April 2010
see#5 – Tanz auf dem Vulkan
Fortsetzung, Teil 2
Datenvisualisierung im Schatten des Eyjafjallajökull
Obarzanek – Let's dance
Keine Konferenz für Kreative, ohne dass die Teilnehmer zur Interaktivität aufgefordert werden – wenn auch nur kurz und maßvoll. Denn als nächster Speaker war Gideon Obazanek angekündigt, der zwar keine heiße Sohle, dafür aber einen spannenden Vortrag aufs Parkett gelegt hat. Der Australier war einer der wenigen internationalen Speaker, der sich mit dem Flugzeug den Weg nach Wiesbaden bahnen konnte. In seiner Heimat ist er ein angesehener Choreograph, der mit seinem Tanzensemble Chunky Moves riesige Erfolge feiert. Bei den Performances geht es vor allen Dingen um die Visualisierung des nicht Greifbaren – durch Tanz und den Einsatz digitaler Technologie.
Zusammen mit dem deutschen Interaction- und Softwaredesigner Frieder Weiss entwickelte Gideon jene interaktive Technologien, die seine Performances so einzigartig machen. Davon konnte sich das Publikum am Video zu "Mortal Engine" überzeugen. Während des Tanzes tracken Kameras die Bewegungen und ein Programm erzeugt in Echtzeit dazu passende Lichteffekte, die wiederum auf die Akteure übertragen werden. Bei deiesem Prozess werden auch Störungen und Unregelmäßigkeiten berücksichtigt, sodass letztendlich keine Show der anderen gleicht.
Die Informationen, die die Körper der einzelnen Tänzer sowie die Musik der Technologie liefern, fließen somit eins zu eins in die Performance mit ein. Dadurch entsteht eine ästhetische und kinästhetische Erfahrung, die welweit einzigartig zu sein scheint. Grund genug also, den Vortrag mit einer kleinen Tanzeinlage kollektiv zu beenden.
Brell – Die vielen Lesarten des Raums
Dieter Brell vom Wiesbadener Kreativstudio 3Deluxe ist als Ersatzmann für Joshua Prince-Ramus von Rex Architects eingetreten. Der New Yorker war der einzige Speaker, den die Teilnehmer weder in Persona noch per Videokonferenz zu sehen bekamen – zu stark waren die isländischen Naturgewalten im Gebiet des Eyjafjallajökull-Gletschers. Mit Brell hat man allerdings einen zuverlässigen Ersatzmann gefunden, der nicht nur hilfsbereit die Lücke füllte, sondern das Publikum mit überaus interessanten Projekten seines Architekturbüros in den Bann zog.
Brell und sein Team entwerfen nicht einfach nur Häuser oder Innenräume – stets geht es darum, dem Betrachter Informationen durch den Raum zu vermitteln. Deutlich wurde dies an Projekten, die sich um die Gestaltung von Messeständen drehten, in denen es nicht ausschließlich um die Schaffung einer angenehmen Atmosphäre ging. Auftraggeber wollen stets eine Botschaft in ihren Ausstellungsräumen umgesetzt sehen. Der Raum soll dem Menschen die Werte des Unternehmens vermitteln, Fortschritt ausstrahlen oder ihn zur Kommunikation anregen.
Zahlreiche Projekte konnten 3Deluxe bereits umsetzen. Dabei setzen sie auf die Verknüpfung von multimedialer Technik und klassischer architektonischer Arbeitsweise. So schaffen sie Räume, die eine Schnittstelle zwischen realer und virtueller Welt bilden und stets kotrovers sind. Es gelte, "Räume so zu gestalten, dass sie verschiedene Lesarten zulassen", so Brell.
Brell zeigte viele Projekte, die 3Deluxe bereits verwirklicht hat. Darunter unter anderem der Cocoon Club in Frankfurt oder die Messestände der Credit Suisse sowie der Autostadt. Doch auch auf zukünftige Arbeiten durfte man einen Blick erhaschen. So gab Brell beispielsweise Einblick in die Arbeit zur Neugestaltung der Zeilgallerie in Frankfurt.
































