6. Dezember 2010
Apple – Wem nützt der Mac App Store?
Apps sind das Erfolgskonzept hinter iPod, iPhone und iPad. Was spricht also dagegen, die Apps auch auf den Desktop zu holen? Gar nichts, theoretisch, denn unlängst offenbarte Apple zeitgleich mit der Vorstellung der neuesten MacBook Air und den Plänen für Mac OS X Lion auch die Absicht, einen App Store für den Mac an den Start zu bringen. Neuesten Gerüchten zufolge könnte es bereits in einer Woche soweit sein. Das will AppleTell aus zuverlässigen Quellen erfahren haben.
An inside source has just told us that Apple is targeting a Monday, December 13th launch of the Mac App Store. The company apparently told developers to have their software prepared for a launch as early as Monday the 6th of this month, but our contact would be shocked if that happened at this point. Apple has made no official announcements regarding this, and delays could always happen, but there’s a push to be launched before Christmas, well ahead of the previously estimated January release. Guess from where this push has come.
Der Mac App Store – ob er nun am Montag kommt oder nicht – ist ein Konzept mit weitreichenden Folgen. Es steht weitestgehend für ein Versagen des Modells Open Source und für die forschreitende Fragmentierung des Web. Mac Apps würden dasselbe Konzept auf den Rechner übertragen, das bereits für iPad, iPhone und iPod Touch wunderbar funktioniert: Entwickler können ihre Software auf den Mac bringen und nutzen eine Infrastruktur, die die üblichen Monetarisierungs-Optionen offen lässt. Dazu zählen In-App-Purchase, Freemium oder Bezahlapps.
Im selben Zuge würde Apple die Kontrolle über Software Dritter zunehmend verstärken. Ähnlich, wie bei der Software für die mobilen Devices, kann sich der Apfel-Konzern mit 30 Prozent am Umsatz beteiligen lassen und mittels einem App Review Team rigide bestimmen, welche Apps auf den Mac kommen und welche nicht. Vergangene Woche berichteten wir darüber, dass man zudem plane, auf optische Laufwerke bei Macs komplett zu verzichten. Unser aufmerksamer "Kommentator der Woche", Trepper, wähnte bereits in diesem Schritt Anzeichen dafür, "den Softwarevertrieb noch stärker auf den Vertriebskanal Apple zu lenken" und Hersteller wie Adobe würden Gefahr laufen, "irgendwann 30% seines Umsatzes im AppStore von Apple zu lassen".
Wenn die Prognose von AppleTell zutrifft, die Informanten recht haben und der Apple Mac App Store am kommenden Montag online geht, so ergibt sich daraus allerdings noch eine weitere, nicht weniger bedeutende Schlussfolgerung. Denn, wie MacRumors Eins und Eins zusammenzählt, wäre auch das Release von Mac OS X 10.6.6 an den Mac App Store gekoppelt: "Such an early launch would be well ahead of schedule. Apple had announced on October 20th that the Mac App Store would open in "90 days", which gave it a target date of late January 2011." Doch kann man sich darüber freuen?
Um noch ein wenig Salz in die Wunden zu streuen, die diese dunklen Prognosen bei Entwicklern und Software-Herstellern hinterlassen, sei noch eine andere Überlegung ins Spiel gebracht, die manch einer für "plakativ" und "plump" hält. Stirbt das Web vielleicht wirklich? Sicherlich mag Wired mit seinen Thesen zum bevorstehenden Tod des Web danebengegriffen haben und in erster Linie provoziert haben wollen. Auch über Fehlinterpretationen gewisser Statistiken, die weiten Teilen der Argumentation zugrunde liegen, mag gestritten werden. Doch das Argument, Apps kapseln den User vom freien und offenen Web ab, scheint dennoch schlüssig. Ein Mac App Store ist der erste Schritt weg von freier Software und vom offenen Web. Auf iPhone, iPod und iPad laufen ausschließlich proprietäre Anwendungen – der Desktop, als ältester der drei Screens, blieb bislang von derartigen Zwängen verschont.
Natürlich werden die optischen Laufwerke so schnell nicht aussterben und selbstverständlich wird es Produkte wie die Creative Suite von Adobe nicht von heute auf morgen als App zum Download geben. Aber derartige Änderungen leiten dennoch gewisse Verhaltensmuster ein, die in ferner Zukunft Usus sein könnten. Beim iPhone gibt es rund 70 Prozent aller Apps für umme &nash; beim iPad verhält es sich genau anders herum. Welchen Weg werden die Mac Apps einschlagen?
Jürgen Telkmann
Jede Art von Software, die gleichermaßen auf Windows und Mac OS existiert würde damit z.B. auf einem Schlag doppelte Entwicklungsressourcen verschlingen... #zitieren

























