Mai 2008
Social Networks: Geschäftsmodelle, Nutzerverhalten und Erfolg
Fortsetzung, Teil 2
The End of the Web as we know it
Geschäftsmodell: Premiumdienste in Businessnetzwerken
Eigentlich finanziert sich Xing durch Mitgliedsbeiträge. Ein kleiner Teil der insgesamt rund 5 Millionen Mitglieder hat sich für den kostenpflichtigen Premiumservice registriert. Für einige Zusatzfunktionen wie eine erweiterte Suche ist man bereit, immerhin knapp sechs Euro im Monat zu bezahlen. Das ergibt bei ca. 320.000 zahlenden Mitgliedern umgerechnet 24 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Dies war den Machern in Hamburg allerdings bald nicht mehr genug. Um weiter schnell wachsen zu können, mussten neue Einnahmequellen her. Beim mit 17 Millionen Mitgliedern mehr als dreimal so großen US-amerikanischen Konkurrenten LinkedIn hatte man schon Monate vorher neben der Premiummitgliedschaft ab 20 Dollar aufwärts die zusätzliche Erlösquelle Bannerwerbung entdeckt. Das blieb bei Xing nicht unbemerkt und wurde gerne übernommen. Bereits im November 2007 wurden die Webeeinblendungen angekündigt und mit den Kosten für die Einführung neuer Funktionen begründet. Allerdings bekamen viele Xing-Mitglieder die entsprechende offizielle Pressemeldung gar nicht mit.
Umso größer war der Aufschrei, als die zahlenden Xing-Mitglieder am 1. Januar 2008 die Werbeeinblendungen auf der Online-Community bemerkten. So mancher wurde gar erst von den eigenen Kontakten auf die Werbung im Premiumprofil hingewiesen. Mehrere 100 Mitglieder meldeten sich sogleich zu Wort. Interessanterweise waren die Premiumnutzer aber nicht allein darüber verärgert, dass Werbung neben ihrem Profil eingeblendet wurde. Auch der Umstand, dass sie keinerlei Kontrolle über die Inhalte der eingeblendeten Werbung hatten, empörte viele.
Eine zwischenzeitliche – sich wenig einsichtig zeigende – Nachricht von Firmengründer Lars Hinrichs erhitzte zwei Tage darauf die Gemüter zusätzlich. Das war es dann aber auch schon: Nur wenige Tage nach Start, am 5. Januar, entschlossen sich die Xing-Betreiber, die Profile der Premium-Mitglieder wieder von der Bannerwerbung zu befreien.
Nun darf man aber nicht denken, dass Facebook & Co. Medien und Massen besser unter Kontrolle hätten. Falsch! Facebook war etwa nur wenige Wochen vor dem Xing-Skandal mit "Beacon" in die Schlagzeilen geraten. Auch in diesem Fall handelt es sich um ein Werbevermarktungssystem, und auch hier führten die Datenschutzbedenken der Nutzer zu massiven Beschwerden.
Manch schlaue Nutzer wollen inzwischen folgendes Verhaltensmuster bei den populärsten Social Networks identifiziert haben: Erstens: Grenzen austesten, zweitens: Protest abwarten, drittens: Zurückrudern.
Wäre es nach all dem Bohai nicht endlich an der Zeit, die werbehungrigen Netzwerke abzustrafen und zur Konkurrenz abzuwandern? Existieren überhaupt vergleichbare Angebote? Ja und nein!
Es ist schwierig, den Überblick zu behalten
"Über 100 Social Networks [allein!] aus Deutschland" hat Martin Weigert im Oktober 2007 gezählt. In seinem Blog "Zweinull.cc" hat er die diversen Communitys aufgelistet: Von Sport- und Tierfreund-Netzwerken wie Spielerkabine.net und Meinhund.de, bis hin zur Plattform Feierabend.net wo sich Silver Surfer der Generation 50plus austauschen. Seine Einteilung der Onlinenetzwerke in 20 Kategorien mag nicht ganz trennscharf sein – beispielsweise werden Tier- und Hunde-Communities getrennt aufgeführt. Aber immerhin: Weigert unternimmt den selten gewagten Versuch, etwas Ordnung in das Web-Chaos zu bringen.
2. Könntet Ihr das Karriere bei "...Karrierenetzwerks Facebook..." wegmachen? Sehe ich nämlich gar nicht so....
Wäre wirkich nett. Danke. #zitieren

































