
28. Januar 2010
Apple iPad: Geniale Enttäuschung?!
Ob der 27. Januar 2010 ein historischer Tag war, das wird sich erst noch zeigen müssen. Fest steht, Apple hat sein lang ersehntes Tablet vorgestellt und mit dem iPad genannten Gerät die Erwartungen vieler Experten erfüllt. Warum also beklagen sich alle? Das iPad, ein "revolutionäres Gerät für das Surfen im Web, Lesen und Senden von E-Mails, Genießen von Bildern, Betrachten von Videos, Musikhören, Spielen, Lesen von E-Books und vielem mehr". So steht es in Apples Pressemitteilung.
Revolutionär klingt das nicht, können wir ja bereits alles. Aber eben nicht so mobil und entspannt wie mit dem iPad. Der Akku soll Energie für zehn Stunden liefern, im Stand-by soll es gar einen ganzen Monat durchhalten. Das 9,7 Zoll Multitouch Glossy-Display hat eine LED-Hintergrundbeleuchtung und kann Filme und Videos in HD-Qualität zeigen, bei Spiegel Online ist man vollauf begeistert. Die Festplatte ist ein Flashspeicher mit 16, 32 oder 64 Gigabyte Kapazität. Angetrieben wird das iPad von einem A4-Chip mit einem Gigaherz Leistung. "Schnell, schnell, schnell soll der von Apple entworfene Chip sein, soJohn Gruber. Das Ganze ist verpackt in ein 1,3 Zentimeter dünnes Aluminiumgehäuse und bringt 680 Gramm auf die Wage, 730 Gramm als UMTS-Modell.
Bluetooth ist in allen Modellen vorhanden. Integriert sind außerdem Lautsprecher, Mikrofon und ein 3,5 Millimeter Kopfhörerausgang. Der Preis für das Einstiegsmodell mit 16 Gigabyte ohne UMTS liegt bei 400 Dollar, mit UMTS-Modul sind es 630 Dollar. Die 32 und 64 Gigabyte-Modelle kosten jeweils 100 Dollar mehr, das Spitzenmodell mit 64 Gigabyte und UMTS somit 830 Dollar. Die Preise für Europa stehen noch nicht fest, ab März aber soll das WLAN-Gerät auch hierzulande angeboten werden, ab April die UMTS-Variante. Und während man hier wohl noch nach Partnern für den Internetzugang sucht, hat man sich in den USA bereits mit AT&T geeinigt. Der Carrier bietet zwei Tarifoptionen an: für 15 Dollar gibt es ein Datenvolumen von 250 Megabyte, für 30 Dollar eine Datenflatrate. Beide Angebote sollen jederzeit kündbar sein.
Was dem iPad dagegen fehlt ist eine Kamera. Für ReadWriteWeb ist dies gar ein Killer-Argument, wollen wir doch heute jederzeit und überall unsere visuellen Erlebnisse mit unseren Freunden auf Facebook & Co. teilen. Das iPad aber verdammt uns dazu, stets eine Kamera in der Tasche zu haben und den Videochat via Skype mit den Freunden kann man auch vergessen. Viel schlimmer aber, man kann keine Augmeted Reality-Anwendungen laufen lassen. Deren Mehrwert gilt es allerdings auch noch zu beweisen. Rumhampelnde Stars und Sternchen in der Mitte eines Hochglanzmagazins sind nett, man kann auf derlei Spielereinen aber getrost verzichten.
Als Betriebssystem kommt iPhone OS zum Einsatz. Somit laufen die im App Store erhältlichen Applikationen auch auf dem iPad. iPhone-Besitzer sollen bereits vorhandene Apps einfach auf das iPad übertragen können. Für die Entwicklung der Applikationen wurde das iPhone SDK bereits erweitert. Zwölf Anwendungen hat Apple bereits für das iPad optimiert, u.a. iMal, iCal, iPhoto und Safari. Zudem gibt es eine spezielle Version von iWorks, für je zehn Dollar gibt es Keynote, Pages oder Numbers. Flash dagegen sucht man auf dem iPad, genau wie auf dem iPhone, vergebens. Und Multitasking ist auch nicht möglich.
