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Juni 2008

Wissensgesellschaft 2.0 – Mitmachen oder Verlieren


Fortsetzung, Teil 2

The End of the Web as we know it

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/artikel/1803)

Betriebliches Wissensmanagement: Was sind die Vorteile

Für Unternehmensverantwortliche steht naturgemäß die Frage nach dem betrieblich zu erzielenden Mehrwert an oberster Stelle. Wissensmanagement-Experte Klaus North von der Fachhochschule Wiesbaden führt, für das "Modellprojekt zur Erprobung von Wissensmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen", auf der Webseite der Industrie- und Handelskammer zu Dillenburg, den konkreten Nutzen von Wissensmanagement aus verschiedenen Perspektiven auf.

  • Prozessperspektive: Prozessbeschleunigung, Vermeidung von Redundanzen, Steigerung der Prozesstransparenz, Re-Use von internem Wissen, Reduzierung von Fehlern, Zeitersparnis bei Routinearbeiten
  • Mitarbeiterperspektive: Motivationssteigerung, verbessertes Teamwork, kürzere Einarbeitungszeiten, Kompetenzentwicklung, Steigerung des persönlichen Marktwerts, Erweiterung der persönlichen Wissensbasis
  • Kundenperspektive: Kürzere Reaktionszeiten, Qualitätssteigerung (Produkte u. Service), verbesserte Kommunikation, Steigerung der Kundenzufriedenheit, Steigerung der Kundenbindung, gesteigerte Informationstransparenz
  • Innovationsperspektive: Generierung neuer Geschäftsfelder, Angebot neuer Produkte/DL, Anwendung neuer Technologien, Trendforschung
  • Finanzperspektive: Steigende Umsätze, bessere Einschätzung von Risikofaktoren, höherer Marktanteil, sinkende Verwaltungskosten

Aus Mitarbeitersicht fehlt ein wichtiger Punkt: Betriebliches Wissensmanagement reduziert den sogenannten "Brain Drain". Personelle Fluktuationen lassen die Wissensbasis eines Unternehmens nämlich erodieren. Geeignete Wissensmanagement-Massnahmen können diese – zumindest zeitweilige – Einschränkung der Wettbewerbsfähigkeit abmildern.

So oder so: es braucht wenig Fantasie, um zu erkennen, dass für beinahe jede Unternehmensform Wissensmanagement potenziell von Nutzen ist.

Dass Wissensmanagement positive Effekte auf Produktivität, Effizienz, Einnahmen und Kosten haben kann, ist seit längerer Zeit bekannt. Die erste große, softwareunterstützte Wissensmanagement-Welle ist trotzdem fundamental gescheitert; und das, obwohl enorme Summen in Datenbankanwendungen investiert wurden.

Warum der Misserfolg? Profilangaben von sich selbst bzw. spezifisches Prozesswissen in eine Datenbank einzugeben, widerstrebt vielen Mitarbeitenden ganz grundsätzlich: Aus den Profilangaben könnten nämlich Schwächen herausgelesen werden und durch Bekanntgabe von spezifischem Wissen macht man sich zweifelsohne leichter ersetzbar. Wenn zu diesen fundamentalen Bedenken noch die Tatsache hinzukommt, dass die Applikationen mühsam zu bedienen sind, ist alles andere als ein Scheitern der Wissensmanagement-Initiative eine Überraschung.

Wissensmanagement + Web 2.0 = Wissensmanagement 2.0

Warum soll heute aber funktionieren, was früher gescheitert ist? Warum sollen die Angestellten nun plötzlich gerne und freiwillige Wissen mit den Kolleginnen und Kollegen teilen oder persönliche Daten von sich abspeichern? Das Zauberwort heißt "Web 2.0".

Eines vorweg: Web 2.0 ist keinesfalls bloßes Schlagwort, und die viel beschworene Blase wird lediglich (wieder) im Kapitalbereich platzen. Da alle renommierten Beratungsunternehmen hier einmal einhelliger Meinung sind, dürfte die Bedeutung des Trends bewiesen sein. Und wenn diese Entwicklung sowohl den Technologiebereich als auch die Gesellschaft – und damit das Kundenverhalten – beeinflusst, sollten Unternehmensverantwortliche hinhören, adaptieren und profitieren.

Der Begriff selber beschreibt laut dem Namensgeber Tim O'Reilly eine Haltung sowie einen qualitativen Wandel des Internets. Andréa Belliger, Co-Leiterin des Instituts für Kommunikationsforschung (IKF) in Luzern, konkretisiert:
"Das Internet selbst wird die Anwendung. Nutzergenerierte Inhalte werden Mainstream." Dank der Vernetzung und sozialen Interaktion werden laut Belliger Informationen flexibler, effizienter und kostengünstiger generiert, gespeichert, abgerufen und angewendet.

Das klassische Sender-Empfänger-Kommunikationsmodell wird aufgebrochen. Die vollständige Kontrolle der Unternehmenskommunikation hat als Zielsetzung ausgedient. Es geht nun vielmehr um Kooperations- und Kritikfähigkeit. User-Diskussionen über Produkte und Unternehmen lassen sich kaum mehr verhindern. Die Unternehmenskommunikation ist gefordert, die Diskussionen zu beobachten und, wenn immer möglich, positiv zu beeinflussen. Letzteres in transparenter Weise. Falschinformationen oder getarntes Mitdiskutieren von Unternehmensangestellten sorgen nach dem Auffliegen für in Windeseile sich ausbreitetendes Negativfeedback im sozialisierten Internet.

 

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