26. Oktober 2009
papercraft
Design and Art with Paper

- Autor/in: Robert Klanten
- Verlag: Die Gestalten Verlag
- Seiten: 256
- erschienen: 1. Auflage 2009
- Preis: 44 Euro
- ISBN: 978-3899552515
Papier, welche Bedeutung kommt ihm als Rohstoff zu? Allgegenwärtig seine Präsenz. In Form von Zeitungen und Magazinen, an Plakatwänden, als Kassenbon im Supermarkt. Ein trivialer Werkstoff. Dabei transportiert Papier das Wissen unserer Zivilisation seit Jahrtausenden. Doch mit der zunehmenden Digitalisierung schwindet seine Verbreitung. Vielleicht ist das mitunter ein Grund, warum Papier unter Künstlern als Gestaltungsmaterial eine neue Wertschöpfung erfährt.
"... this return to a physical medium marks another important artistic decision. According to the latest – and controversial ndash; brain research, there is no such thing as a tangible self, just different 'models of reality' that mimic our image of the real thing. To philosopher Peter Sloterdijk, our current online 'self-determination and reinvention' marks an 'intensification of participation' – an expressed redefinition in public space", so Robert Klanten in seiner Einführung seines neuesten Buches "papercraft".
Papier, letztendlich aus welchen Gründen auch immer, erobert die Welt der Gestaltung zurück. Aufwändige Werke entstehen in mühevoller Kleinarbeit. Stundenlang wird an einem "Bild" gearbeitet, tagelang, nächtelang. Und die Ergebnisse sind stets gleich: beeindruckend! Vielleicht weil der Rezipient um die mühevolle Kleinarbeit weiß. Vielleicht weil der Werkstoff Papier ebenfalls magisch auf den Betrachter wirkt. Vielleicht aber auch weil die Arbeiten einfach schön sind. In logischer Konsequenz für das Buch "papercraft" kann dies nur bedeuten, dass es ebenfalls schön ist. Und das ist es über alle Maßen.
Das beginnt bereits mit dem ersten Bild auf der fünften Seite. "Bon Appetit" heißt die Arbeit von Yulia Brodskaya. Barock verziert prangern die Buchstaben des Titels in den aufgewirbelten Haaren einer papiernen Schönheit, die ihr Haupt über einen Teller aus Papier beugt, samt Besteck. Das Bild ist Teil der Rubrik "Unfolding", die Poster Collagen und Typographie zum Inhalt hat. Dabei geht es, nicht nur in diesem Kapitel auch in den anderen, nicht immer nur um die reine Arbeit mit dem Papier. Es wird gemischt mit anderen Elementen, meist aber "schleicht" sich der Mensch mit in die Bilder ein und wird Teil einer Komposition oder gar einer Geschichte.
Auf Unfolding folgt "Play and display" ein Kapitel zu Objekten, Charakteren und Typos aus Papier. Danach geht es in "Bespoke reinvention" um Fashion und Costume. Nach der modischen Papierwelt folgt mit "Shapes and Guises" ein Ausflug in die Welt der Pop-Ups, Bücher, Layers und Objekte. Um beeindruckende und gewaltige Installationen aus Papier geht es im letzten Kapitel "Setting the scene".
Wem es nach dem Betrachten der vielen Kunstwerke in den Fingern juckt und gerne selbst zu Papier und Schere greifen möchte, der findet auf der beiliegenden DVD eine Auswahl verschiedenster Paper Toys. Wer noch mehr Inspiration benötigt, die DVD hält 17 Kurzfilme bereit, vom Werbefilm über das Musikvideo bis hin zur Kurzgeschichte.
Für Liebhaber von Papier und Schere kann es daher nur ein Urteil geben: kaufen.
Felix Schrader
































