25. September 2009
Bekenntnisse einer Blenderin
Ja, ich habe gesündigt. Ich benutze Microsoft Expression Blend. Und ich tue es gerne! Nein, ich gehe noch weiter: Ich bin konvertiert und nenne mich mit Stolz Blenderin.
Unter Designern ist das nicht gerne gehört. Das "Pfu"“ und "Bah" steht ihnen in die Augen geschrieben. Wer sich von Flash abwendet, gehört mit Pixeln gesteinigt. Ich war jedoch lange in der Flash-Welt zu Hause und bilde mir ein, Unterschiede zu sehen und beurteilen zu können – auch wenn ich bei CS3 irgendwann ausgestiegen bin. Möglich, dass ich durch meine Konvertierung viel verpasst habe, alle die Neuerungen in CS4. Gab es welche?
Microsoft treibt die Entwicklung von Blend in großen Schritten voran. Vor drei Jahren gestartet, hat man in vielen Punkten die Flash-Entwicklung aus zehn Jahren überholt. Sicherlich ergänzt Adobe Flash immer wieder mit lustigen Detailfeatures, Major Bugs aber werden seit mindestens fünf Jahren mitgeschleppt. Ist aber nicht mehr mein Problem … Mit dem Wechsel zu Blend ist technisch gesehen alles, worüber ich mich lange Jahre als Flasherin geärgert habe, nun überwunden. Idiotisches Keyframe-Geschubse zum Beispiel. Ich habe endlich volle Kontrolle über jeden Vektor, den ich anlege. CI-relevantes kann ich erheblich komfortabler und strukturierter einbinden und somit ein erfreulich effektiveres Umskinnen von Applikationen ermöglichen.
Blend, eine neue Liga beim Designen
Mit Blend bewege ich mich in einer anderen Liga des Designens. Es geht nicht mehr nur um schöne Animationen und nette Webspielchen. Ich bin in der Liga des Softwaredesigns angekommen. Theoretisch geht so etwas auch mit Flash – aber eher theoretisch denn praktisch. Die Logik hinter Blend ist an die Softwareentwicklungswelt des .NET-Bereichs angelehnt, in der mir erheblich mehr zur Verfügung stehen als Buttons und Movieclips. Jede einzelne Komponente, die ich für professionelle Anwendungen benötige, bekomme ich auch geliefert und kann mit ihr als Designer spielen. Manches könnte man als Einschränkung empfinden, ich aber sehe darin eine größere Freiheit. Diese Tools erlauben es mir, die Welt der farblosen Softwareapplikationen bunt zu gestalten. Klar haben die Flasher sich auch darin versucht, Software zu entwickeln, mit professionell erstellten Applikationen hat das aber nicht viel zu tun. Und es wirkt alles irgendwie überladen mit dem ganzen RIA-Geballer. Die durchaus professionellen Ergebnisse der.NET-Welt ergehen sich dagegen zumeist in lebendigem Steingrau.
Ein nicht totzukriegendes Argument aus Designermündern: "Mit Flash kann man viel schönere Sachen machen." Jenen sei gesagt, so ziemlich alles, was mit Flash geht, geht auch in Blend. Gutes Design entsteht mit Sicherheit nicht durch die Tools, mit denen man es erstellt. Kennt man sich mit den Tools und der Materie aus, kann man das Gleiche aus Blend wie aus Flash herausholen – mindestens.
In jedem Flasher steckt ein Blender
Um zu guter Letzt noch einen draufzusetzen: Vielleicht bin ich in diesem Punkt bereits verblendet, doch der von Microsft gebotene Service ist im Vergleich zum Service, den ich vorher gewöhnt war, extrem gut – besonders gilt das auch für Freelancer oder Startups. Nebst kostengünstigen Paketen gibt es eine Menge persönlicher Betreuung. Da ich nun also derart verwöhnt bin, gebe ich mich ungern mit weniger zufrieden.
Nach derart missionarischem Eifer sei mir noch eine ökumenische Anmerkung zur Versöhnung der Glaubensgemeinschaften gestattet: Eigentlich steckt in jedem Flasher auch ein Blender. Beide machen Rich-Internet-Applikationen. Für mich sind die Tools inhaltlich verflixt ähnlich, haben beide ein paar Vor- und Nachteile, sodass das eine sinnvoller für die eine und das andere sinnvoller für die andere Sache ist. Es gilt je nach Einsatzgebiet abzuwägen. Genial allerdings, wenn man beides kann und aus beidem lernt. Im Grunde sind sich Flash und Blend inhaltlich so ähnlich, dass ein erfahrener Flasher durchaus ein guter Blender werden kann. Die Lernkurve in Blend ist nur höher. Wenn man sich also ran traut, dann geht was. Der einzige Haken ist das Label "Microsoft", das für viele Flasher an Designblasphemie grenzt. Microsoft steht bei Designern eben nicht für "stylisch und sexy".
Ab dieser Position kann nun mit Pixeldreck und Fertigtypo aus Tütentools geworfen werden.
Peggy Reuter war bis vor kurzem noch festangestellte Interactive Designerin innerhalb des WPF-Teams einer Flash-Agentur – erst als Flasherin, dann als Blenderin. Sie hat sich frisch von Flash befreit und arbeitet nun als freie Interactive Designerin für die .NET-Welt, um nicht zu sagen als freie Blenderin.
Felix Schrader
Als Softwareentwickler (C#) bin ich natürlich etwas "geblendet" aber das Tool alleine macht es ganz sicher nicht. #zitieren
Ihr Deutschen seid leider so infantil, partiell ungebildet und aus Angst vor Hartz IV würdet ihr auch eure eigene Mutter diffamieren. Armes Deutschland, wie irrelevant ist die Fragestellung nach einem Designwerkzeug im Kontext des täglichen Sozialabbaus.
Vielleicht ist es unsere partielle Unbildung die uns dazu zwingt, solche Dinge nicht in einem Designerblog/einer Designerzeitschrift zu diskutieren sondern tatsächlich Designwerkzeuge...
2topic: Man kann über die Windows Betriebssysteme sagen was man will, die Entwickler- und Designtools die Microsoft in den letzten Jahren veröffentlicht hat sind nicht von schlechten Eltern #zitieren

























