April 2010
see#5 – Tanz auf dem Vulkan
Fortsetzung, Teil 3
Datenvisualisierung im Schatten des Eyjafjallajökull
Vande Moere – Von der Macht einer guten Visualisierung
Andrew Vande Moere ist vielen durch sein Blog Information Aesthetics bekannt. Doch er ist auch Senior Lecture an der Universität von Sydney und der Katholischen Universität Leuven in Belgien. Vande Moeres Vortrag widmete sich der Macht einer guten Datenvisualisierung. Sein Credo lautet: "A compelling visualization is already persuasive". Das heißt, gelingt es, Daten in einer angemessenen Form darzustellen, so leistet sie automatisch Überzeugungsarbeit. In seiner Arbeit beschäftigt sich Vande Moere mit allen erdenklichen Spielarten, Informationen den passenden Ausdruck zu verleihen.
Vande Moere treibt dabei Frankes Ideen zur Schnittmenge von Wissenschaft und Kunst in Infografiken auf die Spitze. Künstler haben laut seiner Theorie bei der Visualisierung von Informationen einen klaren Vorteil. Deutlich macht er dies unter anderem anhand des Projekts "Of All of the People in the World". Es veranschaulicht Statistiken anhand von Reiskörnern. Für die so dargestellten Zahlen hätte man auch Torten- oder Balkendiagramme wählen können. Durch das Zurückgreifen auf Reiskörner als Medium gelingt es hingegen, das Ausmaß gewisser Summen auf eine viel plastischere, eingänglichere Weise darzustellen.
Persuasive Visualisierungen können für Vande Moere Feedbacktool, Medium und sozialer Aggregator zugleich sein. Mit der richtigen Wahl der Mittel kann man Fakten so präsentieren, dass sie den Mensch nachhaltig verändern und zum Umdenken auffordern. Darin liegt die wahre Macht der Informationsvisualisierung.
Felton und Demaine – From the USA with Data
Auf die physische Anwesenheit der beiden Speaker Nicholas Felton und Kent Demaine von OOOii mussten die Teilnehmer der fünften See-Konferenz leider verzichten. Feltons Flieger drehte nach drei Stunden ab und kehrte nach New York zurück. Demaine befand sich ebenfalls schon in der Luft, schaffte es aber nur bis Houston. Der Eyjafjallajökull ließ grüßen. Beide Speaker beehrten Wiesbaden dennoch mit ihrer virtuellen Anwesenheit: per Videokonferenz.
Für den Designer Nicholas Felton ist die Visualisierung von Daten nicht nur eine Darstellungsform, sondern ein autobiografisches Mammutprojekt. Jedes Jahr gibt er einen Bericht heraus, der nur eines zum statistisch-bildhaften Thema hat: sich selbst. Felton analysiert, erfasst, erhebt und beobachtet jede noch so kleine Begebenheit seines Alltags, notiert sie und drückt sie in Grafiken aus. Sei es seine durchschnittliche Stimmung oder wieviele Pflanzen er im jeweiligen Jahr vertrocknen ließ – alles wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seine Erhebungsmethoden schaffen zugleich einen interessanten Eindruck davon, wo man selbst überall seine Daten hinterlässt – für seine Forschungen sucht Felton auch bei Social-Media-Diensten wie lastFM oder dem Portal Daytum.com.
Im Gegensatz dazu beschäftigt sich Kent Demaine nicht mit Dingen aus dieser Welt. Ihn interessiert vielmehr, wie sich Datenvisualisierungen nutzen lassen, um eine glaubhafte, fiktive Welt zu erschaffen. Sein Studio entwickelte für Kinofilme wie Minority Report oder den neuesten Star Trek Streifen Interfaces, welche die Glaubwürdigkeit der Filme zu steigern halfen. Denn auch in Science-Fiction-Szenarien muss eine gewisse Logik gewährleistet sein, damit sie den Zuschauer in ihren Bann ziehen können. Demaines Beitrag dazu war unter anderem das berühmte Touch-Interface aus dem Minority Report oder die des Raumschiff Enterprise in Star Trek.
