Texteingaben erfolgen über eine virtuelle Tastatur, deren Bedienung einfach und intuitiv sein soll. Die Größe entspricht in etwa einer herkömmlichen Notebooktastatur. Wem das Getippe auf den virtuellen Tasten zu umständlich ist, der kann eine Apple-Tastatur anschließen. Da man künftig auch weiterhin mit Smartphone und Kamera im Gepäck reist, dürfte die wohl nicht weiter ins Gewicht fallen.
Präsentiert hat Steve Jobs das iPad freilich nicht ohne Partner. Zum einen ist das die Spieleindustrie, die sich wie Bolle ob der neuen Möglichkeiten freut. Bereits der iPod touch beeindruckt für das kleine Spiel zwischendurch, das iPad bietet einen größeren Bildschirm und es gibt Rückmeldung, es vibriert. Need for Speed auf dem iPad: "The touch controls make the iPad experience unique", schwärmt Mashable und sieht in dem Gerät einen Game Changer im Spiele-Bereich.
Kooperiert hat man auch mit der New York Times. Vertreter der Zeitung haben die letzten Wochen bei Apple in Cupertino verbracht und sind zu dem Schluss gekommen, dass iPad läutet die "nächste Generation des digitalen Journalismus" ein. Wie man sich den vorstellt zeigt das Video der Sports Illustrated: Zeitungen und Magazine werden angereichert mit Bildergalerien, Videos und Social Media-Funktionen.
Als E-Reader sieht Apple das iPad auch, iBookstore heißt der zugehörige virtuelle Buchladen, ein Angriff auf den Kindle von Amazon. Die Bücher für das iPad sind bunter, die Schrifttypen lassen sich ändern und vom Start weg sind bereits Verlage wie HarperCollins, Penguin, Simon&Schuster, Macmillan und Hachette dabei.
Eigentlich hört sich das alles gar nicht so schlecht an und doch, die Stimmung scheint irgendwie gedrückt. Erwartet hat man eine Wunderwaffe, die die Mediennutzung revolutioniert, Netbooks, Notebooks und gar Desktops überflüssig macht, Verlagen eine goldene Zukunft beschert und uns vor lauter Entzücken den Weltfrieden bringt. Bei derlei Fieber-getriebenen Erwartungen kann man am Ende ja nur enttäuscht sein. Zumindest ist man das bei Carta: "Es hätte der ganz große Wurf werden sollen, der Tablet Computer von Apple. Stattdessen ist das iPad nur ein hübsches Gadget, das weder dem Internet im Allgemeinen noch dem Mediensektor im Speziellen eine klare Richtung weist." Und als Beweis für die allgemeine Enttäuschung stützt man sich auf den Aktienkurs von Apple, der mit der Präsentation leicht nachgegeben hat.
Wenn man aber ehrlich ist, dann hat der Aktienkurs nicht viel mit der Realität gemein, Apple ist nicht für die Zukunft des Internets verantwortlich und schon gar nicht für das Überleben der Verlage. Das iPad füllt die Lücke zwischen iPhone und Netbook. Es ist ganz klar der neue Kaffeehaus-Computer, wie ihn Futurzone beschreibt, der mit Sicherheit aber häufig in Gebrauch sein und nicht deaktiviert auf dem Tisch liegen wird. Zur Erinnerung, ich kann E-Mails bearbeiten, im Internet surfen, Bilder und Videos anschauen, Bücher lesen und spielen.
Verlage, die ihr Angebot auch auf dem iPad anbieten wollen, müssen zwar den Weg über den App Store gehen. Aber kann man Apple das verdenken? Es steht Verlegern weltweit frei, ob sie das Angebot annehmen oder nicht. Sicherlich wäre es besser sie suchten ihr Heil direkt im Netz und nicht auf der Ebene von Apps und iTunes, in einem freien Netz anstatt in Abhängigkeit eines Anbieters. Zumal die Zukunft des Internets im Browser liegt, wie Jeff Jarvis vor einigen Tagen in München bekräftigt hat. Wahr ist aber auch, neben Apple gibt es zahlreiche weitere E-Reader und Tablet-Anbieter.
