20. Januar 2011
D&AD 2010
The Best Advertising and Design in the World

- Autor/in: Julius Wiedemann
- Verlag: Taschen Verlag
- Seiten: 576
- erschienen: 15. November 2010
- Preis: 39,99 Euro
- ISBN: 978-3836524995
State of the Art ist eine jener Phrasen, die man als kreativer Mensch nicht hören will. Sie ist schlichtweg nicht fassbar, ist durchweg hohl, sagt alles und somit irgendwie nichts und dennoch hört man sie immer wieder. Meist von Fachfremden, von Kunden, Klienten oder sonstigen Auftraggebern, die in Pitching Runden oder Briefings State of the Art in einem Atemzug mit anderen, lächerlich hip klingenden Begrifflichkeiten, wie beispielsweise Look & Feel verwenden und meinen, damit sei alles gesagt.
All jenen, die es leid sind, diese Phrasen zu hören, empfiehlt sich der Jahreskatalog "D&AD 2010. The Best Advertising and Design in the World" aus zweierlei Gründen: Zum Einen vermittelt er einen ungefähren Eindruck davon, was mit State of the Art und anderen irgendwo aufgeschnappten Aussprüchen gemeint sein könnte und führt gleichzeitig in einer Fülle kreativer Fallbeispiele derartige Begrifflichkeiten ad absurdum. Zum Zweiten ist der Wälzer mit beinahe 600 Seiten stark genug, als physische Nachhilfe herzuhalten, falls Grund Nummer Eins bei Lernunwilligen nicht fruchtet.
D&AD 2010 will als Resultat eines internationalen Wettbewerbs eine Bestandsaufnahme in Sachen Design abgeben. Die namhafte Jury, in der Ikonen aus allen Bereichen von Design und Werbung ihre Köpfe rauchen ließen, wählte aus mehr als 20.000 eingereichten Arbeiten aus dem vergangenen Jahr, die durch besonders hohe Innovation und Ideenreichtum die Messlatte ein weiteres mal nicht unbedingt höher gelegt, aber wenigstens beeinflusst haben. Die Gewinner wurden mit dem Yellow Pencil ausgezeichnet, herausragende Arbeiten mit dem Black Pencil darüber hinaus besonders gewürdigt – darunter "Designstudios und Werbeagenturen, von Branding-Consultants und Filmproduktions- und Fotoagenturen sowie Pionieren digitaler Medien und anderen kreativen Firmen aus aller Welt".
Das Inhaltverzeichnis des Katalogs liest sich wie ein Branchenverzeichnes der Kreativität und lässt damit keinen Aspekt unberührt. Eingereichte Arbeiten stammen aus allen Bereichen: Typografie und Grafik Design, Fernsehen und Kino, Radio und Text, Digital Advertising und Illustration – um nur einige zu nennen. Und wie bettet man all jene Referenzarbeiten visuell in einen adäquaten Rahmen? Indem man einen namhaften Künstler mit der Gestaltung beauftragt. D&AD Präsident Paul Brazier beauftragte mit der Gestaltung der opulenten Jahresbroschüre seine Lieblingsdesigner Bob und Roberta Smith. Diese entschieden sich für eine farbenfrohe Typografie gepaart mit Collagen aus Illustration und Fotografie.
Was bleibt schließlich zu sagen über "D&AD 2010. The Best Advertising and Design in the World"? Gewiss mag der ein oder andere den Titel für ein wenig hochgestochen halten, denn wenn ein Werk den Anspruch erhebt, das beste seiner Art bereitzuhalten, läuft man zwangsläufig Gefahr, sich Kritik gefallen lassen zu müssen. Eben aus diesem Grund ist ja auch State of the Art ein gefährlicher Begriff. Dämpft man daher die Erwartungen nur minimal und betrachtet das Werk als Branchenrückblick auf das vergangene Jahr, so wird der geneigte Leser voll und ganz zufrieden sein.
Jürgen Telkmann

























