13. April 2010
Der Fixierungscode
Was wir über das Internet wissen müssen, wenn wir überleben wollen

- Autor/in: Ibrahim Evsan
- Verlag: Zabert Sandmann Verlag
- Seiten: 165
- erschienen: 1. Auflage 2009
- Preis: 16,95 Euro
- ISBN: 978-3898832557
Der Autor ist kein Unbekannter im Web. Ibrahim Evsan, Gründer von Sevenload, davor Kreativberater, gilt als ausgewiesener Web-2.0-Experte. Jener Experte hat nun ein Buch geschrieben, Der Fixierungscode. Warum? Vielleicht weil er sich als Medienbeauftragter von NRW Sorgen um die Zukunft unserer Gesellschaft macht, vielleicht weil er selbst nah an der Spielsucht vorbeischrammte – zumindest hat es den Anschein im Buch – vielleicht weil er sieht, dass unsere Welt heute ganz anders ist als noch vor zehn Jahren. Und "Schuld" hat das Internet.
Millionen Menschen nutzen das Internet beruflich. Unter Jungendlichen hat es gar den Fernseher längst verdrängt. Der Rechner ist unser Reisebüro, ist unsere Bank, unser Einkaufberater, ist Schaltzentrale, ist Mittelpunkt unseres Lebens. Wir sind fixiert auf den digitalen Kosmos hinter unseren Endgeräten, meint Evsan. Kein Wunder, die Dienste von Google & Co., Social Networks wie Facebook oder Microbloggingdienste wie Twitter machen Spaß. Doch welchen Preis bezahlen wir für diese scheinbar kostenlosen, allzu verlockenden Angebote? Wir geben bereitwillig unsere geheimsten Daten Preis. Die Diskussion um den Begriff der Privatsphäre ist es jedoch nicht, die Evsan antreibt. Diese überlässt er anderen.
Evsan berichtet aus seinem Alltag, nutzt seine gesammelten Erfahrungen, um erstens aufzuzeigen und zweitens Hilfestellung zu geben. Er erklärt die Spielregeln der modernen Kommunikation und deren Vorteile. Gleichzeitig klärt er auf, über die Gefahren der digitalen Welt und wie man sich schützen und Gegenmaßnahmen ergreifen kann. Die Gefahr beschreibt er als Fixierungscode – der Code der der digitalen Welt zugrunde liegt und die Fixierung auf eben jene "Welt".
Seinem Untertitel wird Evsan allerdings nicht ganz gerecht. Dazu konzentriert er sich zu sehr auf seine eigene Sichtweise. D.h. aber nicht, dass dieses Buch nicht wertvoll ist – im Gegenteil. Abstrakte Diskussionen um Bits und Bytes machen es gemeinhin schwer, komplexe Sachverhalte zu verstehen. Die theoretische Debatte um beispielsweise Spielsucht muss sein, sie hilft den Eltern zu Hause aber wenig, wenn sie verstehen wollen, was in ihrem Kind vorgeht. Evsan wird stets konkret, er vermenschlicht diese Diskussion durch seine eigenen gemachten Erfahrungen und Beobachtungen.
Das Buch ist eine Bereicherung, allen voran für jene, die an einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Internet interessiert sind. Für jene, die die digitale Welt so gestalten wollen, wie wir sie uns wünschen und nicht, wie sich einige Konzerne, Evsan nennt sie digitale Supermächte, sie sich vorstellen.
Felix Schrader
































