April 2010
see#5 – Tanz auf dem Vulkan
Datenvisualisierung im Schatten des Eyjafjallajökull
Was hat Informationsvisualisierung mit isländischen Vulkanen zu tun? Wenigstens so viel, dass die rund 800 Teilnehmer der See#5 nicht in den Genuss kamen, alle angekündigten Speaker live vor Ort erleben zu können. Die Aschewolke lies am 17. April 2010 einige der Speaker immer noch nicht starten. Dass dies einer gelungenen Veranstaltung dennoch nicht im Wege stehen muss, mag an den spannenden Themen liegen, nicht zuletzt aber auch am Improvisationstalent der Gastgeber Scholz & Volkmer.
Text: Jürgen Telkmann
Das Programm konnte weitestgehend in geplanter Form verwirklicht werden: Lediglich auf einen Speaker mussten die Teilnehmer verzichten, zwei Vulkangeschädigte aus den USA wurden per Videokonferenz zugeschaltet. Guter Ersatz ließ jedoch keinen Programmpunkt vermissen und fast reibungslose Technik sicherte das angekündigte, interdisziplinäre Line-up. So kam das Publikum letztendlich in den Genuss von sieben spannenden Vorträgen rund um die Themen "Datenvisualisierung und Design" – allen feuerspuckenden Naturphänomenen zum Trotz.
Franke – Wo Wissenschaft und Kunst sich "Guten Tag" sagen
Herbert W. Franke bildete den Auftakt der Veranstaltung. Der promovierte und habilitierte Physiker, Mathematiker, Chemiker, Psychologe und Philosoph gilt als Pionier der Computerkunst. Er ist Autor zahlreicher Bücher, darunter Science-Fiction-Romane, Sachbücher und Kurzgeschichten, sowie Verfasser von Beiträgen zur Ästhetik aus Sicht der Wahrnehmungs- und Informationstheorie. In seinem Vortrag "Bildkultur kontra Sprachkultur" beschäftigte sich Franke mit den Berührungspunkten von Wissenschaft und Kunst in der Datenvisualisierung.
Gerade in nicht so leicht zugänglichen, wissenschaftlichen Disziplinen wie der Mathematik oder der Physik hält Franke die Vermittlung von Informationen mittels Visualisierungen für unabdingbar. Dies mache nicht nur unter künstlerischen oder wissenschaftlichen Gesichtspunkten Sinn, sondern eröffne zudem zahlreiche pädagogische Möglichkeiten. "Man nimmt über das Auge weitaus mehr Informationen auf, als über das Ohr", so eines der Argumente Frankes für die Bildkultur. Dennoch sei die Verwendung von Bildern zur Vermittlung nützlicher Informationen noch nicht im Alltag angekommen. In der Werbung verstünde man sich inzwischen zwar blendend darauf, Emotionen zu vermitteln, die Nutzbarmachung pädagogischen Potenzials bliebe hingegen weitestgehend auf der Strecke.
Besonders interessant wurde Frankes Vortrag, als er auf die Berührungspunkte von Kunst und Wissenschaft in der Datenvisualisierung zu sprechen kam. Er konnte zeigen, dass sich beinahe alle wissenschaftlichen Disziplinen bildhaft ausdrücken lassen. Als Beleg dafür führte er von einfachen Flussdiagrammen über Fraktale bis hin zur Visualisierung mathematischer Formeln zahlreiche Beispiele an, die nützlich zum einen und ästhetisch zum anderen waren. Die Grenzen zwischen purer Informationsvermittlung und bezaubernder Schönheit schienen mehr und mehr zu verschwimmen und offenbarten dem Publikum genügend Inspiration für ihr kreatives Handwerk.
































