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3. Juli 2008

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(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/kolumnen/044043)

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Es gibt ein untrügliches Zeichen für anstehende Produkt-Releases der Firma Apple: Wenn der entsprechende Artikel im Onlineshop nicht mehr lieferbar ist, werden die Lager geräumt. So in diesen Tagen geschehen mit dem iPhone, jenem Gerät, das der Oxford-Professor Jonathan Zittrain in seinem Buch „The Future of the Internet and How to Stop It“ kritisch beäugt. Seine These: Abgeriegelte Geräte wie iPhone, Xbox und Tivo könnten das Web in den Abgrund führen.

Die Schattenseiten der Freiheit

Was diese Geräte so attraktiv für den Endnutzer macht, ist klar: sie sind in aller Regel nett gestaltet, einfach zu nutzen und zuverlässig. Im Gegensatz zu einem PC. Die einem PC innewohnende Freiheit im Sinne einer Veränderbarkeit durch den Nutzer hat zahlreiche Schattenseiten, die den Nutzer zunehmend verunsichern, z.B. Viren, Spam oder Rechnerabstürze. Viele Nutzer sind daher bereit, diese Freiheit für das Versprechen von mehr Sicherheit aufzugeben – mit fatalen Folgen. Denn bislang wurden alle fundamentalen Innovationen im Netz nicht von großen Konzernen gestiftet, sondern von ambitionierten Tüftlern. Und da das iPhone ungefähr so offen ist wie die iranische Blogger-Szene, könnten solche Innovationen in Zukunft ausbleiben, so Zittrain.

Apple verbietet es schlichtweg, Veränderungen vorzunehmen, bei Firmware-Upgrades wird sogar bewusst nach Modifikationen gesucht. Es ist ominös, dass Hersteller Geräte weiterhin verändern können, nachdem Endanwender diese gekauft haben. Ein ähnliches Szenario liegt bei Web-2.0-Anwendungen vor. Computer werden zu Terminals reduziert, die gesamte Funktionalität ist beim Serviceprovider gehostet. Eine Veränderung der Applikation durch den Nutzer ist ausgeschlossen. Können Sie mit Sicherheit sagen, dass sich auch morgen noch Google Maps in ihre Internetpräsenz einbinden lassen? Ein geschlossener Endpunkt.

Webtrends zwischen Schlüssellochreiz und Gemeinschaftssinn

Wenn Webtrends zwischen Schlüssellochreiz und Gemeinschaftssinn oszillieren, hat derzeit ein anderes Google-Projekt Chancen, zur Speerspitze eines neuen Webtrends zu werden: "Street View“. Nach überbordender Sozialmeierei kann der Nutzer hier im besten voyeuristischen Sinne viele der Schandtaten finden, die er auch gerne mal verüben würde. Die Suche nach anrüchigen oder sensationellen Fotos im Web ist für manchen zur Jagd geworden und findet nun in „Street View“ ein neues Elysium.

Um online einen Spaziergang durch die Straßen amerikanischer Städte zu ermöglichen, hat Google ganze Straßenzüge abfotografieren lassen. Google will, trotz zahlreicher Bedenken, den Dienst ausbauen und auch nach Deutschland bringen. Ob’s kommen wird, ist fraglich, derzeit prüfen Datenschutzbeauftragte in Nordrhein-Westfalen ein ähnliches Projekt der Post (die unlängst bei ihrem "Plusbrief individuell" durch eine von einem Nutzer gestaltete Briefmarke mit dem Konterfei von Rudolf Heß aufgefallen ist). Und mit europäischem Recht ist das Programm in seiner jetzigen Form auch nicht vereinbar.

Privatsphäre, was ist das?

Google, clever wie eh und je, hat zwischenzeitlich schon viele der Gesichter der auf den Fotos auftauchenden Passanten unkenntlich gemacht und verspricht eine ähnliche Vorgehensweise auch im deutschen Angebot. Im Sinne einer Arrondierung des Serviceangebots fehlt nur noch eine Verlinkung jedes abfotografierten Passanten mit seiner Google Health-Kartei.

Mit der Unantastbarkeit der Privatsphäre ist es ohnehin nicht mehr weit her in Schäubles Ländle, dort wo es Datenschützer braucht wie Landschaftsgärtner auf dem Mond. Wenn laut Jonathan Zittrain iPhone, Tivo und Xbox das Internet kaputt machen, dann ist das irgendwie nur die halbe Wahrheit.

Es bleibt spannend!
Ihr Markus Nix

Felix Schrader

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