Der Kindle aber ist bereits seit zwei Jahren auf dem Markt, in der Zeit haben es die Verlage nicht geschafft, attraktive Angebote für den Reader zu entwickeln. Vor dem Hintergrund fällt es schwer zu glauben, dass Burda, Springer und Holtzbrinck es irgendwann schaffen, interessante Angebote für das Web zu schnüren. Nachdem man sich jahrelang erfolglos über die Blogger beschwert hat, hat man nun Google zum Feind erkoren. Solange man aber die Realitäten verkennt, nur durchschnittlichen Journalismus abliefert und Formaldefinitionen wie Aktualität und Sachlichkeit erfüllt wird die Zukunft der Verlage alles andere als rosig.
Als ein weiterer Anbieter – und im Laufe des Jahres werden weitere folgen – bietet Apple Verlagen eine Möglichkeit, Einnahmen im Netz zu generieren. Ob Verlage dieses Angebot annehmen und welche Zukunft sie haben, dies liegt bei ihnen.
Felix Schrader
Das Video ist schon gut zwei Monate alt und soll ein Fake sein, wie viele andere die im Netzt rumgeschickt wurden. Das ipad mag ich trotzdem haben :)
Das stimmt, Video soll ein Fake sein und alt ist es auch. Aber die digitale Zeitung, die Apple gestern gezeigt hat, sah ganz ähnlich aus. Daher hier nochmals der Hinweis auf das Video. Zudem, das was man dort sieht ist möglich und man kann nur hoffen, dass die Verlage ihre elektronischen Zeitungen und Magazine dementsprechend gestalten werden. #zitieren
"Fast, fast, fast, soll der von Apple entworfene Chip sein,"
wäre doch viel leserlicher:
"Schnell, Schnell, sehr schnell, soll der von Apple entworfene Chip sein,"
Ein "Fast" ist im Deutsch halt Beinahe und hat mit Schnell nichts zu tun.. :)
Tja:
Das Ding sieht sehr gut aus, das erste Apple Gerät welches mir vom Design her gefällt. (Sorry, aber mit den anderen konnte ich mich nicht anfreunden)
Aber:
Nicht wirklich als Netbook Ersatz brauchbar, das es heikel zum transportieren ist. Bei einem Netbook klappe ich den Deckel zu und das Ding ist gut geschützt.
Und für daheim wäre eine Frontwebcam schon zeitgemäss gewesen
Ob das Ding die 500US$ wert ist... ?
Für mich derzeit sicher nicht. #zitieren
Felix Schrader:
mamamila:
Das Video ist schon gut zwei Monate alt und soll ein Fake sein, wie viele andere die im Netzt rumgeschickt wurden. Das ipad mag ich trotzdem haben :)
Das stimmt, Video soll ein Fake sein und alt ist es auch. Aber die digitale Zeitung, die Apple gestern gezeigt hat, sah ganz ähnlich aus. Daher hier nochmals der Hinweis auf das Video. Zudem, das was man dort sieht ist möglich und man kann nur hoffen, dass die Verlage ihre elektronischen Zeitungen und Magazine dementsprechend gestalten werden.
#zitieren
"Zur Erinnerung, ich kann E-Mails bearbeiten, im Internet surfen, Bilder und Videos anschauen, Bücher lesen und spielen."
Das kann man doch auch mit einem normalen Laptop, wenn dieser irgendwie mit dem iBookstore verknüpft wird. Wenn das iPad normale Hintergrundbeleuchtung hat, ist es in diesem Punkt wieder schlechter fürs Bücherlesen als spezielle Reader.
Ich weiß nicht... Seit Monaten wird von nichts anderem geredet und am Ende ist es ein vergrößertes iPhone ohne Kamera. #zitieren

































