5. Oktober 2009
Retype C – QWERTZ mal anders
Motiviert durch den Erfolg des iPhones findet man in letzter Zeit immer mehr Smartphones, die keine Hardwaretastatur haben. Statt dessen erscheint bei Bedarf eine virtuelle Tastatur auf dem Bildschirm des Geräts.
Tippt man englischen Text, funktioniert das ganz gut. Die inkonsistenten Schreibregeln dieser Sprache führen dazu, dass die automatische Korrektur auch dann das richtige Wort findet, wenn man ein paar Buchstaben nicht genau getroffen hat. Obwohl zwischen "aloud" und "allowed" in der Aussprache kein Unterschied besteht, werden diese zwei Wörter ganz verschieden geschrieben – das Smartphone erkennt eindeutig, welches Wort gemeint ist.
In der deutschen Sprache funktioniert das nicht ganz so einfach. Die konsistenten Schreibregeln stellen sicher, dass viele Wörter ähnlich geschrieben werden. Haut man zwei mal leicht neben die Tasten, so wird aus einem "Fels" plötzlich "Geld". Ein Smartphone ist auch nicht smart genug, um Umlaute selbst zu setzen. Es weiß nicht, ob man nun von "Dr. Hauser" oder vom "Dach der Häuser" spricht, daher muss man beim Umlaut kurz anhalten und das "ä" über ein Pop-up-Menü auswählen.
Noch schlimmer ist das Ganze für Schweizer. Für die informelle Kommunikation wird oft der lokale Dialekt verwendet, vor allem in E-Mails und SMS. Da es für Schweizerdeutsch keine Rechtschreibregeln gibt, gibt es auch keine Autokorrektur. Auf einer virtuellen Tastatur muss man demnach ganz schön vorsichtig Tippen, um ja alle Buchstaben richtig zu erwischen.
Alternative Tastaturlayouts
Ein Vorteil von virtuellen Tastaturen ist, dass sie nicht fix sind. Weshalb also nicht ein ganz anderes Layout verwenden? Ein Beispiel für ein solches Layout ist Retype C. Retype C verwendet nicht das traditionelle QWERTZ-Layout. Statt dessen sind die in der deutschen Sprache häufig verwendeten Buchstaben auf einer horizontalen Linie angeordnet &ndsh; weniger häufig verwendete Buchstaben findet man oberhalb oder unterhalb dieser Linie.
Besonders interessant sind die Umlaute. Da sie in der deutschen Sprache gebräuchlicher sind als Buchstaben wie X oder Y, sind sie hier nicht in einem Pop-up-Menü versteckt, sondern direkt auf der Tastatur sichtbar.
Die Buchstaben in der mittleren Reihe aktiviert man durch tippen – die Buchstaben unter- oder oberhalb dieser Buchstaben wählt man durch eine kleine Geste aus. Dadurch braucht das Keyboard deutlich weniger Platz als ein normales Keyboard, besonders wenn das Gerät horizontal gehalten wird.
Retype C verwendet keine Autokorrektur. Dadurch können auch Sprachen eingegeben werden, zu denen kein Wörterbuch vorliegt. Während der Benutzer tippt, erscheinen die getippten Buchstaben direkt über dem Keyboard. So kann der Benutzer den Fokus auf dem Keyboard lassen und sieht trotzdem, ob die richtigen Wörter erscheinen.
Aus historischer Sicht waren Tastaturlayouts, die nicht dem herkömmlichen QWERTZ-Layout entsprechen, nie erfolgreich. Retype C verwendet sogar gleich zwei verschiedene (wenn auch sehr ähnliche) nicht herkömmliche Layouts.
Da die herkömmlichen Layouts für gewisse Sprachen schlecht funktionieren, besteht dennoch die Möglichkeit, dass ein Layout wie Retype C wenigstens ein einem Nischenmarkt wie der Schweiz Erfolg haben könnte. Jeremy Stucki, einer der Entwickler dieses Layouts, meint, dass die Benutzerakzeptanz in Tests hoch war, und dass das Layout innerhalb kurzer Zeit gelernt werden kann.
Allerdings ist Retype C leider nicht mehr in aktiver Entwicklung.
Lukas Mathis arbeitet als Software Engineer und User Interface Designer für ein Schweizer Software Unternehmen an Workflow Management Software. Mathis blogt unter ignorethecode



































