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5. Februar 2008

"Silverlight ist wunderbar, weil Adobe endlich Druck bekommt": Joa Ebert im Gespräch

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/news/041155)

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Köln, Mediapark – es ist winterlich kalt, und in wenigen Minuten treffe ich Joa Ebert, frisch aus Paris emigrierten Neu-Kölner, zum Gespräch. Im Gegensatz zu manch anderem Entwickler ist es schwer, Joas Facettenreichtum in einem Satz auf den Punkt zu bringen. Egal, ob es nun um kreative Filter, solide Tools oder Cutting-Edge-Projekte wie beispielsweise WII Flash geht – in fast allen Bereichen fällt früher oder später sein Name. Mal sehen, was jemanden antreibt, der schon mit 17 Jahren begann, Mathematik zu studieren.

CREATE OR DIE: Bielefeld, Paris und jetzt aktuell Köln – was verschlägt Dich an den Rhein?
Joa Ebert: In Köln bin ich gut aufgehoben. Paris war ein Jahr mit vielen wichtigen Erfahrungen für mich. Bei dem Aufbruch nach Köln haben persönliche Beweggründe die Hauptrolle gespielt.

CREATE OR DIE: Ein Wort zu der Vielzahl Deiner Projekte: Du bist zu einem Teil Wii-Flash, zum anderen PopForge, entwickelst aktuell ein "AS3 Inline Assembler Tool" und zerhackst nebenbei noch Hydra für die kommende FITC Amsterdam 2008 – so viel Energie auf breitem Spektrum, wofür schlägt Dein Herz?
Joa Ebert: Generell für das Entwickeln von Bausteinen und APIs. Reizvoller Gedanke, dass wiederum eine breite Masse an Anwendern mit diesen Entwicklungen dann weiterarbeiten kann und Abläufe innerhalb bestehender Applikationen und Projekte so verbessert und verfeinert werden.
Mein Interesse gilt darüber hinaus dem Arbeiten mit BitmapData. Filter, Bildmanipulationen, visuelles Futter, kleinere Demos,die eben auf ihre Weise einen fast künstlerischen Charme besitzen – ohne den Anspruch in Richtung Kunst zu haben.

CREATE OR DIE: "Inspirationsquellen"
Joa Ebert: In Sachen Flash hat mich bis heute immer André Michelle inspiriert. Klar, ich schaue mir auch Output anderer Flasher an, sofern diese mich denn interessieren. Seit ich Flash kenne, war aber immer schon André für mich Quelle und Ansporn. Viele andere interessante Persönlichkeiten wie Mario Klingemann habe ich leider erst im Laufe der Zeit richtig kennen und schätzen gelernt.

"Websites bauen ist für mich nicht interessant.
Vor allem kann man sich dort überhaupt nicht austoben"

CREATE OR DIE: Alle Deine Entwicklungen sind meistens Cutting Edge. Sieht Dein Alltag auch mal eine schnöde Flash-Microsite oder gar ein Banner vor?
Joa Ebert: Nein. Das ist auch überhaupt nicht meine Richtung und wird auch zukünftig nicht mein Fokus sein. Wenn man etwas mit viel Hingebung betreibt, dann muss es einen mitreißen. Websites bauen ist für mich nicht interessant. Vor allem kann man sich dort überhaupt nicht austoben. Es begeistert mich nicht, wobei andere Leute dort sicherlich im Rahmen der Kommunikation mit dem User ein ganz anderes Potential und Interesse sehen.

CREATE OR DIE: Die perfekte Applikation in Deinen Augen – was reizt Dich?
Joa Ebert: Mich reizt selbstverständlich eine Applikation, die mir oder anderen Personen etwas gibt. Es muss interessant sein und Spaß machen, diese Applikation zu erkunden. Auch ein gesellschaftlicher Ansporn darf dabei nicht zu kurz kommen. Man kann Künstler in ihrem Schaffen unterstützen und so beispielsweise auch kulturell etwas beitragen. Die derzeit für mich interessanteste Applikation ist Photoshop. Nicht nur, weil mich Bildverarbeitung interessiert, sondern auch, weil eine Applikation wie Photohop einfach etwas bewegt hat. Steht eigentlich schon "that´s photoshopped" im Oxford English Dictionary?

