2. September 2009
Das Web gegen Jako – David vermöbelt Goliath
Wenn Unternehmen sich mit ihren Kampagnen zu weit in die Blogosphäre vorwagen, kann der Schuss leicht nach hinten losgehen. Das hatte zuletzt die Vodafone-Kampagne "Generation Upload" gezeigt, auf welche die deutschen Blogger alles andere als freudig reagiert haben. Nun scheint ein weiteres Unternehmen diese Marke überschritten zu haben: der Sportartikelhersller Jako. Die Abmahnung eines kleinen Bloggers hat derweil eine Welle der Entrüstung ausgelöst, die längst über die Grenzen der Blogosphäre hinausgetreten ist.
Begonnen hatte alles mit der Abmahnung eines eher unbekannten Bloggers namens Trainer Baade. Dieser hatte in einem Artikel den Hersteller von Teamsportkleidung mit diversen Lebensmitteldiscountern verglichen und sich damit – in Jakos Augen – missgünstig über die Produktpalette geäußert. Jako bewertete den Beitrag unter anderem als "unzulässige Schmähkritik" und beauftragte eine Rechtsanwaltskanzlei, die den Blogger umgehend mit knapp über 1.000 Euro abmahnte. Trainer Baade zeigte sich kooperativ, zahlte die Strafe und entfernte den Stein des Anstoßes von seinem Blog. Da sein Jako-Artikel allerdings noch in Newsaggregatoren gespeichert war, sah Jako sich jedesmal erneut geschädigt und forderte immer höhere Strafzahlungen. Er hätte das Internet sorgfältiger prüfen sollen, so der absurd anmutende Wortlaut einer Begründung. Die vollständige Geschichte wird auf allesaussersport.de ausführlich geschildert.
Jako hätte sich vermutlich nie träumen lassen, was für ein Feuer mit der Abmahnung eines kleinen Bloggers losgetreten werden würde. Die Blogosphäre zeigt sich entrüstet. Zahlreiche Artikel wurden inzwischen über den Vorfall verfasst, die dazu geschriebenen Kommentare lassen kaum ein gutes Haar an Jako. Und dann wären da noch Twitter, Facebook und all die anderen Kanäle, die eine Meldung blitzschnell in die hintersten Winkel der deutschsprachigen Webgemeinde tragen. Netzwertig.com verweist auf den Streisand-Effekt. Den Kern der Kritik, welche die Webgemeinde an Jako übt, fasst allesaußersport.de wie folgt zusammen:
Ein Unternehmen wie die JAKO AG, die sich in den Schreiben u.a. auf Augenhöhe mit Adidas in Sachen Trikotsverkauf sieht und mit der Rückhand von einem Jahresumsatz von über 60 Millionen Euro schreibt, kann nicht durch einen nur zirka 400 Leser erreichenden Blogeintrag meßbar geschädigt werden. Das ist schlichtweg irre! Die JAKO AG und Iris Sanguinette [die beauftragte Rechtsanwältin] müssen sich fragen – ja sogar vorwerfen – lassen, dass ihnen die Maßstäbe bei der Beurteilung des angeblichen Schadens komplett entglitten sind und sie bei der technischen Beurteilung über die Machbarkeit der Entfernung solcher Passagen außerhalb der eigenen Website nicht realitätsnah urteilen.
Für eine Marke, die bislang – mit Ausnahme von Eintracht Frankfurt Fans – kaum jemand gekannt haben dürfte, ist dies nicht gerade die beste Art, Werbung zu machen. PR-Blogger Klaus Eck urteilt, Jako habe "dabei jede Kommunikationsstrategie außer Acht" gelassen – "Ein gutes Online Reputation Management sieht anders aus". Der Wikipedia-Artikel zu Jako ist bereits um das PR-Desaster ergänzt worden.
Im Forum der Eintracht ist der Vorfall des Trikotausstatters seit gestern eingänglich diskutiert worden. Die Diskussion wurde inzwischen hingegen gesperrt. Die Begründung: "Auf Bitte des betroffenen Bloggers "Trainer Baade" (nicht des Ausrüsters, dies ist keine Zensur!) schliessen wir nun diesen Thread. Beide Parteien sind gerade dabei, eine gute Lösung und Einigung zu finden." Überraschende Nachrichten, denn bislang hat sich Jako nicht zu dem Vorfall geäußert. Der offizielle Ansprechpartner für diese Angelegenheit befindet sich derzeit im Urlaub, heißt es seitens Jako.
Jürgen Telkmann

























