
28. Mai 2010
Das iPad ist da: Ist das gut oder schlecht?
Das iPad ist da. Nur, es zu kaufen, dürfte schwierig werden. In ausreichender Stückzahl und allen Konfigurationen soll es das Tablet in den Apple Stores in Hamburg, Frankfurt und München geben. Anderorts könnten Interessierte leer ausgehen. Zumindest haben sich die Reseller bisher in Schweigen gehüllt. Vorbestellungen waren auch nicht möglich. Gravis hat lediglich angekündigt, heute seine Läden bereits um 8 Uhr öffnen zu wollen.
Vielleicht aber ist ein wenig Abstand zum neuesten Kult-Produkt aus der Apfel-Manufaktur auch nicht schlecht. Die Kinderkrankheiten des Tablets sind unlängst bekannt. Der Liste hinzufügen könnte man noch den Punkt Rückenschmerzen. Aufgrund der ungewohnten Haltung, die das iPad erlaubt, wird hier und da von verkrampfen Sitzpositionen berichtet, die zu Schmerzen im Dorsum führen.
Keine Pornos, keine nackte Haut
Beeindruckend, was wir für dieses Stück Technik auf uns nehmen. Für 500 bis 800 Euro kaufen wir ein Gerät, das unseren Rücken geißelt, uns zu Stubenhockern degradiert (Nein, Apple liefert uns mit dem Tablet nicht die mobile Freiheit, denn in der Sonne ist das Gerät absolut unbrauchbar.) und das uns den Moralvorstellungen eines einzelnen Konzerns unterwirft. Denn was für das iPhone gilt, hat auch beim iPad Bestand.
Pornos, nackte Haut sind auf dem iPad tabu. Die Bild-Zeitung beugt sich diesem Diktat bereitwillig und gedankenlos. Manch ein Kritiker mag jetzt anführen, etwas anderes hätte man von der Springer-Gazette auch nicht erwartet. Wer aber kauft die digitale Bild ohne ihre Mädchen auf Seite 1 bzw. mit weggeblitzen Nippeln?
Der Spiegel dagegen hat es geschafft blanke Busen in seine iPad-Ausgabe zu bringen, weiß Malte Herwig. Sollte Apple den Sündenfall entdecken, dürfte das deutsche Nachrichtenmagazin aus dem App Store jedoch verbannt werden. Presse- und Informationsfreiheit sieht irgendwie anders aus.
Den Moralvorstellungen eines Weltkonzerns unterworfen
Frank Schirrmacher geht in seiner Kritik gar noch weiter. (Ja, ja, der Schirrmacher). "Alles, was man aus den USA hört, klingt weniger nach der Entwicklung und Vermarktung eines Gerätes, als vielmehr nach Schaffung und Gründung eines Staates", schreibt der Herausgeber der FAZ im Rolling Stone. "Das fängt damit an, dass Apple auf Inhalte Einfluss nehmen will oder sich zumindest vorbehält, über sie mit zu entscheiden. Ein derartiges Ansinnen hätte noch vor wenigen Jahren zu einem Aufstand der öffentlichen Meinung geführt." Erstaunlich, dass sich heute niemand daran stört.
Schirrmacher bezeichnet das iPad aufgrund seiner Geschlossenheit gar als eine "Insel im Strom des Geschehens" und warnt, Apple könne versuchen, der autoritäre Herrscher auf dieser Insel zu werden. Das könnte nicht nur so sein, das wird so sein. Welches Unternehmen verzichtet heute denn freiwillig auf Geld und Macht? Vor allem, wenn sich seine Kunden so bereitwillig führen lassen.
Testberichte zum iPad
Welt: Mein Leben mit dem iPad
Spiegel Online: Mickriges Spielzeug für magische Momente
Felix Schrader
Wie war das mit Adam und dem Apfel? #zitieren

