CREATE OR DIE: Was denkst Du über Silverlight?
Joa Ebert:
Silverlight kann sicherlich seine Berechtigung bekommen, wenn denn die Verbreitung des Plug-ins das hergibt. Silverlight ist aber derzeit noch lange nicht dort, wo Flash nach aktuellem Entwicklungsstand schon ist. Noch dazu hat man auf eine Vielzahl an Features in Flash so lange warten müssen, dass nun, wo diese endlich zur Verfügung stehen, Silverlight für mich noch in den Kinderschuhen steckt.
Sollte Microsoft es aber schaffen, eine ordentliche oder gar bessere Alternative zu schaffen, würde ich sofort umsatteln. Ich habe keine "persönliche Bindung" zu Flash. Und daher sehe ich Silverlight als etwas Wunderbares an, weil Adobe endlich mal Druck bekommt.

CREATE OR DIE: "Thermo", "Astro", "Hydra"... die Zukunft von Flash aus Deiner Sicht?
Joa Ebert: Schwer zu sagen, womit uns Adobe als nächstes überrascht – wenn nicht gerade mit Bugs, wie im letzten Minor Update. Bei manchen kommenden Features, wie beispielsweise typisierten Arrays, fragt man sich: "Das hätte man schon viel eher haben können, warum also erst jetzt?" Aber dann schüttelt Adobe quasi von jetzt auf gleich so ein Release wie Hydra aus dem Ärmel und ganz neue spannende Verknüpfungen werden möglich.
Wo das alles hingeht, ist kaum vorauszusagen, vielleicht könnten irgendwann auch die schon für Director verfügbaren Havok-Physics zur Verfügung stehen, aber das ist natürlich alles schwer vorauszusagen. Überraschend und vielversprechend ist die Möglichkeit, in naher Zukunft unter Flash10 C- bzw. C++ Code in ActionScript3 umzuwandeln – das wird selbstverständlich eine Menge mehr Ansätze freisetzen als bislang.

CREATE OR DIE: Mit Adobe Air hattest Du Dich auch schon beschäftigt, nicht auf den Geschmack gekommen?
Joa Ebert: Adobe Air reißt mich persönlich nun nicht so sehr mit. Sicher, Adobe Air wird crossplattformfähig sein, aber je nachdem, wie man es anstellt, kann man beispielsweise in C oder Java auch plattformunabhängige Anwendungen schreiben. Nur um, platt gesagt, Dateien in das Filesystem zu schreiben und auszulesen, oder auch mal eine MP3-Station zu bauen, finde ich das Ganze nicht so spannend.

"Anfänglich hatte ich Flash irrtümlich für ein reines Animationsprogramm
für Comic- und Illustrationsumsetzungen gehalten"

CREATE OR DIE: Rückblick: Wie bist Du zu Flash gekommen?
Joa Ebert: Anfänglich hatte ich Flash irrtümlich für ein reines Animationsprogramm für Comic- und Illustrationsumsetzungen gehalten, welches damals über die gängigen "GFX"-Foren gehyped wurde. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt mehr mit PHP oder CSS gemacht, bis ich dann einen Blick auf Flash geworfen habe.

CREATE OR DIE: Ausblick: In zehn Jahren, hast Du da immer noch Flash im Fokus?
Joa Ebert: Schwere Frage. Eigentlich könnte ich mir auch sehr gut vorstellen, etwas komplett anderem als Programmierung nachzugehen, etwa Medizin oder Wirtschaft zu studieren und Flash ganz den Rücken zuzukehren. Andererseits sehe ich nicht, dass ich mal die Finger von Computern und Programmierung lassen kann. Es ist einfach zu schön, wenn man auf einmal wieder eine verrückte Idee zum Laufen bekommt.

CREATE OR DIE: Und wenn Du mal nicht programmierst – es gibt doch ein Danach?"
Joa Ebert: Wie bei jedem anderen Menschen auch: mal mehr und mal weniger. Jetzt in Köln habe ich aber selbstverständlich wieder mehr Zeit. Viele meiner Freunde wohnen glücklicherweise auch nicht allzu weit weg. Allerdings hat man manchmal einfach noch so viel im Kopf herumfliegen, dass es einem schwerfällt, abzuschalten.

Das Gespräch führte Frank Reitberger (www.anymotion.de)

Felix Schrader

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