22. Februar 2010
Blogger, greift weiter nach dem Regenbogen
Die Zeiten wandeln sich und das Netz wird immer schneller. Das bekommen vor allen Dingen die Blogger zu spüren. Nicht abreissen wollen die Debatten über die Zukunft des Mediums. Hatte man vor rund zehn Jahren sein Blog, auf dem man alles geposted hat, über das man bei seinen Reisen durchs Netz stolperte, so hat die Blogosphäre nicht zu unterschätzende Konkurrenz bekommen. Facebook, Twitter, Tumblr und wie sie alle heißen – sie alle wollen bespaßt werden. Ein Umstand, mit dem sich aktuell auch Don Dahlmann in seinem Blog beschäftigt.
Vieles, was man früher gebloggt hat, verbrät man heute bei Twitter oder Facebook. Das sehe ich an meiner Art der Kommunikation. Ich verteile Links per Twitter, You Tube und blip.fm bei Facebook. Und am Ende des Tages bleibt wenig übrig, dass man a) noch verarbeiten kann und b) hat erstaunlicher oft schon jemand anderes kluge Sätze geschrieben, da muss man sich nicht noch hinten dranhängen.
User-generated muss er sein, aber irgendwie auch genuin – der Content. Heute gilt es, sich wohl zu überlegen, ob man beispielsweise ein Video im Blog posted oder es via Facebook verteilt. Ersteres mag in Frage kommen, wenn man ein paar kluge Gedanken dazu findet, über die es sich zu schreiben lohnt. Will man den Link nur verbreiten, ist man mit Facebook wahrscheinlich besser beraten. Das Aufkommen von Microblogging und sozialen Netzwerken hat den in Frage kommenden Content ordentlich ausgedünnt. Worüber also noch bloggen?
Dahlmann schiebt den Blog-Hostern – allen voran Wordpress – den schwarzen Peter zu und findet andernorts Zustimmung. An den Möglichkeiten der notwendigen Vernetzung mit den übrigen Kanälen mangele es dem Blogging-Tool. Es verschlafe gerade die Pionierrolle, als sozial-medialer Knotenpunkt zu agieren. Man müsse wieder zusammenführen, was Twitter, Facebook & Co. in den letzten Jahren allmählich zerschlagen haben.
Die schnelle Kommunikation per Blogs wirkt veraltet, quasi die BBS der 80er oder Foren der 90er Jahre. Weil die Technik still steht, weil Wordpress sinnlose Dinge wie eine Bildbearbeitung ins System bastelt, statt sich um eine Integration verschiedener Dienste zu kümmern. Das macht Blogs zum einen langsam, zum anderen zwingt es die User, andere Vernetzungsformen zu suchen.
Doch ist es wirklich die Aufgabe von Blogs, als Knotenpunkte der Social Media für schnelle Kommunikation zu sorgen? Ist es Aufgabe der Bloganbieter, für Konvergenzen zu sorgen? Könnte das Problem nicht vielmehr bei den Bloggern selbst liegen, die sich entscheiden müssen, ob sie Links durchs Netz schleudern oder selbst Content erzeugen wollen? Sollte man im Endeffekt nicht gar froh sein, dass der ganze Spam nun nach Twitter und Konsorten ausgelagert worden ist?
Blogs haben in gewisser Weise, wieder zu ihren Wurzeln zurückgefunden. Man schreibt nicht mehr alles auf, dafür gibt es Linkschleudern wie Twitter, aber wenn man schreibt, dann sind es längere Texte.
So hat der Wandel also doch seine guten Seiten. Auch wenn Twitter und Facebook es vormachen und es absolut verlockend ist – Bloggen geht über das eigentliche Verteilen von Links hinaus. Blogs brauchen eigenen Content, um interessant zu wirken – wenigstens zum Teil. Der Blogger täte demnach gut daran, den Traffic aus den Augen zu verlieren und den Fokus wieder auf den Content zu setzen.
Das InspiredMag schlägt gar vor, statt ein neues Blog zu eröffnen sollten Blogger an anderen, bereits bestehenden partizipieren. Heutzutage schreibt der durchschnittliche Blogger nicht mehr so viele Beiträge – eben weil sie länger und mühsamer recherchiert sind, sollte man sie doch auf einem bereits bestehenden, erfolgreichen Blog oder Magazin veröffentlichen. Eine Liste mit in Frage kommenden Designblogs hat man auch parat. Frei nach dem Motto: Blogger aller Länder vereinigt euch.
Die CREATE OR DIE Redaktion liest nach wie vor gerne Blogs und wir wissen interessante Posts zu schätzen. Selbstverständlich verstehen wir die Problematik, vor die sich viele Blogger gestellt fühlen. Wir hoffen allerdings, dass dies dem Bloggen keinen Abriss tun wird. Unter allen Kommentaren und Retweets zu diesem Beitrag möchten wir daher die Video-Schulung zu Wordpress von Frank Bültge verlosen, auf dass ein neuer Stern am Bloggerhimmel geboren wird.
Jürgen Telkmann
Die COD-Redaktion #zitieren
































