Sponsoring-Nehmer weitere Bemühungen und finanzielle Fehlkalkulationen.
Auftragssammlungen – Ein Paradebeispiel
Am umfassendsten wird das Konzept des Active Commerce im Rahmen von Auftragssammlungen abgebildet. Hier wird das Spektrum der Angebote primär von den Nutzern bestimmt. Ähnlich dem Sponsoring definieren die Nutzer zunächst das, was angeboten werden soll. Um die Dienstleistung oder das Produkt so realisieren zu können, wie es ihren Vorstellungen entspricht, ist ein klar festgelegter Mindestaufwand mit fixen Kosten verbunden. Der Unterschied zum Sponsoring liegt darin, dass die mit dem Mindestaufwand verbundenen Kosten tatsächlich gedeckt sein müssen, um mit der Produktion beginnen zu können, wohingegen ein Sponsoring-Nehmer unter Umständen auch mit weniger als der geforderten Summe arbeiten kann.
Ist die erste Einheit und sind somit die Fixkosten des Anbieters jedoch erst einmal abgegolten, entfalten sich die Skalenvorteile der Auftragssammlung: Mit jedem weiteren Auftragsnehmer sinken die Kosten für das angebotene Produkt oder die angebotene Dienstleistung. Die Referenzplattform für Active Commerce, im Sinne der Auftragssammlung und einem von Nutzern frei zu bestimmendem Product Range ist Groupido. Stellvertretend für eine Plattform, bei der die Betreiber den Product Range vorgeben, kann Myfab.com genannt werden.
Daniel Guthor ist Geschäftsführer der Groupido GmbH, sowie Gesellschafter weiterer Internet- und Medienunternehmen. Vor Beginn seiner Unternehmerkarriere arbeitete der diplomierte Kaufmann für SAP und Microsoft im In- und Ausland.
- "Social Commerce"
- "König Kunde regiert das Web: Social Commerce"
- blog.groupido.com
- socialcommerce.de

































