30. Oktober 2009
Das iPhone wird Verlage nicht retten
Für Verlage ist das iPhone so etwas wie der Stein der Weisen. Mit Hilfe von Azoth glaubten Alchemisten, unedle Metalle in Gold verwandeln zu können. Nach W&V vorliegenden Informationen prüfen einige regionale Tageszeitungen, einen gemeinsamen Kiosk auf dem iPhone anzubieten. Marktwert IT hat dazu ein Konzept erarbeitet und unter dem Arbeitstitel "News Push" den Verlagen präsentiert.
Push News sieht vor, die Nachrichten der beteiligten Zeitungen mit dem Namen der Publikation zu kennzeichnen und via Push-Verfahren an iPhone-Nutzer auszuliefern. Diese würden somit einen kontinuierlichen Nachrichtenstrom erhalten. Artikel sollen einzeln gelesen werden oder über Channels abonniert werden können.
Ein Artikel soll knapp 80 Cent kosten, ein Monatsabo für einen Channel soll es für acht Euro geben, berichtet Marian Semm. Die Verlage werden an diesen Einnahmen mit 50 Prozent beteiligt, 20 Prozent gehen an Marktwert IT, 30 Prozent an Apple.
Für die Verlage hätte News Push den Vorteil, dass sie keine eigene Applikation für das iPhone entwickeln müssten. Und im Verband mit anderen lässt sich schneller mehr Aufmerksamkeit generieren. Einen Grund angesichts dieser Möglichkeiten geradezu "elektrisiert" zu sein, gibt es jedoch nicht. Denn mit News Push wird ein weiterer Nachrichtenkanal aufgemacht der bedient werden will. Und zwar mit erstklassigem Content, oder für was sollen die Nutzer hier bezahlen?
Für überregionale Nachrichten Geld zu bezahlen wird niemand bereit sein. Die Agenturmeldungen, die die Zeitungen verarbeiten finden sich im Netz an jeder Ecke. Hier ist das Angebot beliebig austauschbar – vor allem aber, es kostet nichts.
Bliebe noch der regionale Bezug. Vorstellbar, dass Nutzer hier durchaus bereit sind, für hochwertige Informationen zu bezahlen. Ausgedünnte Redaktionen jedoch können diese Qualität kaum noch liefern. Zumal die Zeitung auch noch gefüllt werden will. Und wenn ich mein regionales Interesse bereits über Push News gestillt habe, warum sollte ich dann überhaupt noch die Zeitung kaufen?
Felix Schrader
































