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9. Juni 2010

"Social" wird auf Dauer im E-Commerce eine Standardfunktion

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/news/055799)

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Als Vorsitzender der Fachgruppe E-Commerce im BVDW beobachtet Achim Himmelreich die neuesten Entwicklungen im Social Commerce sehr genau. Seine These: "Social" wird auf Dauer im E-Commerce eine Standardfunktion.

Achim Himmelreich (Berater bei Mücke, Sturm und Partner) erwartet, dass Social Commerce in zwei Jahren zum Alltag aller wichtigen Onlineshops gehört
Achim Himmelreich (Berater bei Mücke, Sturm und Partner) erwartet, dass Social Commerce in zwei Jahren zum Alltag aller wichtigen Onlineshops gehört

CREATE OR DIE: Herr Himmelreich, einer Ihrer Thesen lautet, wer stehen bleibt, macht einen Rückschritt. Wer muss bei Social Commerce mitmachen und wer nicht?
Achim Himmelreich: Immer mehr werden mitmachen müssen. Die Wahrheit liegt dort, wo sie immer lag: Ich muss da sein, wo meine Kunden sind und wenn meine Kunden sich in sozialen Netzwerken kaufentscheidend informieren, muss ich ihnen folgen. Habe ich eine recht konservative Klientel, brauche ich das noch nicht machen. Aber es werden mit der Zeit immer mehr.

CREATE OR DIE: Würden Sie Plattformen wie Ciao auch als soziales Netzwerk bezeichnen?
Achim Himmelreich: Nein. Das ist schon ziemlich nah an der klassischen Preissuchmaschine. Es handelt sich um einen Anbieter, der Markttransparenz schafft und einige Sozialfunktionen eingebaut hat, wie etwa Kommentarfunktionen.

CREATE OR DIE: Sind denn Usermeinungen und -bewertungen Social Commerce?
Achim Himmelreich: Im engeren Sinne nicht. Es sind einfach soziale Komponenten, die Teile des Prozesses sind, wie der Kunde sich informiert. Wenn wir heute vom Social Web sprechen, haben wir ja eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten im Sinn. Social Commerce ist ein Übergangsbegriff. Die Übergänge sind fließend.

CREATE OR DIE: Muss der Shopbetreiber zu Facebook, Xing und StudiVZ gehen und sich dort breit machen, oder nimmt er soziale Komponenten in seinen eigenen Shop auf und versucht dort eine Community zu installieren?
Achim Himmelreich: Im Prinzip beides. Wenn meine Zielgruppe auf Facebook ist, muss ich dort hin. Ist sie nicht bei Facebook und hat dennoch Austauschbedürfnisse, kann ich ihr das auf meiner eigenen Plattform anbieten. Im Idealfall sind beide miteinander verlinkt.

CREATE OR DIE: Sind die Nutzer heute schon bereit, zum Beispiel ihr Amazon-Passwort einem Widget anzuvertrauen?
Achim Himmelreich: Natürlich wird man da mit Sicherheitsbedenken konfrontiert. Das kann auch keine langfristige Lösung sein.

CREATE OR DIE: Aber genau da liegt doch die Herausforderung: Die Kombination des weniger sensiblen Logins auf Xing mit dem im Onlineshop, hinter dem die Kreditkartennummer steht.
Achim Himmelreich: Das ist die Nische für einen Trusted-ID-Anbieter. Seit einem Jahrzehnt basteln Microsoft und andere schon an dem Konzept herum.

CREATE OR DIE: Wie sieht es aus bei Shops, die explizit auf das Thema Social setzen, wie Stylefruits und Co. Gehen die auf lange Sicht in Facebook auf?
Achim Himmelreich: Nein. Die können in einer sehr spezifischen Nische existieren, dort wo die sozialen Networks das nicht tief genug abdecken. Vielleicht sehen wir auf lange Sicht auch eine Art Kaufhaus von verschiedenen Nischenanbietern, die insgesamt den Nutzern ein umfassendes Angebot unterbreiten.

Trotz der Dynamik von Facebook glaubt Himmelreich daran, dass auch Nischenanbieter wie Stylefruits noch Platz auf dem Markt haben
Trotz der Dynamik von Facebook glaubt Himmelreich daran, dass auch Nischenanbieter wie Stylefruits noch Platz auf dem Markt haben

CREATE OR DIE: Gibt es andere Möglichkeiten der Refinanzierung außer über den Produktverkauf?
Achim Himmelreich: Der orthodoxe Weg ist natürlich der über Werbung. Wenn ich genügend Traffic bekomme, kann ich den durch Werbung monetarisieren. Das ist der Weg, den StudiVZ, Xing und Co. heute schon eingeschlagen haben.

CREATE OR DIE: Werbekostenzuschüsse an Händler könnten also in Zukunft in Form von Bannern in die Communities fließen?
Achim Himmelreich: Ja, natürlich. Aber sehr langsam. Wir müssen die Nutzer erst daran gewöhnen, dass Werbung kommt. Das ist ein Erziehungsprozess.

CREATE OR DIE: Beleuchten wir das Phänomen Shopping Club. Das ist sehr angebotsgetrieben als Stock Clearance. Werden wir hier Engpässe erleben?
Achim Himmelreich: Natürlich, das erleben wir ja jetzt schon. Gerade, wenn mehrere Player im Spiel sind, kann es vorkommen, dass das einzelne Produkt nicht lieferbar ist.

CREATE OR DIE: Tragen dazu auch die Hersteller selbst mit Onlineshops bei?
Achim Himmelreich: Wenn sie sich die Setup-Kosten leisten können, natürlich. Manche machen das auch über eBay-Powershops. Das sehe ich aber eher kritisch, weil es die Marke verwässert. Natürlich hängt das wiederum auch von Größe und Positionierung der Marke ab.

CREATE OR DIE: Sie haben einen guten Marktüberblick. Welche Auswüchse zeitigt das noch junge System Social Commerce bereits heute?
Achim Himmelreich: Missbrauch würde ich das gar nicht nennen. Viele Werbetreibende haben noch nicht verstanden, wie in den sozialen Netzwerken der Ethos ist und haben dort Botschaften platziert, die wie Antiwerbung gewirkt haben. Man muss schon die Kommunikationsregeln dieser Plattformen verstehen und beherzigen.

CREATE OR DIE: Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang die deutsche Agenturlandschaft? Sind die Agenturen gute Ratgeber für die Shopbetreiber?
Achim Himmelreich: Die Platzhirsche lernen am langsamsten. Die kleineren Agenturen haben sich da schneller darauf gestürzt. Aber ich glaube, wir sind nicht schlechter aufgestellt als andere.

CREATE OR DIE: Werden wir nächstes Jahr, sollten wir uns wiedersehen, noch über das Thema Social Commerce diskutieren?
Achim Himmelreich: Vielleicht. In zwei Jahren sicher nicht mehr. Das Soziale wird zum ganz normalen Bestandteil des Commerce beziehungsweise der Geschäftsanbahnung.

CREATE OR DIE: Danke, Achim Himmelreich.

Das Gespräch führte Frank Puscher.

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