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Interviews

28. September 2009

Aus dem Leben des Evangelisten Rufus Deuchler: "In Brasilien war es am Schönsten"

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/news/051513)

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200 Tage im Jahr tourt Rufus Deuchler als Produktprediger für Adobe durch die Welt. Ein Traumjob oder nur stressiges Leben aus dem Koffer? CREATE OR DIE sprach mit Rufus während der Cancom Adobe Master Collection Tour Mitte September in Hamburg.

CREATE OR DIE: Wollen wir das Interview auf Italienisch, Französisch, Englisch oder Deutsch machen?
Rufus Deuchler: Deutsch ist ok, nur kein Schwizerdeutsch, das kann ich nicht.

CREATE OR DIE: Und Kölsch?
Rufus Deuchler: Nein, da war ich ja nur die ersten drei Jahre meines Lebens.

Rufus Deuchler, nach zwei Jahren als Evangelist keine (oder kaum) Ermüdungserscheinungen
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Rufus Deuchler schreibt einen italienischen Blog, beantwortet Tweets auf englisch und französisch und macht Interviews in Deutsch
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CREATE OR DIE: Und jetzt Toskana, warum eigentlich?
Rufus Deuchler: Eigentlich wollte ich Maler werden. 1992 hatte ich die Schnauze voll von Computern und ging ans Studio Art Center nach Florenz, um Kunst zu studieren.

CREATE OR DIE: Und wie ging es dann weiter?
Rufus Deuchler: Irgendwann ging das Geld aus. Ich sagte zu meiner Frau, wir gehen zurück in die Schweiz. Und dann kam plötzlich der Anruf von Adobe.

CREATE OR DIE: Aus heiterem Himmel?
Rufus Deuchler: Na ja, die wollten jemanden, der das Thema Design nach vorne bringt und kamen eben auf mich.

CREATE OR DIE: Und wie wurdest Du schließlich Evangelist?
Rufus Deuchler: Ich habe mich selbst beworben.

CREATE OR DIE: Wie das denn?
Rufus Deuchler: Das muss 2002 gewesen sein. Ich war ganz fasziniert von Illustrator und InDesign und wollte an dieser Entwicklung teilhaben. Ich schrieb Adobe so viele Mails und habe so oft angerufen, bis die mich schließlich zu einem Event nach Amsterdam eingeladen haben. 2007 bekam ich dann ein verlockendes Angebot für eine Festanstellung, und als ich Greg das erzählte, bot er mir den Job meines Lebens an.

CREATE OR DIE: Ist er das wirklich?
Rufus Deuchler: Klar. Ich mache nur das, was mir Spaß macht, kann leben wo ich will, solange ein Flughafen in der Nähe ist, und verdiene nicht schlecht.

CREATE OR DIE: Auch nach zwei Jahren kein Burnout?
Rufus Deuchler: Sehe ich so aus?

CREATE OR DIE: Nicht wirklich. Gehen Dir Greg und Jason manchmal auf die Nerven?
Rufus Deuchler: Noch nie, ehrlich. Jason habe ich fast ein halbes Jahr nicht gesehen. Den habe ich richtig vermisst. Greg sagte mir ganz am Anfang, dass man sich bei dieser intensiven Zusammenarbeit niemals auf Dauer verstellen kann. Jeder ist einfach so wie er ist, und so funktioniert es.

CREATE OR DIE: Hast Du eigentlich Gelegenheit von den Städten, die du besucht, etwas zu sehen?
Rufus Deuchler: Nicht wirklich.

CREATE OR DIE: Wo hat es Dir auf der diesjährigen Tour am besten gefallen?
Rufus Deuchler: Die Massen in Korea sind atemberaubend. Da sprichst Du vor 3000 Leuten und hinterher stehen die eine Stunde in der Schlange, um ein Foto mit Dir zu bekommen.
Der schönste Trip im letzten halben Jahr aber ging nach Brasilien, genauer nach Rio. Ich hatte einen brechend vollen Terminkalender von sieben bis 22 Uhr. Die Organisatoren haben aber immer Pausen eingestreut, mich in ein Taxi gesetzt und mal zum Zuckerhut, mal zum Corcovado (Jesus-Statue) gefahren. Das war großartig.

CREATE OR DIE: Wie steht's mit dem Essen? Bist Du mehr der konservative Typ und freust Dich darüber, dass es in den großen Hotels verlässlich Wiener Schnitzel oder Ceasars Salad gibt, oder probierst Du mal was aus?
Rufus Deuchler: Nee, ich probiere auch mal etwas aus. Allerdings ist es doch schön, dass die Hotels einen gewissen Standard haben. Man will keine wirklich großen Überraschungen erleben.

CREATE OR DIE: Was gab es gestern Abend zu essen?
Rufus Deuchler: Hmm, Wiener Schnitzel. Aber hey, das war eine Ausnahme. Wir waren in München am Flughafen. Normalerweise essen wir in Bayern Würstchen mit Sauerkraut.

CREATE OR DIE: Letzte Woche warst Du noch in San Francisco. Was sagt Dein Körper. Probleme mit Jetlag oder Schlaflosigkeit?
Rufus Deuchler: Nein, gar nicht. Ich habe da auch keine Tricks. Ich bleibe einfach so lange wach, bis nach der Local Time Schlafenszeit ist, und gehe dann ins Bett. Ich bin kein sonderlich stressgeplagter Mensch, vielleicht ist das ein Grund. Und wenn ich nachts aufwache, drehe ich mich einfach auf die andere Seite und schlafe wieder ein. Es fällt mir nicht im Traum ein, dann zum Beispiel einen Rechner oder ein Buch in die Hand zu nehmen.

