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Interview

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September 2009

Vom Comicfestival bis zu den Adamantiumminen

Der Organisator des Comicfestivals München im Interview

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/artikel/2564)

Im Juni fand in München wieder das Comicfestival statt. CREATE OR DIE war vor Ort und erstattete Rapport . Nun haben wir Gerhard Schlegel, den Organisator des Events, aufgesucht und ihn über die Entstehung des Festivals, die Comicszene allgemein und seinen Werdegang befragt.

Text: Matias Roskos

CREATE OR DIE: Das Comicfestival in München war sicherlich dieses Jahr ein Highlight im Eventkalender für Kreative. Wie siehst du das als Organisator und Motor hinter dem Ganzen? War es auch für dich ein Erfolg oder hätte es besser laufen können?
Gerhard Schlegel: Es war das bisher erfolgreichste Festival, das wir je hatten. Wir haben konzeptionell diesmal wirklich ziemlich alles richtig gemacht. Im Detail gab es natürlich viele kleine Fehler, aus denen ich gelernt habe. Das nächste Mal sollten das aber klappen.

CREATE OR DIE: Wann hat du mit den Vorbereitungen für das Comicfestival begonnen?
Gerhard Schlegel: Ein Jahr vorher geht es los, allerdings ist es im Vorfeld immer kompliziert, wie das Team aussieht, wie es mit den Locations und den Fördergeldern klappt.

CREATE OR DIE: Kann man mit solch einem Festival auch Geld verdienen?
Gerhard Schlegel: Ja, ich und alle andere Helfer bekommen ein Honorar. Ohne Geld macht man es nicht lang.

CREATE OR DIE: Es waren viele namhafte Verlage vor Ort. Musstest du viele Klinken putzen, um sie zu überzeugen, oder war das ein Selbstläufer?
Gerhard Schlegel: Dass die Verlage kommen, war ein langer Weg und hat sich über drei Comicfestivals hingezogen. Erst kamen nur ein paar kleine, dann immer mehr. Aber erst nachdem sie gesehen haben, dass München gut läuft. Und dieses mal waren wirklich fast alle Verlage da, vor allem aber die großen drei: Carlsen, Panini, Egmont Ehapa. Natürlich habe ich am Ende an den Verlagsständen gefragt, wie es lief, und es waren alle durch die Bank zufrieden und wollen wieder kommen. Es hätte natürlich auch sein können, dass es nicht so gut läuft. Dann sind die Verlage schnell wieder weg. Aber mit dem diesjährigen Erfolg hat sich München als Verlagsmesse neben Erlangen etabliert.

CREATE OR DIE: Immer mehr Verlage erhöhen ihre Präsenz im Internet deutlich. Zuletzt hat zum Beispiel Panini mit myComics.de eine eigene Community-Plattform ins Netz gestellt. Perry Rhodan kann man seit kurzem im App-Store für das iPhone abonnieren. Wie siehst du diese Entwicklung? Denkst du, dass Verlage genauso wie Comiczeichner in der Zukunft im Netz präsent sein müssen?
Gerhard Schlegel: Ich glaube, dass es für einen großen Verlag ein Muss ist, meiner Meinung nach allerdings nur für Werbezwecke. Bisher verdient glaube ich in Deutschland noch niemand Geld damit.

CREATE OR DIE: Was hältst du von einem Projekt wie comiXology? Können Comics vom Urmedium Papier auf ein Gerät wie das iPhone übertragen werden?
Gerhard Schlegel: In Japan funktioniert das ja schon sehr gut und wird auch bei uns immer stärker werden. Ich glaube, dass es Orte und Zeiten gibt, in denen man gerne Comics auf dem iPhone oder Handy liest, wie zum Beispiel im Zug auf dem Weg zur Arbeit. Aber wenn man zu Hause auf dem Sofa sitzt, wird man lieber gedruckte Comics lesen. Weil das eben doch, genauso wie bei Büchern, angenehmer ist.

CREATE OR DIE: Kannst du dir vorstellen, auch Comics für die digitalen Medien zu zeichnen? Oder haben Hefte und Bücher oberste Priorität auch in der Zukunft?
Gerhard Schlegel: Am Ende geht es darum, ob man sein Geld damit verdienen kann. Alles andere ist Hobby.

