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31. August 2007

Das soziale Wesen

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/kolumnen/037832)

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"User-generated Content", "Crowdsourcing" und "Virales Marketing", das sind nicht Buzzwords des Web 2.0, des neuen Webs, sondern des alten Webs, des Web 1.0. Sie betrachten den Menschen wahlweise als Inhaltslieferanten, als billige Arbeitskraft oder als Werbeträger. Doch die Überlebenden des Web 1.0 und heutigen Giganten des Web 2.0, allen voran Amazon und eBay, haben gezeigt, dass der Mensch vor allem eines ist: ein soziales Wesen.

Die sozialen Bedürfnisse
Sie befriedigten das Bedürfnis des Menschen nach sozialen Beziehungen lange bevor hierfür der Begriff "Social Networking" durch die Marketingabteilungen der Medien- und Webunternehmen geisterte. Wenn ich wissen möchte, ob ein Produkt etwas taugt, dann frage ich jemanden, der das Produkt bereits gekauft hat, um seine Meinung. Das ist, was Amazon so populär gemacht hat: die Meinung anderer.

Doch warum veröffentlicht dieser andere seine Meinung auf Amazon? Weil auch er ein soziales Wesen ist, jemand, der Anerkennung sucht, der sich mitteilen möchte, ja, der sich in gewisser Weise selbstverwirklichen möchte, sei es auch nur durch eine schlichte Buchrezension. Im Vordergrund steht bei Amazon nicht der Nutzer als Erzeuger von Inhalten, sondern der Nutzer als Nutznießer einer Plattform, die es ihm ermöglicht, seine Bedürfnisse zu befriedigen – seine materiellen wie sozialen.

Das soziale Netz
Auch eBay ist so eine Plattform, eine Handelsplattform, und weil Handel eine Form sozialer Interaktion ist (so treiben viele auf eBay nur des Handelns wegen Handel), ist auch eBay Teil des Social Webs, des sozialen Netzes. Doch war das Web in seiner ursprünglichen Form etwa nicht sozial? Brauchte es einen Aufsatz, einen Zusatz oder gar eine zweite Version, das Web 2.0, um sozial zu werden?

Sozial ist, was Arbeit schafft, oder alternativ der Mindestlohn. Unsozial ist Hartz IV. Das ist der Kontext, in dem wir, die Deutschen, das Wort "sozial" gebrauchen. Soziale Software – lieber nicht, man sieht ja wohin uns der Sozialstaat gebracht hat. Social Software – das klingt schon besser.

Die soziale Software
Sozial ist "die individuell unterschiedlich stark ausgeprägte Begabung, sich in eine Gemeinschaft einzufügen und wirkungsvoll mit anderen zusammenzuarbeiten." Das ist die Definition, nein, nicht aus der Wikipedia, sondern ausnahmsweise aus dem Brockhaus. Sozial ist demnach eine Software, die ihrem Benutzer dabei hilft, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, mit diesen zu kommunizieren und – ja, auch Arbeit kann sozial sein – mit anderen gemeinsam produktiv und kreativ zu sein.

Das Web war also schon immer sozial. Sein Erfinder, Tim Berners-Lee, hatte es aus genau diesem Grund erschaffen: damit Menschen (Physiker in dem speziellen Fall) über das Netz Informationen austauschen konnten. Dazu hatte der erste Browser, WorldWideWeb hieß er, auch einen Edit-Button, damit jeder sein Wissen jedem mitteilen konnte – das erste Wiki, das WikiWikiWeb, lässt grüßen.

Die soziale Revolution
Doch dann kam die New Economy, Content war deren King und die Nutzer waren nur noch Konsumenten. Das klingt vertraut. Heute sind Nutzer Produzenten, "Data is the next Intel inside" und die Rede ist vom "neuen Web" (anstelle der neuen Ökonomie). Und wiederholt sich die Geschichte? Hoffentlich nicht!

Nicht die Daten sind der König – der Kunde ist König! Online-Services, das sagt bereits alles: Es geht um den Dienst am Nutzer und nicht etwa um dessen Daten. Social Online Services, seien es Social Networks oder Social-Bookmarking-Websites, sollten deshalb vor allem anderen eines im Blickfeld haben: die sozialen Bedürfnisse ihrer Nutzer.

In diesem Sinne: Think social.

Martin Szugat

Felix Schrader

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