Oktober 2009
Streetart – Teil 1
Differenzierung verschiedener Spielformen
Streetart ist eine Form von zeitgenössischer Kunst, die im öffentlichen Raum platziert wird. Für viele ist es aber auch einfach nur Müll an Wänden.
Text: Manuela Knobel & Matias Roskos
Die Begriffe Graffiti und Streetart überschneiden sich oft, sodass es schwer ist, beides streng voneinander zu trennen. Die Künstler bedienen sich verschiedenster Medien (Marker, Pinsel, Malerrollen, Sprühdosen, Aufkleber, Papier, Klebrollen), um ihre Werke entstehen zu lassen. Ein Großteil der Artworks entsteht dabei illegal. Daher möchten viele der Künstler anonym bleiben. Oft kennt man sie nur unter ihrem Pseudonym, z. B. den wohl bekanntesten Streetartist weltweit: Banksy. Bis heute weiß niemand, wer sich wirklich hinter dem Namen verbirgt. Noch ob es überhaupt nur eine einzige Person ist oder gar ein Künstlerkollektiv.
Streetart ist oft nicht nur Ausdruck künstlerischer Schaffenskraft, sondern auch eine Form des Protests. Gegen die Kommerzialisierung des öffentlichen Raums und gegen das Verdrängen von Kreativität und Spaß aus unserem alltäglichen Umfeld. Oft ist es aber auch einfach nur Vandalismus und Selbstdarstellungstrieb.
Uns geht es in dieser auf zwei Teile angelegten Artikelserie nicht darum, den gesellschaftlichen Diskurs abzubilden. Wir wollen in Teil 1 zeigen, welche Spielarten von Streetart es gibt und ausgewählte Beispiele von Artworks zeigen. Im zweiten Teil werden dann in Berlin fotografierte "Helden der Streetart-Szene" vorgestellt.
Die Fotos stammen allesamt von Manuela Knobel.
Wandmalerei
Hier werden die Arbeiten komplett mittels Pinsel oder Sprühdosen auf der Wand aufgetragen. Kunstwerke in dieser Qualität können daher nur an öffentlichen Plätzen angebracht werden, an denen das geduldet ist, da es doch eine gewisse Zeit dauert, bis diese fertig sind. Ohne Genehmigung ist es fast unmöglich, Wandbilder anzubringen.
Cut out
Cut outs sind Werke aus Papier. Sie werden mithilfe von Schablonen, Druck oder per Hand auf Papier aufgebracht und dann ausgeschnitten. Danach werden diese Cut outs mittels Kleber oder Kleister an die Wände geklebt. Hierbei handelt es sich um eine "legale" Form der Streetart, da diese Arbeiten keine Schäden an den Wänden hinterlassen und aufgrund der Witterung mit der Zeit von selbst wieder verschwinden. Sie sind also nicht dauerhaft. Einer der bekanntesten Künstler in Berlin ist El Bocho.
Poster
Poster und Plakate werden genau wie die Cut outs aufgeklebt. Es gibt sie in vielen verschiedenen Erscheinungsformen. Wie die Cout outs sind sie semi-legal, da sie keinen dauerhaften Schaden hinterlassen.
Tile – Board
Hier wird das Artwork auf Holzbretter, Pappe oder ein anderes Trägermatierial aufgetragen. Das können Collagen, Schriftzüge und Ähnliches sein, die geklebt, gesprayt, gemalt oder gezeichnet werden. Auch das ist eine legale Form von Streetart, solange keine Schäden an Gebäuden zurückbleiben.
Klassisches Graffiti
Beim klassischen Graffiti wird die Farbe mit Sprühdosen direkt auf die Wand aufgetragen. Die Schriftzüge werden in unterschiedlichen Schriften gesprayt. Eine Übersicht über die verschiedensten Schriftarten finden sich unter anderem auf Learngraffiti.net.
Stencil
Stencil bedeutet hier: "Schablone". Das ist ein gängiger Sammelbegriff für sämtliche Kunstwerke, die mithilfe einer oder mehrerer Schablone/n erstellt wurden. Bei den in den Bildern gezeigten Beispielen wurde die Technik direkt auf der Wand angewendet. Das wird häufig getan, da es ein schneller Weg ist, das Artwork zu verewigen und man gut mehrere Male das gleiche Artwork anbringen kann.
Es gibt noch etliche weitere Spielarten von Streetart. Und viele der genannten werden oft in Kombination angewendet. Auf freistehende Installationen zum Beispiel haben wir hier ganz verzichtet. Streetart ist ein gewaltiges Feld, das gerade in Berlin, aber auch anderen Großstädten immer mehr Raum einnimmt und Kreativität Ausdruck verleiht. Zumal Streetart in den letzten Jahren einen Weg heraus aus der Illegalität gefunden hat und einen gesamtgesellschaftlicher Konsens gefunden wurde. Denn auch Streetart, wenn sie denn kein lieblos hingehunztes Graffiti ist, ist Kunst und Ausdruck kreativer Schaffenskraft.

