CREATE OR DIE: Kommen wir zum beruflichen Teil. Wann hast Du das letzte Mal etwas gemalt?
Rufus Deuchler: Das ist eine Ewigkeit her. Aber Zeichnen tue ich ständig. Ich mache andauernd Skizzen. Außerdem habe ich die Möglichkeit, bei unseren Shows kreatives Material zu erzeugen.

In der aktuellen Version kann Catalyst auch Videos importieren
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Browserlab hilft Webdesignern beim Erstellen von Websites, die auf allen Plattformen gut aussehen
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CREATE OR DIE: Gibt’s noch kreative Projekte nebenher?
Rufus Deuchler: Ja, meine Kinder.

CREATE OR DIE: Du hast die CS4-Produkte inzwischen intensiv unter die Lupe genommen. Wo liegen die Schwachstellen bei InDesign und Illustrator?
Rufus Deuchler: Von Schwachstellen würde ich nicht sprechen, das ist ständig Work in Progress. Ich würde mir für die nächste Version von Illustrator noch mehr natürliche Zeichenwerkzeuge wünschen, mit denen ich mit dem Wacom-Tablett arbeiten kann. Und bei InDesign fehlen Strukturraster, die es einem erlauben, eine Handvoll Fotos zu importieren und mit einem einzigen Mausklick zum Beispiel in Zeilen oder Spalten zu arrangieren. Außerdem ist der Flash-Output noch nicht gut. Die Dateien sind viel zu groß. Von der Idee "Create once, publish many" sind wir noch recht weit entfernt.

CREATE OR DIE: InDesign kann nicht wirklich gut mit Adressdatenbanken umgehen.
Rufus Deuchler: Doch, aber dafür brauchst Du ein Plug-in. Ich glaube, für solche Anwendungen wie Kataloge ist die Zielgruppe zu gering, um das fest in InDesign einzubauen. Adobe kann ja nicht alles für alle Zielgruppen machen.

CREATE OR DIE: Du bist der Cross-Media-Spezialist im Haus. Was hältst Du von der Entwicklung von Catalyst?
Rufus Deuchler: Zunächst einmal müsst Ihr wissen, das Catalyst heute schon ganz anders aussieht als die Betaversion, die in den Labs steht. Inzwischen ist zum Beispiel die Integration von Video möglich. Das halte ich für einen wichtigen Schritt. Ansonsten geht es uns mit Catalyst darum, die Designer näher an die Flash-Technik heranzubringen.
Wie ist es denn bisher: Ein Designer macht Flash auf, versucht einen Ball zu animieren, scheitert und wird das nie mehr anfassen. Der Ansatz von Catalyst ist deutlich intuitiver, und durch das XFL-Format erzeugen wir am Ende Daten, die der Programmierer ganz leicht mit Funktionen anreichern kann.

CREATE OR DIE: Glaubst Du wirklich, dass sich der Designer im Team die Mühe macht, einen skizzierten Scrollbalken in Catalyst in einen funktionierenden umzuwandeln?
Rufus Deuchler: Wer das macht, ist völlig egal. Catalyst ist ein Schnittstellenwerkzeug im Workflow. Und in den Teams, in denen es diese Schnittstellen noch nicht gibt, entstehen sie jetzt vielleicht.

CREATE OR DIE: Flash kann immer noch keine PDFs importieren, aber der Onlinedienst Share kann PDFs in blätterbare Flash-Magazine umwandeln. Steckt Adobe in einer Art Onlinefalle?
Rufus Deuchler: Nein, das glaube ich nicht. Das wir mehr online gehen müssen, ist Realität. Ich glaube aber nicht, dass die großen Offlinetools im Browser funktionieren. Dafür ist die DSL-Infrastruktur nicht gut genug, vor allem nicht in Osteuropa.
Es gibt aber viel Platz für Erweiterungen der Tools. Einiges davon kommt eher aus dem Enterprise-Sektor, wie zum Beispiel die Browserlabs. Acrobat.com ist unser wichtigstes Serviceangebot. Mit Software as a Service betreten wir für Adobe Neuland.

CREATE OR DIE: Welche Entwicklung findest Du in diesem Bereich spannend?
Rufus Deuchler: Ich finde alle Kollaborationswerkzeuge spannend, die sich in den Arbeitsablauf integrieren. Ich habe zwar nicht mehr direkt mit Kunden zu tun, aber ich würde es lieben, mit einem Kunden über Acrobat Connect den Bildschirm zu teilen. Das ist doch viel angenehmer, als den Kunden im eigenen Büro im Nacken zu haben. Vor allem muss man nicht vor dem Termin aufräumen.

CREATE OR DIE: Ich weiß, dass die Info ganz frisch ist, aber könntest Du den Deal mit Omniture kommentieren?
Rufus Deuchler: Wir haben davon auch gestern aus der Presse erfahren. Aber die Frage: "Was machen die User mit meinen Sachen?" wird uns von den Kunden, die Onlinewerbemittel erzeugen, häufig gestellt. Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir Tracking Code direkt aus den Tools heraus in die Webseiten oder Flash Files einbinden können. Das schafft eine direkte Verbindung zu weiteren Onlineservices, die Adobe dem Kunden verkaufen kann. Schließlich will auch Adobe Geld verdienen.

CREATE OR DIE: Rufus, danke für die Zeit, die Du Dir genommen hast.

Das Interview führte Frank Puscher

Felix Schrader

Kommentare
Gravatar Ein interessierter Leser 17.11.2009
um 23:16 Uhr
Im Lichte der heutigen Twitter-Nachricht von Rufus ('http://twitter.com/rufusd : No longer with Adobe. No bitterness, just infinite sorrow...') bekommt dieses Interview eine andere Perspektive. Was passierte in den zwei Monaten dazwischen? #zitieren
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