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Mai 2008

Social Networks: Geschäftsmodelle, Nutzerverhalten und Erfolg


Fortsetzung, Teil 3

The End of the Web as we know it

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/artikel/1722)

Vielen geht die Entwicklung der Social Networks einfach zu schnell voran. So haben sich bislang weder die Wissenschaften noch die Analysten an dieses Untersuchungsfeld wirklich herangetraut. Dies mag auch daran liegen, dass die Dynamik im Web einige zu sehr an einen vorübergehenden Hype erinnern – die dotcom-Blase aus den 1990er Jahren lässt grüßen.

Im Fall von Facebook scheint das Stichwort Hype tatsächlich nicht unangebracht zu sein. Wenn eine Firma mit 350 Mitarbeitern und 100 Millionen Dollar Jahresumsatz auf einmal 15 Milliarden Dollar wert sein soll, scheint viel heiße Luft im Spiel zu sein. Was macht Facebook trotzdem so interessant?

Da wäre neben Unternehmensbewertung und konstant hoher Mitgliederzunahme die Öffnung der Facebook-API im Mai 2007. Mit der Offenlegung seiner Anwendungsschnittstelle erlaubte Facebook anderen Firmen, ihre Programme in Facebook zu integrieren. Inzwischen gibt es über 15.000 Anwendungen in Facebook. Integrierbar ist dabei so ziemlich alles: Von der Amazon-Wunschliste oder den Flickr-Fotos bis hin zum eigenen Blog oder einem Wiki. Mit dieser hohen Integrationsfähigkeit ist Facebook inzwischen allen anderen Social Networks überlegen. Zudem kommt man dem Ziel einer Art plattformbasierten Internetbetriebssystems ein Stückchen näher. Denn durch die Integration der verschiedenen Services könnte Facebook zum ersten ‚Social Webtop’ werden – ein Aggregator, der alle anderen Dienste in sich vereint und zur ersten Anlaufstelle der Webnutzer wird.

Google mischt auch mit: OpenSocial

Bei dieser Entwicklung kann Google natürlich nicht abseits stehen, zumal das eigene Social Network Orkut.com weder in Nordamerika noch in Europa Fuß fassen konnte. Folgerichtig war gerade Google federführend bei der Gründung der Initiative Open Social. Open Social ist keine eigene Plattform, sondern die Spezifikation einer offenen Schnittstelle für Social Networks. So soll die Entwicklung von Programmen, die auf mehreren Social Networks gleichzeitig laufen können, möglich werden. Open Social könnte so zu einer Art Branchenstandard werden. Vor allem kleinere, spezialisierte Netzwerke, die nicht unbedingt über die Mittel für eine eigene Entwicklungsabteilung verfügen, können durch Open Social Applikationen externer Entwickler in die eigene Plattform einbinden. Neben Orkut kooperieren bislang auch Yahoo, Myspace, LinkedIn und Xing über Open Social. Vertreten ist aber auch der erst 2006 in München gegründete Einladungsdienst Amiando.de.

Dr. Benedikt Köhler, Habilitant an der Universität der Bundeswehr München, sieht in Open Social eine Brücken-API. Früher oder später werde sich hierüber die Mobilität zwischen den einzelnen sozialen Netzwerken bestimmen. Möglich sei zudem eine erhebliche Expansion des Marktes für Social-Software-Applikationen. Allerdings befürchtet Köhler in diesem Zusammenhang auch, dass Open Social dem Initiator Google eine Festigung seiner Monopolstellung erlauben könnte.

Darüber, ob Open Social ein Mittel zur Auflösung der Grenzen zwischen den einzelnen Netzwerken ist, wird kontrovers diskutiert. Die Rolle als eine Art OpenID für Social Networks scheint weder unrealistisch noch bereits abgemacht. Nicht nur in diesem Fall scheint die Dynamik des Marktes es selbst Experten unmöglich zu machen, sichere Prognosen zu treffen. Wie ließe sich sonst erklären, dass die legendären Samwer-Brüder – bekannt für ihren guten Riecher bei Deals wie Jamba und StudiVZ – sich erst im Januar 2008 dazu entschlossen, eine mehrstellige Millionensumme in Facebook zu investieren? Den aufgehenden Stern des einstigen Studentennetzwerks hatten sie lange mit verfolgt. Obwohl: Das Denken nicht weniger Risikokapitalgeber bezüglich Social Networks scheint zu lauten: "Ich bin überall dabei, eines wird’s bestimmt." Sicher scheint dabei nur dies: Noch bei keiner Branche hing der Marktwert eines Unternehmens so von der Gunst der Nutzer ab sowie von der Fähigkeit, selbst schnell reagieren und realisieren zu können.

 

Kommentare
Gravatar Alex 05.05.2008
um 09:58 Uhr
Tschuldigung, aber hätte 2 kleine Änderungsbitten: 1. Bin (jetzt) WiMi bei der Forschungsgruppe Kooperationssysteme. Rest der Vita stimmt.
2. Könntet Ihr das Karriere bei "...Karrierenetzwerks Facebook..." wegmachen? Sehe ich nämlich gar nicht so....

Wäre wirkich nett. Danke.
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