CREATE OR DIE: Wie entstand das Comicfestival seinerzeit? Verrate mal etwas zur Historie des Events.
Gerhard Schlegel: Vor knapp 20 Jahren haben sich ein paar Comicfans zusammengeschlossen und ein erstes Festival organisiert. Das kam gut an. Für das darauf folgende wurde dann der Comicfest e.V. gegründet, der seitdem Gelder für die Organisation des Festivals vom Kulturreferat der Stadt München bekam. Ohne Fördermittel gäbe es kein Festival. Die Leitung des Festivals war natürlich immer wieder in anderen Händen, und seit acht Jahren übernehme ich diesen Job.

CREATE OR DIE: Wie groß war das Organisationsteam für das Comicfestival? Oder lag die Hauptarbeit allein auf deinen Schultern?
Gerhard Schlegel: Es gab jemanden, der für den Aufbau zuständig war, jemanden für die Pressearbeit, jede Ausstellung hatte ihren Kurator etc. Insgesamt etwa 15 Mitarbeiter und während dem Festival nochmals zehn Praktikanten.

CREATE OR DIE: Was war für dich persönlich das Highlight des Comicfestivals?
Gerhard Schlegel: Für mich ist immer die Verlagsmesse das wichtigste, auf der die Verleger ihre neuesten Comics präsentieren und ihre Künstler für die Fans Signaturen zeichnen. Das ist das Treffen der ganzen deutschen Comicszene.

CREATE OR DIE: Was tust du sonst, wenn du nicht gerade ein Comicfestival vorbereitest? Erzähl uns was zu deinen Comics.
Gerhard Schlegel: Ich habe mit Elke Reinhart zusammen das Laska-Grafix-Illustrationsstudio, in dem wir Illustrationen für Bücher, CD-ROMs und Storyboards zeichnen. Wenn wir zwischendurch etwas Pause haben, arbeiten wir an eigenen Comics, für die wir dann einen Verlag suchen. Manchmal veröffentlichen wir Comics auch selber, wenn sie vom Format und Inhalt für Verlage unpassend sind. Comics zeichnen macht uns einfach sehr viel Spaß. Wir haben Alben veröffentlicht wie den "Kaktus", den "Golem", "Luzie aus der Hölle". Wir haben einige Jahre die Avantgarde-Comicantologie "Tentakel" mit verschiedenen deutschen Zeichnern herausgebracht und in vielen Zeitschriften veröffentlicht. Für Paninis Hero-Magazin habe ich eine Serie getextet und layoutet, die dann vom spanischen Zeichenstudio Comicon reingezeichnet wurde etc.

CREATE OR DIE: Wie bist du zum Comiczeichnen gekommen?
Gerhard Schlegel: Als Kind habe ich angefangen, Marvel Comics zu lesen und seitdem selber Comics gezeichnet. Da es damals kein reines Illustrationsstudium gab, habe ich Grafik Design in Augsburg studiert. Was sehr gut war, denn Comic bestehen ja zu einem großen Teil aus Text. Und dafür ist auch ein gewisses typografisches Gefühl von Vorteil.

CREATE OR DIE: Was sind deine ganz persönlichen Lieblingscomics bzw. Lieblingszeichner?
Gerhard Schlegel: Jack Kirby (Fantastic Four ...), Moebius (Blueberry, Arzach ...), Hugo Pratt (Corto Maltese), Harvey Kurtzmann (Mad), Richard Corben (Heavy Metal), Drulliet (Salambo), Akira Toriyama (Dragon Ball) ....

CREATE OR DIE: Welche Pläne hast du für die kommenden Jahre? Etwas, das wir wissen sollten?
Gerhard Schlegel: Nächstes Jahr ist ja erstmal wieder das Comicfestival in Erlangen, wo wir dabei sein werden und unsere neuen Comics zeigen. Und 2010 wird es dann wieder in München ein Festival geben, an dem wir jetzt schon langsam herumbasteln.

CREATE OR DIE: Die Münchner Comicszene scheint extrem stark zu sein. Uli Oesterle hat auf dem Comicfestival gleich ein ganzes Hardcover-Buch präsentiert. Es gibt die großartigen Mingamangas von Robert Platzgummer. Wie kommt das? Sind die Münchner besonders witzige Zeitgenossen?
Gerhard Schlegel: Ich denke, in München gibt es viele Illustratoren, von denen viele mit dem Medium Comic sympathisieren. In München gab es einen der ersten und größten Comicshops in Deutschland, um den herum sich dann die Fans geschart haben und schon seit einer Ewigkeit sich auf Stammtischen treffen. Das waren gute Voraussetzungen. Es gibt aber auch noch andere Hochburgen, wie Berlin und Hamburg.

 

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