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14. August 2009

Typo-Kolumne: Platz frei für WebOTF

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Webfonts – übliche Formate

Um Schriften jenseits der bekannten websicheren Fonts im Netz nutzen zu können, bieten sich zunächst einmal zwei Formate an: Unsere Lieblingsbrowser Firefox, Safari, Opera und Chrome können bereits OpenType-Schriften (.otf) anzeigen, siehe etwa das Beispiel von typotheque.com. Allein Microsoft sperrt sich gegen OpenType – schließlich haben sie mit dem Embedded OpenType (.eot) ein eigenes Format am Start. Dementsprechend ist .eot das einzige Format, das der Internet Explorer akzeptiert.

Prinzipiell müssten sich die Beteiligten wegen mir noch nicht einmal auf ein einzelnes Format einigen. Ich hätte nichts dagegen, für die Mehrheit der Browser OpenType zu verwenden und den Internet Explorer mit der Extrawurst .eot zu füttern. Solange ich bei den Foundries ein Web-Schriftenpaket kaufen kann, das gleich beide Formate enthält. Und am liebsten auch in einer Form, die die Schrift in beiden Formaten möglichst gleich darstellt. Auf Feinheiten wie z. B. Ligaturen, die etwa der Firefox schon seit Version 3 anzeigt, würde ich beim Internet Explorer ja sogar verzichten.

WebOTF – die clevere Alternative?

Statt sich zwischen Format A und B entscheiden zu müssen, könnten wir aber auch auf Format C setzen: Anfang Juli haben Tal Lemming und Erik van Blokland ihr eigenes Format .webfonts vorgeschlagen. Jonathan Kew gesellte sich zu den beiden und die drei verschmolzen den .webfont-Vorschlag mit dem ZOT-Fomat. In der letzten Woche haben sie ihren Vorschlag für das Format WebOTF (.webotf) veröffentlicht. Dahinter verbirgt sich – in Kurzform – das OpenType-Format, bei dem die Schrifttabellen noch einmal komprimiert werden und weitere (Meta-)Daten hinzukommen können.

Nun stellt sich die berechtigte Frage: Muss uns das kümmern? Proposals können noch so clever sein, es nützt uns nichts, wenn sie keine Chance haben, umgesetzt zu werden. In diesem Fall gibt es viele prominente Fürsprecher: Typegirl listet eine Menge Foundries und Schriftentwerfer auf, die den Vorschlag unterstützen. Jonathan Kew ist Senior Software Engineer bei der Mozilla Corporation, sodass sich auch gleich zumindest ein Browserhersteller für das Format einsetzen könnte. Eine experimentelle Firefox-Version, die sowohl WebOTF als auch EOT Light (auf das ich hier nicht weiter eingehe) unterstützt, ist bereits online.

Ein Blick auf die Vorzüge

Es lohnt sich ein genauerer Blick auf die Daten, die in solch ein Format einfließen. Natürlich werden primär die Informationen zur Darstellung der Zeichen benötigt. Die OpenType-Tabellen im .webotf enthalten erst einmal die ganz normalen Tabellen des eigentlichen .otf, können aber zusätzlich komprimiert werden. Es wäre möglich, dass ein User Agent – beispielsweise ein Handy – zunächst nur den Header des .webotf lädt, daraus abliest, welche Tabellen es benötigt, lediglich diese herunterlädt und entpackt. Das ist immer dann interessant, wenn man Ladezeiten und Datentransfer gering halten möchte.

Das File enthält aber zusätzlich einen Block für Metadaten und einen für private Daten. Der Private Data Block kann irgendetwas enthalten, das nur für den Hersteller der Schrift relevant ist und vielleicht in dessen eigenen Anwendungen verwendet wird. Andere User Agents werden diese Infos ignorieren.

Der Metadata-Block hat ebenfalls keinen Einfluss auf die Darstellung der Schrift, darf aber optional weitere Informationen über die Schrift enthalten. Wenn der WEBOTF-Prozessor diesen Block auswertet, kann er die Infos an den Benutzer weitergeben. Das Beispiel im Anhang des Vorschlags listet etwa die Schriftschmiede, deren Website, einzelne Designer einer Schrift oder Hintergrundinfos zur Schrift auf, also etwa: Wie ist die Schrift entstanden? Wofür ist sie am besten geeignet?

Gerade diese zusätzlichen Infos finde ich äußerst charmant. Wie oft habe ich schon in Zeitschriften das Impressum gesucht, in der vagen Hoffnung, dass die verwendeten Fonts dort vielleicht aufgelistet werden. Das ist freilich sehr selten der Fall. Es wäre schon klasse, wenn mir Browser detaillierte Infos über eine Schrift per Knopfdruck liefern könnten.

Allerdings frage ich mich, was aus dem <allow>-Element aus dem ersten .webfont Proposal geworden ist. Danach sollten in diesem Element jene URLs aufgelistet werden, die den Font benutzen dürfen. Der Meta-URL »any« hätte angezeigt, dass der Font überalls im Web genutzt werden darf. Ein Browser könnte dann – wie auch immer das genau aussehen würde – einen Hinweis anzeigen, falls der Font auf einer Domain genutzt würde, für die er nicht bestimmt ist. Natürlich wäre es vermutlich nicht besonders schwierig, diese XML-Daten zu editieren, um einfach einen anderen URL hineinzuschreiben. Aber es hätte vielleicht verhindert, dass Weblaien wild Fonts klauen.

WebOTF: Die Richtung stimmt!

In jedem Fall ist es ein sehr interessanter Entwurf, gerade weil so viele Foundries und bekannte Schriftentwerfer dahinter stehen. Es liegt in der Natur eines Entwurfs, dass noch viel diskutiert werden wird: Über die genaue Form der Kompression, die Formate für die Metadaten oder ob innerhalb eines WebOTFs wirklich nur OpenType erlaubt sein wird. In jedem Fall geht der Entwurf schon in eine deutlich nützlichere Richtung, als sich zwischen OpenType und/oder Embedded OpenType entscheiden zu müssen. Von all den anderen verwirrenden Web-Type-Entwicklungen und -Techniken mal ganz abgesehen.

Nicolai Schwarz arbeitet als selbstständiger Designer und Webentwickler in Dortmund. Hauptsächlich beschäftigt er sich dabei mit Drupal-Projekten. In seiner Freizeit ist er als Redakteur und Autor beim Pisto-Magazin und bei den Webkrauts tätig.

 

Reimar Winkler

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