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August 2008

Visuelles Adrenalin


Fortsetzung, Teil 2

Interview mit Rebekka Guðleifsdóttir

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/artikel/1890)

CREATE OR DIE: Deine Arbeiten haben einen hohen Grad an Originalität erreicht. Könntest du ein wenig näher auf deinen täglichen Arbeitsablauf eingehen – was beeinflusst dich beispielsweise?
Rebekka: Alles Mögliche beeinflusst mich. Wenn ich nicht gerade an Fotos arbeite, stricke ich oder jogge oder stemme Gewichte und dabei arbeiten die ganze Zeit meine grauen Zellen. Ich denke dabei darüber nach, ob ich Ideen weiterverfolge oder erstmal fallen lasse und auf später verschiebe. Oder ich bringe mich dazu, sofort alles zu unterbrechen und mir meine Kamera zu schnappen. Wie auch immer, ich wähle sehr sorgfältig aus, welchen Ideen ich weiter nachgehe... Häufig gebe ich eine Idee schon im Voraus auf, weil ich sie:

  • schon mal in ähnlicher Form umgesetzt habe,
  • jemand anderes sie bereits realisiert hat.

In solchen Fällen mag ich es, Einfälle, die für sich gesehen nicht wirklich originell sind, auszuarbeiten und zu erweitern.

CREATE OR DIE: Gibt es Menschen, Fotografen oder Ereignisse, die dich und deine Arbeit inspirieren?
Rebekka: Ich bin nicht aktiv auf der Suche nach Inspiration. Ich verfolge kaum die Arbeiten anderer und kann nicht wirklich viele Künstler aufzählen, die mich inspirieren. Ein paar fallen mir ein, die mich irgendwie in die richtige Richtung gelenkt und mir geholfen haben, zu erkennen, was für ein Fotograf ich eigentlich sein möchte. Cindy Sherman's Arbeiten haben mich für Selbstportraits interessiert, und zuletzt war ich sehr beeindruckt von den Arbeiten zweier unterschiedlicher Fotografinnen: Zena Holloway, welche meisterhafte Unterwasseraufnahmen schießt (was ich in naher Zukunft auch plane), und Sandy Skoglund mit ihren faszinierend surrealen und komplexen Fotos der 80er und 90er. In einer Zeit, als Photoshop noch keine Option darstellte, bezwang sie eine Menge Unwegsamkeiten und konstruierte beeindruckende Kulissen für ihre Bilder. Eine Arbeitsauffassung, die ich sehr bewundere und auch langsam mit in meine Arbeit mit aufnehme.

Ein Beispiel hierfür wäre nochmals "once in a blue moon". Etliche Leute hatten mich gefragt, warum ich die Steine nicht einfach in Photoshop eingefärbt habe. In Wahrheit habe ich diese gesammelt, mit nach Hause genommen, einzeln blau angemalt und sie dann wieder zu dem See gebracht, wo ich sie gefunden hatte. Dieser lange Prozess wird auf dem Foto nicht sichtbar, ist mir aber wichtig. Auch müssen die Leute damit aufhören zu denken, dass Photoshop das eigentliche Entwerfen ersetzt. Das tut es nicht. Man sieht immer, wenn etwas nicht "echt" ist.

CREATE OR DIE: Und aktuell – was fordert dich?
Rebekka: Langstreckenlauf (ich habe mein Ziel erreicht und schaffe Halbmarathondistanz) und stricken. Ich entwerfe und verkaufe Wollpullover – etwas, in das ich ebenfalls zufällig gestolpert bin – was aber wiederum diesen Sommer auch zu einem Vollzeitjob geworden ist.

CREATE OR DIE: Und was kommt als Nächstes?
Rebekka: Es stehen so viele Sachen an. Mein Kopf ist voller Ideen. Ich plane ein Buch, dem hoffentlich weitere folgen. Ich werde bis dato unveröffentlichtes Bildmaterial bei einer Ausstellung in Reykjavik (06.12.2008, Fotografi Gallery) zeigen. Andere Ausstellungen stehen derzeit noch nicht fest, sind aber in Planung. Und natürlich muss ich mein Studium an der „Islands Akademie der Künste" abschließen, da steht jetzt das Abschlusssemester an.

CREATE OR DIE: Hast du zum Abschluss noch Tipps oder Ratschläge?
Rebekka: Glaube an erster Stelle an dich selbst. Geh' und genieße jede Minute deines eigenen Weges und konzentriere dich nicht ausschließlich auf das Ziel.

Das Interview mit Rebekka Gudleifsdottir führte Frank Reitberger (www.prinzipiell.com)

 

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