Juni 2008
Wissensgesellschaft 2.0 – Mitmachen oder Verlieren
Fortsetzung, Teil 4
The End of the Web as we know it
Neben dem Einsatz der passenden Tools ist die Rücksichtnahme auf die veränderten Qualitäten der Angestellten für den Erfolg entscheidend. Laut David J. Krieger zeichnen sich die "Knowledge Workers", Angestellte die vorrangig mit Informationen zu tun haben oder Wissen generieren, durch folgende Eigenschaften aus: "Sie identifizieren sich primär mit ihrem Beruf und nicht mit ihrem Arbeitgeber. Sie sind mobil und wechseln häufig die Stelle.
Ihre Hauptmotivation ist Stolz in Bezug auf ihre eigenen Leistungen. Sie reagieren sensibler auf Anerkennung durch Peers als durch das Management. Sie haben eine eigene Meinung und eine starke Persönlichkeit und werden lieber Pulled als Pushed. Sie kontrollieren und benchmarken sich selbst durch informelles Networking mit Peers innerhalb und ausserhalb der eigenen Firma."
In diesem Zusammenhang wichtig ist auch die Unterstützung von Wissensmanagement durch E-Learning. Knowledge Workers wollen und müssen sich laufend weiterbilden. Im Gegensatz zu klassischen Schulungen im Präsenzunterricht erlaubt E-Learning inhaltlich und zeitlich individuelles Lernen. Als Nebeneffekt können die Fähigkeitsprofile der Angestellten laufend überprüft und angepasst werden.
Zukunftaussichten: Auf dem Weg zur "weltumspannenden Wissensmanagement-Maschine"
Wird die Menschheit durch das wachsende Neben- und Miteinander von Web 2.0, Wissensmanagement und E-Learning als Ganzes intelligenter? Krieger glaubt nicht an eine vernetzte, anonyme Masse, die per se als Supergehirn funktioniert. Er ist aber überzeugt, dass die neuen Kommunikationsverbindungen die Kreativität der vernetzten Individuen wachsen lässt. Er spricht von einer "emergenten Intelligenz"; eine Intelligenz also, die durch das Zusammenführen einzelner Elemente gesteigert wird.
Dies aber immer innerhalb von mehr oder weniger fest umrissenen Gemeinschaften. Und die nahe Zukunft? Der Kommunikationsforscher erklärt: "Die Wissensgesellschaft in fünf Jahren wird ein riesiges Netzwerk aus Menschen und intelligenten Informationssystemen sein, dessen Vernetzung sehr intensiv sein wird." Er ergänzt, dass künftig ein Grossteil der Gebrauchsgegenstände permanent Informationen von der Umwelt ablesen, speichern, miteinander austauschen würden und also mit den Menschen zusammenarbeiten würden.
Diese Form der Vernetzung ist unter dem Begriff "Pervasive Computing" bekannt. Seine Zukunftsbetrachtung geht noch einen Schritt weiter: "Das Netzwerk als Ganzes ist eine weltumspannende Wissensmanagement-Maschine." Da Menschen Teil davon seien, folgert er: "Das Ganze ist folglich keine eigentliche Maschine, sondern viel eher ein Cyborg, ein bio-kybernetisches Wesen. Sein 'Leben' besteht darin, Wissen in allen Formen zu schaffen, zu bewahren, zu verteilen und zu nutzen."
Keine Web 2.0-Anwendung, kein Wissensmanagement-Tool und keine E-Learning-Sequenz bringt Nutzen, wenn sie nicht durch eine leistungsstarke Suchfunktion unterstützt wird. Genauso wie das Internet ohne Suchmaschinen kaum mehr vorstellbar ist, sollte auch die innerbetriebliche Suche (Enterprise Search) zur Selbstverständlichkeit werden. Wird spezialisierte und der Organisation angepasste Software eingesetzt, reduziert sich die Suchzeit nach vorhandenen Dateien enorm und eigentlich vorhandenes, aber bislang ungenütztes Fakten-Wissen geht nicht verloren – was zweifelsohne finanziell von Belang ist.
Das Marktangebot reicht von relativ einfachen und preiswerten Desktop-Search-Lösungen bis hin zu umfangreichen Enterprise-Search-Applikationen, die komplexe Wissensmanagement-Funktionen und vermehrt auch semantische Anforderungen erfüllen. Solcherlei Software zeigt nicht nur Dokumente an, die der Sucheingabe entsprechen, sondern auch solche, die von der inhaltlichen Bedeutung her zu den Suchbegriffen passen könnten. Auf Wunsch, und je nach gesetzlichen Bestimmungen, können aus den abgelegten Dateien und/oder dem E-Mail-Verkehr auch automatisch Fähigkeitsprofile erstellt werden, die unter anderem der Personalabteilung oder als Expert-Finding-Anwendung dienen.
Glossar (Quelle: Wikipedia)
Brain Drain
Emigration besonders gut ausgebildeter oder talentierter Menschen aus einem Land oder Unternehmen.
Long Tail
Theorie des Wired Magazine-Chefredakteurs Chris Anderson wonach ein Internetanbieter mit einer großen Anzahl wenig gefragter Produkte mehr Umsatz erzielen kann als mit wenigen Bestsellern. Voraussetzung ist die automatische Anzeige von Nischenprodukten bei der Produktsuche. Konsequent wird dies u.a. von Amazon betrieben.
MashUps
Internetseiten, die aus der Verknüpfung vorhandener Inhalte bestehen. Bekannt sind insbesondere MashUps auf der Basis von Google Maps. So können z.B. Ortsangaben mit Branchenbucheinträgen verknüpft werden.
Pervasive Computing
Der Begriff Pervasive Computing (lat. pervadere – durchdringen) bzw. Rechnerdurchdringung bezeichnet die alles durchdringende Vernetzung des Alltags durch den Einsatz "intelligenter" Gegenstände.
RSS
RSS (Abkürzung für Really Simple Syndication, zu deutsch etwa "wirklich einfache Verbreitung") ist eine Technik, die es dem Nutzer ermöglicht, die Inhalte einer Webseite – oder Teile davon – zu abonnieren oder in andere Webseiten zu integrieren.
Social Software
Software-Anwendungen, die menschliche Interaktion unterstützen – hierzu gehören zum Beispiel auch Weblogs und Wikis.
Hans Fischer (fi@rolotec.ch), MBA eLearning & Wissensmanagement ist für die Schweizer Rolotec AG in den Bereichen Business Development, Beratung und Marketing mit Fokus auf Wissensmanagement und Börseninformation tätig.

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